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Erfurter Stadtschreiber-Literaturpreis

Stadtschreiber Catalin Dorian Florescu  
Catalin Dorian Florescu ist der 5. Erfurter Stadtschreiber.
 
   

Der Erfurter Stadtschreiber-Literaturpreis

Stadtschreiber 2010

Die Landeshauptstadt Erfurt hat im Jahre 2010 zum 5. Mal den Stadtschreiber-Literaturpreis vergeben.

Der Preis:

Die Stadt Erfurt fördert seit 2002 das Projekt "Erfurter Stadtschreiber-Literaturpreis". Die Förderung von Autorinnen und Autoren durch eine Erfurter Stadtschreiberstelle ist eine Art geistiger Visitenkarte der thüringischen Landeshauptstadt. Erfurt als eine der ältesten Buchdruckerstädte Deutschlands soll so mehr in den Mittelpunkt des literarischen Interesses gerückt und als Literaturstandort profiliert werden.
Der Erfurter Stadtschreiber-Literaturpreis wird an Autorinnen und Autoren deutscher Sprache vergeben, die u.a. die Gegenwart poetisch in Gedanken fassen und zur sprachlichen und ästhetischen Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen und Auffassungen beitragen. Literarische Gattungen sind nicht vorgegeben.
Mit der Verleihung des symbolischen Amtes des Erfurter Stadtschreibers ist für den Zeitraum vom 1. April bis zum 31. Juli des jeweiligen Jahres ein Preis in Form eines monatlichen Stipendiums sowie die kostenlose Bereitstellung eines Apartments (Stadtschreiberwohnung) in Erfurt verbunden.
Gewünscht ist, dass der Erfurter Stadtschreiber für die Zeit seines Amtes die Stadtschreiberwohnung als Wohnsitz wählt.
Der Erfurter Stadtschreiber-Preis wird durch eine Jury bis zum 30. November des Vorjahres der Preisverleihung vergeben. Die Finanzierung des Erfurter Stadtschreiberpreises erfolgt durch die Stadt Erfurt.


Die Ursprünge:

Stadtschreiber sind in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Als städtische Beamte leiteten sie, meist juristisch geschult, die städtischen Kanzleien und besorgten den gesamten Schriftverkehr. In Erfurt ist seit 1265 ein beamteter Stadtschreiber nachzuweisen. Bis in die ersten Jahre des 15. Jahrhunderts waren ständig zwei Schreiber beschäftigt. Der Oberstadtschreiber war nicht nur Stadtschreiber, sondern auch Ratgeber und Anwalt des Rates in allen Fragen der Stadtpolitik. Nach der Übernahme von Stadt und Verwaltung durch Preußen 1802 übernahmen die städtischen Beamten den Schriftverkehr selbst. In dem Maße, wie sich der städtische Rat schriftlicher Aufzeichnungen bediente, erhalten wir durch die Tätigkeit der Schreiber ein getreues Abbild der Schriftsprache jener Zeit. Die Kanzleisprache ist gleichzeitig auch ein Spiegel der Entwicklung der Stadtsprache. Erfurt war Zentrum des Thüringischen und zugleich Drehscheibe der Kanzleischreiber zu anderen deutschen Dialektgebieten. Die bedeutende Erfurter Universität und das frühzeitig entwickelte Druckereiwesen trugen dazu bei, dass in Erfurt ein Sprachausgleich zwischen oberdeutschen und mitteldeutschen Dialekten stattfand. Insoweit wirkten die Erfurter Stadtschreiber an der Herausbildung einer Literatursprache mit und fanden Eingang in die Sprach- und Literaturgeschichte. Heute ist der Stadtschreiber in Deutschland zumeist ein Schriftsteller, der auf Einladung der Stadt für eine befristete Zeit als Autor und Literaturvermittler wirkt. Der ehemalige Pressesprecher der Gruppe 47, Franz-Josef Schneider, erfand 1974 das symbolische Amt des Stadtschreibers neu. Im August 1974 berief die Gemeinde Bergen-Enkheim erstmalig einen Schriftsteller zum Stadtschreiber für ihren Ort. Man wollte für Autoren Möglichkeiten schaffen, von materiellem Druck befreit, schreiben zu können. Kein geringerer als Wolfgang Koeppen wurde von einer Jury, bestehend aus Heinrich Böll, Marcel-Reich-Ranicki, Hans-Werner Richter und Bergener Bürgern, in sein Amt berufen.

Catalin Dorian Florescu ist Erfurts fünfter Stadtschreiber. Er wurde 1967 in Rumänien geboren und flüchtete mit seiner Familie 1982 in die Schweiz, in der er noch heute lebt. Er studierte Psychologie und Psycho­patologie an der Universität Zürich, arbeitete als Psychotherapeut mit Drogen­abhängigen und ist seit 2001 freier Schriftsteller. "Ich sehe mich als europäischer Schriftsteller, der deutsche Literatur schreibt, in Rumänien geboren wurde und in der Schweiz lebt", fasst der 42-Jährige zusammen, der Europäer allein schon aufgrund seiner Geschichte sei und dessen Romane "osteuropäisch" geladen seien.

Florescu denkt aber nicht nur in europäischen Dimensionen, er ist auch viel in Deutschland unterwegs, zuletzt als Stadtschreiber in Dresden. "Liebe entsteht ja", erinnert er sich an seine Zeit in Dresden zurück und erklärt: "Manchmal kommt sie ganz langsam, manchmal ganz plötzlich. Aber sie entwickelt sich. Man muss sie sich erarbeiten." Das möchte er auch in Erfurt und sagt, dass er sehr fleißig darin sein werde, herauszufinden wer wir sind. Er möchte Lesungen veranstalten, mit Menschen ins Gespräch kommen und die Erfurter Cafés kennenlernen.

  Stadtschreiber Catalin Dorian Florescu

Der Erfurter Stadtschreiber des Jahres 2008 hieß Finn-Ole Heinrich. Eine elfköpfige Jury hatte sich unter 103 Bewerbungen für den 25 Jahre jungen Mann aus Hannover entschieden, der damit der 4. Erfurter Stadtschreiber wurde. Er überzeugte mit seinen eingereichten Erzählungen, seiner künstlerischen Vielfalt und seinen Vorstellungen, die er über sein Leben und Arbeiten in Erfurt hat.

Heinrichs erster Roman "Räuberhände" erschien im November im mairisch Verlag. In Erfurt möchte Finn-Ole Heinrich an bereits bestehenden Erzählungen arbeiten und neue schreiben.

Heinrich über Heinrich: "Meine Motivation für das Schreiben ist der Drang, mich einzumischen, das Maul nicht zu halten,  ..."   Wer mehr über den neuen Stadtschreiber aus Deutschlands Norden wissen möchte, kann sich bei http://www.pipe-up.de/ informieren.

Finn-Ole Heinrich / Foto: Alexander Raba

  Finn Ole Heinrich Stadtschreiber 2007 (alex raba freilieger.de)

externe Informationen: Finn´s Arbeitstagebuch ...

externe Informationen: Finn-Ole Heinrich - Erfurts neuer Stadtschreiber: Thüringen Journal - Sendung vom 02.04.2008

Die dritte Stadtschreiberin Antje Wagner betrachtete es als große Chance nach Erfurt zu kommen, denn die Umgebungen faszinierten sie und flossenen in der einen oder anderen Weise in ihre jeweiligen Texte ein. Sie las gerne in Schulen, Bibliotheken u. a. Einrichtungen, weil Sie Kontakt mit den Menschen suchte und sich als Autorin dem Publikum "stellen" wollte. Antje Wagner trat ihr "Amt" am 1. April 2006 an und war vier Monate im Erfurter Kulturleben präsent. Als Kolumnenschreiberin stellte sie wieder in der "Thüringer Allgemeine" Betrachtungen zu Ereignissen, Kuriositäten und Geschichten aus dem Erfurter Alltag an. 2005 hatte die Landeshauptstadt Erfurt zum dritten Mal den Erfurter Stadtschreiber-Literaturpreis ausgeschrieben. Von dem literarischen Förderangebot  haben 40 Frauen und 69 Männer im Alter zwischen 77 und 23 Jahren Gebrauch gemacht, wobei die Altersgruppe der Jahrgänge ab 1960 eindeutig überwog. Die größte Anzahl der Bewerbungen kam  aus Deutschland, 6 Bewerbungen kamen aus Österreich und 2 Bewerbungen aus der Schweiz. Mit Blick auf die Bewerberzahlen der Vorjahre, konnte man von einem Rekord sprechen. In der zwölfköpfigen Jury vertreten waren Thüringer und Erfurter Schriftsteller, Journalisten, Literaturwissenschaftler der Universität Erfurt sowie Erfurter Stadträte. Der Erfurter Stadtschreiber 2004, Dr. Lothar Schöne, gehörte der Jury an, so wie 2003 Dr. Inka Bach, die erste Erfurter Stadtschreiberin dabei war. Der "amtierende" Stadtschreiber hat bei der Auswahl des nächsten Stadtschreibers immer ein gewichtiges Wort mit zu reden.
  Antje Wagner (Foto: Uschi Koch)

Stadtschreiber 2004 - Dr. Lothar Schöne: Der zweite Erfurter Stadtschreiber war Dr. Lothar Schöne. Der 1949 in Herrnhut in Sachsen geborene Autor lebt in der Nähe von Wiesbaden. Nach einer Banklehre studierte Lothar Schöne Germanistik, Volkswirtschaftlehre, Allgemeine Rhetorik und Politikwissenschaften in Mainz. Der promovierte Kulturwissenschaftler und Schriftsteller war u. a. Feuilletonredakteur bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung und ist ein bestens gerüsteter Kolumnenschreiber, eine Tätigkeit, die u. a. zu den Aufgaben des Erfurter Stadtschreibers gehört. Lothar Schöne ist Theaterautor und Verfasser von Drehbüchern (Rosa Roth u. v. a.), er schreibt Gedichte und Romane.
Anfang April 2004 hatte Lothar Schöne sein "Amt" als Erfurter Stadtschreiber angetreten und in einer kleinen Wohnung in Erfurt die Zeit genutzt, um weiter an einem begonnenen Roman zu arbeiten.
Großes Aufsehen erregte der bekannte Autor mit seinem Buch "Das jüdische Begräbnis", einer grotesken Erzählung über die Beerdigung einer Jüdin und die fast unüberwindliche Schwierigkeiten bei der Regelung der Begräbnisformalitäten im zeitgenössischen Deutschland. Vom NDR wurde das bekannte Buch verfilmt.
Die Erfurter lernten Dr. Lothar Schöne natürlich in Lesungen und Kolumnen der Thüringer Allgemeinen kennen.
Infos von und über Lothar Schöne:
http://www.lothar-schoene.de/
  Lothar Schöne

Die erste Stadtschreiberin: Erstmalig vergab die Jury der Landeshauptstadt Thüringens den Erfurter Stadtschreiber-Literaturpreis und das "Amt" der Erfurter Stadtschreiberin 2002 an die 1956 in Berlin geborene Schriftstellerin Dr. Inka Bach.
1998 war Inka Bach bereits Stadtschreiberin in Rheinsberg.
Auf Reisen lernte sie die Thüringer Landschaft kennen und hat Kultur und Menschen dabei ins Herz geschlossen. Inka Bach studierte deutsche Literatur und Philosophie an der Freien Universität Berlin und promovierte 1988, arbeitete, bevor sie sich als freie Autorin in Berlin nieder ließ, in verschiedenen Berufen. Inka Bach schreibt Prosa, Gedichte, Drehbücher, Hörspiele und Dokumentationen.
Ein erstes literarisches Produkt aus ihrer Erfurter Stadtschreiberzeit präsentierte Inka Bach in Buchform: Die in der Zeit ihres Erfurter Arbeitsaufenthaltes wöchentlich in der Tageszeitung Thüringer Allgemeine veröffentlichten Kolumnen sind im Kolumnenband "Bachstelze" erschienen.
Neben Kritischem kann man nachlesen, was Erfurt und seine Menschen liebenswert macht. Neugierig beobachtend, zu Fuß und mit dem Fahrrad, entdeckte Inka Bach die Stadt an der Gera. Unaufdringlich und schnörkellos erzählt sie über ihre Entdeckungen, erfasst Details und veranlasst den Leser zum Mitsehen, lässt ihn die Authentizität des Geschehens miterleben.
Mit ihren 22 Kolumnen hat Inka Bach einen ebenso liebevollen wie kritischen Blick auf die Stadt Erfurt geworfen.
  Inka Bach

interne Informationen: Im April 2008 gab es eine gemeinsame Lesung der 4 Erfurter Stadtschreiber

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