KPR-Projekt: Droge Crystal Meth Amphetamin

Wie der Thüringer Allgemeinen am 12.11.2014 zu entnehmen war, ist der Landespolizeiinspektion (LPI) Erfurt die Zerschlagung eines Drogenringes im Umfeld von Erfurt gelungen. Es wurden große Mengen an Bargeld und Drogen sichergestellt, so auch die Droge Crystal. Ein Thema, welches nach wie vor sehr aktuell ist, sowohl bei den Strafverfolgungsbehörden, als auch bei den Fachleuten in der Sucht- und Drogenhilfe.

Elterninformation: Crystal-/Methamphetaminkonsum

Um die Bürger, insbesondere Eltern, besser aufklären zu können, hat der Suchthilfeträger TOPOI UG gemeinsam mit der Geschäftsstelle des Kriminalpräventiven Rates (KPR) Informationen erarbeitet.

Substanz und Hintergrund

Die umgangssprachlich als „Crystal-Meth“ bezeichnete psychoaktive Substanz (Droge), ist eine künstlich (vollsynthetisch), in illegalen Laboren, hergestellte Stimulanz aus der Gruppe der Amphetamine. Es handelt sich bei Methamphetamin (Crystal-Meth), um eine Substanz die in kristalliner oder weißlicher bzw. eingefärbter Pulverform angeboten wird. Ein Gramm kostet, je nach Region, zwischen 70,00 - 120,00 €. Aus einem Gramm können auf Grund der hohen Wirksamkeit und dem hohen Reinheitsgehaltes (von >96 %) bis zu 120 Konsumeinheiten zu je 8 mg geteilt werden.

Geschichtlicher Hintergrund

Methamphetamin wurde erstmals 1893 synthetisiert und ab 1921 in Deutschland patentiert. In den folgenden Jahren wurde die stimulierende Wirkung (Weckamin) auf das zentrale Nervensystem in einem Arzneimittel mit dem Handelsnamen „Pervertin“ zur Leistungssteigerung genutzt.

Im zweiten Weltkrieg fand die Einnahme von Methamphetamin in der Armee und der Bevölkerung weite Verbreitung.

Rechtliche Einordnung

Erst 1988 wurde Methamphetamin in der Bundesrepublik Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) in Anlage II, als nicht verschreibungsfähig, unterstellt. Somit ist der Besitz, Handel, die Herstellung, der Kauf und der Verkauf illegal!

Der direkte Konsum steht nicht unter Strafe, ist aber ohne Beschaffung/Besitz praktisch kaum möglich. Für Eltern und Angehörige stellt sich die Problematik, dass auch das zur Verfügung stellen einer Gelegenheit zum Konsum oder die Bereitstellung von finanziellen Mitteln unter Strafe gestellt wird (§29 Abs. 1 Satz 11, 13).

Wirkungsweise und Verhaltensänderung

Der Methamphetaminkonsum führt zu einer subjektiv empfundenen Leistungs- und positiven Eigenwahrnehmungssteigerung. Gleichzeitig erfolgt die Unterdrückung der Überlebensbedürfnisse wie: Müdigkeit, Hunger und Durst. Je nach konsumierter Menge hält diese Wirkung 4 - 36 Stunden an. Der Körper reagiert mit dem Anstieg des Blutdrucks (Hypertonie) und Herzrasen (Tachykardie), der Körper wird künstlich in eine „Alarmbereitschaft“ versetzt. Die Auswirkung des Konsums hängt neben der Wirkstoffmenge auch von den Konsumumständen und der persönlichen Situation des Konsumenten ab.

Zu den Konsumumständen zählen einerseits die Konsumform (geschluckt, gesneeft, inhaliert oder injiziert), die Auswirkungen auf die in den Blutkreislauf gelangende Wirkmenge und die Geschwindigkeit des Wirkeintritts hat. Andererseits die Umgebung, ruhig und sicher, oder allein und unbekannt, an einem Ort (mit möglichem Orientierungsverlust) sind ein weiterer Faktor.

Nach dem Abklingen der akuten Wirkung des Methamphetamins folgt der sogenannte „Meth-Kater“. Hierbei handelt es sich um den Zeitraum, den der Körper benötigt, die freigesetzten Botenstoffe wieder zu bilden und die körperliche Verausgabung unter der Akutwirkung zu kompensieren. Die Konsumenten fühlen sich matt und abgeschlagen, sowie von starken Zweifeln und depressiven Stimmungslagen geprägt.

Durch diese sehr negativ empfundenen Nachwirkungen kann es zu wiederholtem Konsum kommen, was zur Entwicklung von missbräuchlichen bzw. abhängigen Konsummustern führen kann.

Der Konsum großer Mengen und/oder langfristiger regelmäßiger Konsum hat zur Folge, dass der Körper durch die ständige „Alarmbereitschaft“ und die Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus mit Überreizung und übersteigerter Sensibilität in der Wahrnehmung (hören, sehen, riechen, schmecken und fühlen) reagiert. Dies kann zu Verfolgungswahrnehmung führen.

Weitere Folgeschäden die sich ausbilden sind starker Gewichtsverlust, der Hang zu stereotypen Handlungen (Ticks), Zuckungen und Muskelkrämpfen (häufig im Kieferbereich). Durch die verminderte Speichelbildung und das kontinuierliche Zähnemahlen kommt es langfristig zu schweren Schäden an den Zähnen „Methmund“.

Auftretende Hautirritationen („Meth-Pickel“) führen durch stark empfundenen Juckreiz und häufiges, kontinuierliches Kratzen zu schweren Hautentzündungen. Der Verlust von Zeitgefühl und Schwierigkeiten bei der Orientierung und dem Gedächtnis sind psychische Folgen bei anhaltendem Konsum.

Handlungsstrategien und Ansprechpartner

Handlungsstrategien

Wenn Sie bei Ihrem Kind deutliche Verhaltensänderungen im Bezug auf Wachbleiben über Tage mit anschließender anhaltender Demotivation und Konzentrationsveränderungen und starken Gewichtsverlust bemerken, sprechen Sie Ihre Beobachtungen an.

Bleiben Sie bei „Ich“- Botschaften:

  • „Ich habe bemerkt, dass …“,
  • „Ich sorge mich, wenn …“.

Suchen Sie das Gespräch über Ihre Beobachtungen und was dies bei Ihnen auslöst.
Bieten Sie sich als informierter Gesprächspartner ihrem Kind an und weisen Sie auf Unterstützungsangebote hin.
Informieren Sie sich und kontaktieren Sie entsprechende Angebote (Suchtberatung, Elternkreise, Sozialpsychiatrischer Dienst). Hier können Sie Ihre Beobachtungen ansprechen und sich über mögliche
Handlungsoptionen austauschen.

Wenn Ihr Kind sich gegenüber Ihrer Ansprache versperrt und sich distanziert, suchen Sie sich Unterstützung im sozialen Umfeld (Verwandte, Freunde, Bekannte). Drogenkonsum des eigenen Kindes führt häufig zu falscher Scham und/oder schweren Schuldgefühlen. Im Elternkreis können sich Eltern über ihre erlebte Handlungsnot bzw. Hilflosigkeit austauschen und geeignete Handlungsstrategien entwickeln.

Ansprechpartner

Sozialpsychiatrischer Dienst

Juri-Gagarin-Ring 150
99084 Erfurt
Tel.: 0361 655-4248
Fax: 0361 655-4249
E-Mail: gesundheitsamt@erfurt.de
Web: www.erfurt.de

Drogen- und Suchthilfezentrum Erfurt

Drogenhilfe „Knackpunkt“
Heinrichstraße 95
99096 Erfurt
Tel.: 0361 2284555
Fax: 0361 2284545

Elternkreis drogenabhängiger Kinder Erfurt

Christine Knospe
Tel.: 0177 6730739
E-Mail: chrisknospe@gmx.de

TOPOI gUG (hb)

Andrej Singer
Am Laitrand 1
99094 Erfurt
Tel.: 0361 5559268
Fax: 0361 5559267
E-Mail: kontakt@topoi-ef.de
Web: www.topoi-ef.de

Ärztliche Bereitschaftsdienstnummer

Tel.: 116 117

Psychiatrische Institutsambulanz der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Katholischen Krankenhaus

"St. Johann Nepomuk" Erfurt
Tel.: 0361 6541260

Psychiatrische Institutsambulanz

Helios Klinikum Erfurt
Telefon: 0361 78153 87

Literatur und Download

Speed – eine Gesellschaft auf Droge, Hans-Christian Dany, Verlag Lutz-Schulenbug 2007

Drogenmischkonsum – Das wichtigste in Kürze zu den gängigsten Partydrogen, Hans Cousto, Nachtschattenverlag, 2014 überarbeitete Neuauflage

Crystal-Meth-Broschüre, Thüringer Landesstelle für Suchtfragen e.V., 2014