Thüringens Landeshauptstadt Erfurt ist es wert, mehr als nur einmal besucht zu werden - und nicht nur wegen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten, den schmucken Einkaufspassagen, dem vielfältigen Angebot an Kultur und Kunst.
Beim Flanieren über den prachtvollen Anger oder durch die verträumten Gassen der mittelalterlichen Innenstadt werden Erfurts Gäste vom einmaligen Flair gefangen genommen.
Bewegung an frischer Luft macht Appetit und natürlich gehört ein leckeres Mahl ebenfalls zu den Dingen, die die Landeshauptstadt Thüringens bieten kann.
Was wäre die historische und geistig-kulturelle Anziehungskraft der Thüringer Landeshauptstadt ohne ihre herzliche Gastlichkeit, ihre deftige Küche und ihren stilvollen Service?
Restaurants mit jahrhundertealter Tradition, urige Altstadtkneipen, mittelalterliche Keller und Biergärten geben der historischen Innenstadt besonders in den Sommermonaten ein ganz besonderes Flair.
Da gibt es die berühmten Thüringer Klöße, die unverwechselbare Thüringer Rostbratwurst und das wohlschmeckende heimische Bier.
Aber auch an mediterraner und exotischer Gastronomie kann man sich in den Mauern des mittelalterlichen Stadtkerns laben und das offenbart so den internationalen Charakter des gastlichen Erfurts.
Ob direkt im Herzen der Stadt, unweit von Dom, Petersberg und Krämerbrücke, in der Nähe von Flughafen und Bahnhof oder im Grün des Steigerwaldes - überall stehen den Gästen individuelle und komfortable Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Die historische Altstadt mit ihren heimeligen und verwinkelten Gassen, zahlreichen Brücken und lauschigen Plätzen sollte man per pedes erkunden. Dank der Erfurt-Card und den Tickets für eines der modernsten Nahverkehrsnetze Deutschlands sind aber auch bequeme und zeitsparende Stadtbesichtigungen jederzeit möglich.
Und wer es lieber nostalgisch mag, lernt Erfurts Altstadt mit der historischen Straßenbahn oder mit
der traditionellen Pferdekutsche kennen.
"Da erblickten wir fröhlich die ragenden Türme von Erfurt, wo uns das gastliche Haus freundlicher Wirte empfing ..." Jacob Micyllus, Reisegedicht (1526)
Die Rostbratwurst
Natürlich kann man einfach seiner Nase nachgehen. Denn egal, welche Jahreszeit gerade ist: allenthalben glühen in Erfurt wie im ganzen Thüringer Land die Holzkohlengrille und darauf brutzelt die Leib- und Magenspeise der Einheimischen - die original Thüringer Rostbratwurst.
Unumstritten ist, dass die Thüringer Spezialität auf eine 600-jährige Tradition verweisen kann. Im Staatsarchiv Rudolstadt fand sich eine diesbezügliche Rechnung des Arnstädter Jungfrauenklosters, wonach für "darme czu bratwurstin" ein Groschen entrichtet werden musste.
Knusperbraun im Brötchen - traditionell mit Born-Senf oder auch je nach Geschmack mit Tomatenketchup "angereichert", ist sie ein leckeres und durchaus nährendes kleines Extra für den Hunger zwischendurch.
Übrigens gehört die original Thüringer Ristbratwurst inzwischen zu den europaweit geschützten Markenprodukten. Elf lange Jahre haben die Thüringer darum gekämpft, denn wer einmal den Unterschied geschmeckt hat, der weiß, warum die Thüringer derart stolz auf ihre Wurst sind.
Noch heute fehlt dieses leckere, von allen Seiten braun gebrutzelte Wurst auf keinem Volksfest, gehört zu jeder Gartenparty und rustikalem Treffen mit Freunden.
Obwohl die Mindestbestandteile, wie Schweineschulter, Schweinebauch, Salz, Pfeffer, Kümmel, Ei und Milch überall gleichermaßen verwendet werden, fügen die Thüringer Metzger ganz sicher noch ein gehütetes Geheimnis hinzu. Denn wie wäre sonst die Tatsache zu erklären, dass die Bratwurst weltweit produziert, doch im Geschmack schlicht weg unnachahmlich blieb?
Die Thüringer Klöße
Doch nicht nur die Rostbratwurst gehört zu den Spezialitäten. Was wären die Freistaatler ohne ihre Klöße?
Das Besondere an den Thüringern ist zum einen, dass sie sowohl aus rohen, als auch aus gekochten Kartoffeln gemacht werden. Eine Frage des Geschmacks und wohl auch des Wohnortes des Koches ist, ob in den Kloß jeweils ein gerösteter Weißbrot-Brösel kommt.
Hier ein Rezept für de Zubereitung der begehrten Rundlinge:
Zutaten:
1,5 kg große geschälte Kartoffeln, Salz, 0,5 Liter Milch, 120 g Semmelwürfel, 50 g Butter, (1 Schwefelstange)
Zubereitung:
Die geschälten rohen Kartoffeln werden in einem geschlossenen Behältnis geschwefelt (Schwefelstange ca. 4 cm anzünden und mit einem Deckel verschließen). Das Schwefeln hat die Bewandtnis, dass die Kartoffelfasern nicht grau anlaufen und die Kartoffeln schön weiß werden - die dabei entstehende schweflige Säure gibt den originären pikanten Geschmack. Viele schwören jedoch darauf, dass ungeschwefelte Klöße besser seien.
Zwei Drittel der rohen Kartoffeln werden gerieben. Dazu kann man eine moderne Küchenmaschine nehmen oder einfach nur eine alte Kartoffelreibe. Die geriebenen, leicht gesalzenen Kartoffeln werden in einem Sack mit der Hand ausgepresst - Thüringer haben dazu eine Kartoffelpresse! Der Mann beweist hier seine Manneskraft. Kloßkartoffeln auspressen, ist ungeheuer sexy.
Wer nicht soviel Kraft in seinen Fäusten hat, kann auch ein verknotetes Leinentuch oder Ähnliches nutzen, welches man der Waschmaschine - eingestellt auf den Schleudergang überantwortet.
Ein Drittel der Kartoffeln werden in leicht gesalzenem Wasser gekocht und anschließend mit 0,5 Liter Milch (oder Wasser) zu einem dünnen Kartoffelbrei verrührt. Früher hat man unentrahmte Milch zur Verfügung gehabt - da brauchte man den Anteil gekochte Kartoffeln nicht. Die knalltrockenen geriebenen Kartoffeln werden in eine große Rührschüssel gegeben und so zerbröselt, dass keine Klumpen mehr zu sehen sind. Anschließend wird der Kartoffelbrei kurz aufgekocht und damit die geriebenen Kartoffeln sehr schnell überbrüht. Die Kloßmasse wird ebenfalls extrem schnell und kräftig verrührt.
Anschließend werden die Klöße zwischen zwei nassen Händen geformt und mit zwei bis drei mit Butter gerösteten Semmelwürfeln gefüllt. In leicht siedenden Salzwasser werden die Klöße in einem großen Topf ca. 10 bis 15 Minuten gegart. Wenn Sie oben schwimmen und einzelne Kartoffelfasern leicht glasig schimmern sind die Klöße gar.
Die Klöße sind gelungen, wenn sie auf den angewärmten Teller gelegt, und mit zwei Gabeln auseinander gerissen, erotisch knistern, als wenn sie unter Hochspannung stünden.
Sollten Sie nicht sofort zu diesem Ergebnis gelangt sein, so verzweifeln Sie nicht. Ein wenig Erfahrung und Übung ist schon notwendig, damit es richtig klappt. Früher wurde bei der Brautschau darauf geachtet, dass die Braut auch gut Klöße machen konnte. Denn "was nutzt alle Schönheit - wenn sie keine Klöße machen kann". Liebe geht halt durch den Magen.
Guten Appetit!
Herrlich schmeckt zu den Klößen ein kräftiger Braten wie Rouladen und Sauerbraten. Aber auch Wild mundet. Und am häufigsten ist die Beilage saftiges Rotkraut, das unter Verwendung von Äpfeln und gebratenem Speck.
Übrigens: Erst 1741 wurde die Kartoffel in Erfurt bekannt. Die Frau des damaligen Diakonus Magister Christian Lossius führte sie ein und schuf damit die Voraussetzung für die legendären Klöße …
Der Thüringer Stollen – das "Schittchen"
Erfunden ward das Gebäck anno 1330 im anhaltinischen Naumburg. Als Fastenspeise für die Adventszeit erdacht, bestand es aus Mehl, Hafer und Wasser - gebacken ganz ohne jeden Zusatz tierischen Fettes. Das Gebäck galt als Versinnbildlichung des in Windeln gewickelten Christkindes und erinnerte im Geschmack wenig an die heute bekannten Weihnachtsstollen.
Das blieb Jahrhunderte lang so, bis den blaublütigen Brüdern Ernst August und Albert von Sachsen die besagte Adventsspeise zu trocken war. 1474 - so wird berichtet - jagten sie wider die geschmackliche Freudlosigkeit einen reitenden Boten zum Heiligen Stuhle. Der Papst möge das strenge Winterbackverbot doch ein wenig lockern. Urkundlich erwähnt ist dies als "Butterbrief" an Kurfürst Ernst von Sachsen aus dem Jahre 1474.
Die Geschichte der Thüringer Weihnachtsstollen beginnt den Überlieferungen nach Mitte des 15. Jahrhunderts. Hier haben sich über die Jahrhunderte einige kleine Besonderheiten ergeben, die die Nähe zu den "großen Dresdnern" zwar nicht leugnen.
Viele behaupten, dass er ursprünglicher geblieben, ohne große Mengen Marzipan und in der Mitte mit einem Scheid versehen, der nach dem Backen die zerlassene Butter aufnimmt - viel besser schmeckt als der "große Bruder" aus Dresden.
Der Scheid in der Mitte - ein Schnitt in Längsrichtung wie bei einem Brot - wird wohl Grund dafür sein, dass der Thüringer Stollen auch "Schittchen" genannt wird.
Übrigens: Den ersten Guiness-Rekord der Welt - so erzählt man - hat August der Starke aufgestellt. Sachsens Despot galt als lebenslustiger Mensch - was nicht nur seine mehr als 160 Kinder belegten. August der Starke nunmehr veranlasste 1730 jene berühmt gewordenen Rekord-Bäckerei: 1 800 kg besten Dresdner Stollens wurden hergestellt, mit denen mehr als 25 000 Süßmäuler gestopft worden sein sollen.
Der Mega-Striezel wurde nicht nur den Dresdnern dargeboten, sondern durch halb Europa gekarrt und begründete so die spezielle vorweihnachtliche Tradition von Elbflorenz.
Heute würde man Augusts Aktion einen genialen Marketing-Gag nennen ...
Hier nun noch ein Stollen-Rezept:
Zutaten:
2,5 kg Weizenmehl, 300 g Hefe, ¾ l Milch, 200 g Zucker, 4 Päckchen Vanillinzucker, abgeriebene Schale von 1 - 2 Zitronen, 35 g Salz, 100 bis 200 g Schweinefett, 1 kg Butterschmalz, 200 g Zitronat, 100 g Orangeat, 80 g bittere Mandeln oder einfach eine entsprechende Menge Bittermandelaroma, 400 g süße Mandeln gehackt und gemahlen, 1 ½ kg Sultaninen, 250 g Korinthen, Rum oder Weinbrand, Butter, Zucker, Puderzucker.
Zubereitung:
Am Abend vor der Teigbereitung die Zutaten in einen warmen Raum stellen und die vorbereiteten Sultaninen und Korinthen ordentlich mit Rum anfeuchten.
Am nächsten Tag in das gesiebte Mehl eine Vertiefung drücken und darin die mit etwas handwarmer Milch verrührte Hefe zu einem mittelfesten Vorteig (Hefestück) verarbeiten. Nach dem Aufgehen Zucker, Gewürze, Fett, Butterschmalz, geraspeltes Zitronat, zerkleinerte Mandeln sowie warme Milch nach Bedarf unterwirken, erst dann Sultaninen und Korinthen zugeben. Den gründlich durchgearbeiteten Teig warm, aber nicht zu nahe an den Ofen stellen, damit das Fett nicht austreten kann.
Nach mindestens zweistündigem "Gehen" den Teig zusammenstoßen, nochmals kurz durcharbeiten und in 1 oder 1½ kg schwere Stücke aufteilen. Die Teigstücke brotähnlich formen und längs jeweils 1 cm tief einschneiden. Den geformten Teig ohne weiteres "Gehen lassen" bei guter Mittelhitze etwa 60 Minuten backen. Danach den Stollen abkühlen lassen oder buttern und zuckern - am besten in folgender Reihenfolge: Butter, feiner klarer Zucker, Butter, Puderzucker.
Stollen braucht mindestens zwei Wochen Lagerzeit.
Viel Spaß beim Backen!
Das Rezept stellte freundlicherweise Wolfgang Enders von der Konditoreninnung Erfurt zur Verfügung.
Die Thüringer Gastlichkeit
Überall in der Stadt findet der Gast gepflegte Gastronomie. Ob rustikal oder gutbürgerlich, ob internationale Küche aus aller Herren Länder oder Haute Cuisine - in Erfurt findet jeder etwas für jeden Geschmack.
Lassen Sie sich also nach einem interessanten Stadtrundgang, einem Theaterbesuch, einem gelungenen Geschäftsgespräch oder einem Shoppingbummel von der berühmten Thüringer Gastlichkeit verwöhnen.