1473 - 1618 | Humanismus und Reformation, zweite Blüte um 1600

Ohne dass es schon offenkundig würde, setzt um 1480 der allmähliche Niedergang der Stadt ein. Kursachsen und Kurmainz machen ihre Rechte in der Stadt stärker geltend, die Verschuldung der Stadt hemmt die Entwicklung. Die Reformation setzt sich in Erfurt weitestgehend, doch nicht vollständig durch. Der letzte Aufschwung des Waidhandels verhilft der Stadt zu einer letzten Blüte im Bauwesen und in den bildenden Künsten.

15. Jahrhundert

1473

Erster nachweisbarer Druck eines Ablassbriefes mit beweglichen Lettern im Haus „Zum Güldenen Stern“ (auch: „Zum Roten Stern“ genannt), Allerheiligenstraße 11. Papst Sixtus IV. gewährt mit ihm jenen Ablas, der zum Wiederaufbau der bei dem Stadtbrand von 1472 zerstörten Kirchen beiträgt. Erfurt, älteste Druckerstadt im mitteldeutschen Raum, ist nach Nürnberg, Straßburg, Köln, Basel und Augsburg der wichtigste deutsche Druckort.

Seit 1475

Verstärkte Bestrebungen von Kurmainz und Kursachsen, Erfurt seiner weitgehenden Unabhängigkeit zu berauben.

1476

Jodocus Trutfetter (1460 bis 1519), bedeutender deutscher Spätscholastiker, „Fürst der Dialektiker“, bezieht die Universität Erfurt. Er wird 1484 zum Magister artium promoviert und wendet sich anschließend dem Studium der Theologie zu. Von 1493 bis 1501 ist er Pfarrer zu St. Andreas und 1493/94, 1499/1500 Dekan der artistischen Fakultät. Er wird 1501 zum Rektor der Universität gewählt und erlangt 1504 die theologische Doktorwürde. Trutfetter ist einer der hervorragendsten deutschen Repräsentanten der spätmittelalterlichen „via moderna“.

1480

Bau der Cyriaksburg auf der strategisch wichtigen Höhe zum Schutz der Stadt. Das seit 1123 dort befindliche Kloster der Benediktinerinnen wird an die Andreaskirche verlegt.

1482/1484

Dürre- und Pestjahre in Erfurt

1483

Durch die erstarkenden Territorialgewalten wird die Stadt gezwungen, Verträge zu schließen, die ihre ökonomische und politische Stellung nachhaltig schwächen und nachhaltig beeinflussen. (6. April) Im Vertrag von Amorbach bestätigt der Mainzer Elekt Adalbert von Sachsen die Privilegien Erfurts, während dieses die Abhängigkeit von Mainz umfassend anerkennt. Im Vertrag von Weimar, den der Rat, ebenfalls 1483, mit Sachsen abschließt, begründen die Wettiner ihre Schutzherrschaft über Erfurt. An beide Landesfürsten muss die Stadt hohe Entschädigungssummen zahlen.

1484

Bartholomaeus Arnoldi von Usingen (1465 bis 1532), bedeutender deutscher Spätscholastiker, bezieht 1484 die Universität Erfurt, wird 1491 zum Magister artium promoviert, wird 1504 Dekan der artistischen Fakultät und gehört als Professor der Philosophie über dreißig Jahre lang dem Lehrkörper der Universität an. Durch seine zahlreichen wissenschaftlichen Werke erlangt er vor allem für die spätscholastische Logik eine besondere Bedeutung.

1484

Siegmund Thome von Stockheim (um 1455 bis 1527), Rektor des Jahres 1490 und ab 1501 Kanoniker am Marienstift, stiftet im Haus zur Steinecke (Horngasse 4) ein Universitätskrankenhaus.

1486

Conrad Mutianus Rufus (1470 bis 1526), führender deutscher Humanist, lässt sich an der Erfurter Universität immatrikulieren und wird 1492 zum Magister artium promoviert. 1498 erlangt er den Grad eines Doctor decretorum. Durch Spalatins Vermittlung tritt er 1503 die Nachfolge Marschalks als Führer der humanistischen Bewegung in Erfurt an und begründet den ersten Mutianischen Kreis. Als Vorkämpfer einer umfassenden Glaubenserneuerung macht er Erfurt zur Geburtsstätte eines neuzeitlichen deutschen Geisteslebens.

1486

Die Erfurter Schützengilde, der älteste bekannte Erfurter Verein, wird gegründet.

1488

(21. April) Ulrich von Hutten, konsequenter Vertreter des Humanismus und engagierter Kämpfer für die nationale Einheit, geboren. Seit 1499 im Kloster Fulda, wird er von den Fuldaern Benediktinern wahrscheinlich schon 1502 zum Studium nach Erfurt geschickt. Hier ist Crotus Rubianus sein Lehrer, und hier freundet er sich mit Eobanus Hessus an. Auf Anregung von Crotus Rubianus verfasst Hutten 1515 den zweiten Teil der „Dunkelmännerbriefe“ („Epistolae obscurorum virorum“).

1488

(6. Januar) Eobanus Hessus, „König der Humanisten“, geboren. Hessus besucht 1504 die Universität Erfurt, wird 1507 Rektor der Stiftsschule St. Severi und wird 1509 zum Magister artium promoviert. Schon dem ersten Mutianischen Humanistenkreis angehörend, nimmt er 1516 lebhaft Anteil am Reuchlinschen Streit und tritt 1516 als Nachfolger Mutians die Führung des Humanistenkreises an. In der Bohlenstube „Zur Engelsburg“ sammelt er führende Humanisten zu Streitgesprächen. Verstorben am 4. Oktober 1540 in Marburg.

1497

Der kursächsische Schutzherr und der kurmainzische Stadtherr sind bestrebt, weitere, über die Verträge von Weimar und Amorbach hinausgehende Vorteile zu erlangen. Eine Vereinbarung zwischen dem Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg und der Stadt, die sogenannten Concordata Bertholdi, zeugen von den Erfolgen, die Kurmainz gegenüber der Selbständigkeit der Stadt erreicht hat. Erstmals wird festgelegt, dass dem Erzbischof fortan als der „Stat Erffurt Erbherrn“ zu huldigen sei.

1497

(7. Juli) Guss der „Großen Glocke“, der „Gloriosa“, der „Ruhmreichen“, jenes weltbekannten Schatzes des Erfurter Doms, durch den Glockengießermeister Gerhard van Wou aus Kampen. Es ist die siebente Glocke dieses Namens (frühere Güsse: 1251, 1307, 1363, 1423, 1477) Der Durchmesser beträgt 2,57 Meter, die Höhe 2,50 Meter mit Krone, das Gewicht rund 229 Zentner. Vier Wochen später gießt Gerhard van Wou den „Wolfram“ - ebenfalls für den Dom - und die „Vincentia“ für die Severi-Kirche. „Wolfram“ wird 1680/1681 umgegossen.

1499/1501

Der Buchdruck gelangt mit dem Vordringen des Humanismus zu größerer Verbreitung. Wolfgang Schenk druckt 1499 im Haus „Zum Schwarzen Horn“, Michaelisstraße 47, ein Buch von Nikolaus Marschalk, das erstmals in größerem Umfang griechische Texte enthält. Zwei Jahre später gibt er das erste griechische Lehrbuch in Deutschland heraus.

Um 1500

Der 1373 begonnene Bau eines zweiten Mauerringes, der die Vorstädte einschließt, wird abgeschlossen.

Ende 15. Jahrhundert

Das einst blühende Wirtschaftsleben der Stadt hat seinen Höhepunkt überschritten, beeinträchtigt durch das allgemeine Erstarken der Territorialmächte, die Verlagerung der Handelswege und die Erteilung der Messeprivilegien an die Stadt Leipzig. Trotz Verpfändung des Reichslehens Kapellendorf (1507) an Sachsen können die finanziellen Verpflichtungen der Stadt nicht mehr erfüllt werden. Der Rat muss die Zahlungsunfähigkeit eingestehen. Der Zorn der Bürger löst einen Aufstand der wachsenden Oppositionsbewegung aus.
 

16. Jahrhundert

1500 bis 1520

Wirken des Erfurter Humanistenkreises, der sich zunächst um Nikolaus Marschalk, dann um Mutianus Rufus (Conrad Muth) und schließlich um Eobanus Hessus schart. Die Hohe Schule wird eines der geistigen Zentren des Humanismus. Von Italien ausgehend, wird der eine gesamteuropäische Bewegung.

1500

Johannes Lang (1487-1548), protestantischer Kirchenreformator von Erfurt, bezieht die Universität Erfurt. Er unterhält schon frühzeitig Beziehungen zu den dortigen Humanisten. Im Jahre 1506 tritt er in das Erfurter Augustinerkloster ein, wo er mit Luther Freundschaft schließt. 1511 wird er mit diesem zusammen nach Wittenberg versetzt. Er wird 1512 zum Magister artium promoviert, wird Professor für Ethik und wendet sich gleichzeitig dem Studium der Theologie zu. Im Jahre 1516 wieder nach Erfurt zurückgekehrt, wird er in das Amt des Priors des Augustinerklosters eingeführt. Seit Luthers Thesenanschlag gehört Lang zu den frühesten und eifrigsten Vorkämpfern der Reformation in Erfurt.

1501 bis 1511

Martin Luther verbringt entscheidende Jahre seines Lebens in Erfurt. Immatrikulation 1501 an der Erfurter Universität. 1502 Baccalaureat. 1505 Magister artium. 1505 Eintritt in das Augustinerkloster. 1507 zum Priester geweiht (wahrscheinlich in der Kilianskapelle am Dom). Er bleibt - mit Unterbrechungen - bis 1511 in Erfurt. In späteren Jahren hält er sich mehrmals in Erfurt auf.

1503 bis 1505

Die Pest sucht Erfurt heim. Weitere Pestjahre sind 1517, 1540 bis 1543, 1547, 1552, 1562 bis 1564, 1577/1578, 1582, 1597.

1505

Georg Sturtz (1490 bis 1548), Mediziner und Mäzen des Erfurter Humanismus, lässt sich an der Erfurter Universität immatrikulieren. Im Jahre 1521 wird er zum Magister artium promoviert, wendet sich dem Medizinstudium zu und wird 1523 zum Rektor der Universität gewählt. Im selben Jahr erlangt er in Wittenberg den medizinischen Doktorgrad und wird 1523/24 und 1527 zum Dekan der Erfurter medizinischen Fakultät gewählt. Als angesehener Universitätsprofessor tätig, bekleidet er auch 1530, 1537, 1539, 1541, 1542 und 1547 das Amt eines Dekans der medizinischen Fakultät.

1508

Der Rat verpfändet das Amt Kapellendorf, das die unmittelbare rechtliche Verbindung der Stadt zum Reich hergestellt hat, an Kursachsen. Erfurt gelingt es nie mehr, das Pfand auszulösen.

1509/10

„Tolles Jahr“ von Erfurt. Kämpfe der Bürgeropposition gegen die patrizische Ratsherrschaft. Die Gefrunden werden zeitweilig aus dem Rat vertrieben. Der Obervierherr Heinrich Kellner, mehrmals persönlich verhört, wird nach Gefängnishaft am 28. Juni 1510 hingerichtet. Die Veränderung der Ratsverfassung, die so genannte „Regimentsverbesserung“, wird in einer umfangreichen Urkunde niedergelegt.

1510

Bewaffneter Zusammenstoß zwischen Studenten und Bürgern. Universitätsgebäude und Bibliothek werden beschädigt.

1511 bis 1515

Bau des „collegium maius“ der Erfurter Universität in der Michaelisstraße. Am 9. Februar 1945 durch Bombenangriff zerstört, Portal 1983 rekonstruiert.

1513

Georg Faust (Doktor Faust), vermutlich um 1480 in Süddeutschland geboren, erwirbt sich für seine Zeit beachtliche Kenntnisse und führt als Gaukler und Scharlatan ein bewegtes Leben. Sein unruhiges Leben führt ihn auch nach Erfurt, wo ihn 1513 der Humanist Mutianus Rufus bezeugt und als Wahrsager, Narren und Prahlhans bezeichnet. Bei einem späteren Aufenthalt Fausts in der Stadt soll der Franziskaner Conrad Klinge vergebens versucht haben, ihn zu bekehren.

1514

Hinrichtung des Stadtsyndikus Dr. Berthold Bobenzan und des ehemaligen Obervierherrn Georg Tusenbach. Beider werden sachsenfreundlicher Neigungen verdächtigt.

1516

Der Naumburger Vertrag zwischen Erfurt und dem sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen beendet die im mainzischen Fahrwasser segelnde Politik des Rates und lässt Erfurt wieder Anschluss an Kursachsen gewinnen. Die 1509 aus der Stadt gewichenen sachsenfreundlichen Bürger müssen wieder in die Stadt aufgenommen werden. Der Vertrag ist von dem Kanoniker des Marienstifts, mehrmaligen Rektor der Universität und ehemaligen Ratssyndikus Henning Goede (um 1445 bis 1521), einem Berater Friedrichs des Weisen, vermittelt worden.

1516

Eobanus Hessus übernimmt die Führung des Humanistenkreises. Man versammelt sich im Haus „Zur Engelsburg“, Allerheiligenstraße 21, das dem Mediziner Georg Sturtz gehört.

1518

Spätestens in diesem Jahr lässt sich der bekannteste deutsche Rechenmeister, Adam Ries(e) aus Staffelstein (1492 bis 1559), in Erfurt nieder. 1518 druckt Mathes Maler im Haus zum Schwarzen Horn (Michaelisstraße 48) Ries' erstes Rechenbuch (zweite Auflage bei Mathes Maler: 1525), und 1522 druckt Mathes Maler das zweite Rechenbuch von Adam Ries, welches mit über 100 Auflagen zu einem der bekanntesten Rechenbücher wird. 1522/1523 siedelt Ries nach Annaberg im Erzgebirge über. Die Erfurter Jahre waren für Ries wohl die wissenschaftlich fruchtbarste Zeit.

1519

Unter dem Rektorat von Justus Jonas (1493 bis 1555), einem Kanoniker am Severistift und Inhaber eines juristischen Lehrstuhls, wird an der Universität eine humanistisch ausgerichtete Studienreform durchgeführt.

ab 1520

Die Reformation beginnt sich in Erfurt im Sinne Luthers durchzusetzen.

1521

Der Hildesheimer Stiftspropst Tilemann Brandis stiftet das Collegium Saxonum in der Allerheiligenstraße für Studenten aus Niedersachsen.

1521

(6. bis 8. April) Auf dem Weg zum Reichstag in Worms kommt Martin Luther nach Erfurt. Er wird begeistert von Universität und Bevölkerung begrüßt. Unter großem Zulauf predigt er in der Kirche des Augustinerklosters (7. April); der Rektor der Universität, Crotus Rubianus, gibt ihm zu Ehren einen Empfang.

1521

(Juni) In einem dreitägigen „Pfaffensturm“ verwüsten Studenten und Bürger sowie Bauern aus dem Landgebiet mehr als 40 Kurien des Klerus auf dem Domhügel. Die Aktion richtet sich gegen die Sonderstellung der Priester und fordert, dass sie die bürgerlichen Lasten mittragen sollten. Martin Luther kritisiert das verspätete bewaffnete Eingreifen des Rates gegen die Aufrührer.

Ab 1521

Die Bedeutung der Universität geht besonders infolge der konfessionellen Gegensätze zurück.

1522

(22.Oktober) Martin Luther predigt in der Kaufmannskirche und der Michaeliskirche.

1525

Ca 4.000 Bauern des Erfurter Landgebietes ziehen am 28. April durch das Augusttor in die Stadt ein und zerstören mainzische Verwaltungseinrichtungen und Hoheitszeichen. Es entsteht ein Bürgerausschuss. In Zusammenwirken mit einem Bauernausschuss werden 28 Artikel aufgestellt und ein „Ewiger Rat“ gebildet. Am 6. Juni regiert in Erfurt wieder der alte Rat. Todesurteil gegen vier Bauernführer. Alle anderen bäuerlichen Teilnehmer am Aufstand werden zur Zahlung von hohen Geldbußen verurteilt.

1528

Ein Anschlag Hans Römers und anderer ehemaliger Kampfgefährten Thomas Müntzers auf die Stadt zur Errichtung einer Täuferherrschaft schlägt fehl. Der Plan wird verraten, zwölf Verschwörer werden festgenommen und hingerichtet.

1530

Vertrag von Hammelburg: Der Erzbischof von Mainz, Albrecht von Brandenburg, verlangt die endgültige Wiederherstellung seiner weltlichen Rechte. Die Stadt muss für die während des Bauernkrieges und anderer Unruhen entstandenen Schäden Ersatz leisten. Kompromiss in den Religionsfragen. 8 Pfarrkirchen, darunter die zwei Stiftskirchen Dom und Severi, werden den Katholiken zugesprochen, die auch im Besitz der Kirchen der noch bestehenden Klöster bleiben. Die übrigen Kirchen werden den Evangelischen zugesprochen.

1548

Erfurt prägt erstmals Taler. Eine weitere Taler-Prägung findet 1603 statt.

1555

Im Augsburger Religionsfrieden wird das Prinzip „Cuius regio, eius et religio“ („Wes das Land, des der Glaube“) vereinbart. Der Rat erhebt Protest gegen das Augsburger Interim von 1548, da dieses dem Erzbischof als Handhabe dient, den Hammelburger Kompromiss in der Religionsfrage anzufechten und weitgehende politische Rechte zu fordern. Der Erzbischof verzichtet auf die Katholisierung in Erfurt.

Zweite Hälfe des 16. Jahrhunderts

Ökonomischer Aufschwung der städtischen Wirtschaft. Die Waidgeschäfte nehmen einen vorderen Platz ein. Der wirtschaftliche Aufschwung geht mit einer regen Bautätigkeit einher. Zahlreiche Bürgerhäuser entstehen im Renaissancestil, so das Haus „Zum Roten Ochsen“ (1562) und das Haus „Zum Breiten Herd“ (1584) am Fischmarkt, das Haus „Zum Stockfisch“ (1607) in der Johannesstraße und das Stotternheimsche Palais (1612) am Anger.

1561

Gründung des evangelischen Ratsgymnasiums in den Konventsgebäuden des nach dem 1556 erfolgten Tode des letzten Mönchs säkularisierten Augustinerklosters. Erster Rektor ist Paul Dummerich. Der Unterrichtsbetrieb beginnt 1562.

1566

Aufgrund einer Stiftung von zehn vermögenden Erfurter Bürgern wird an der Universität eine theologische Professur Augsburgischer Konfession errichtet. Die Erfurter Alma mater ist die einzige in jener Zeit, an der katholische und evangelische Theologie gelehrt werden. Die Universität ist so ein Spiegelbild der Konfessionsverhältnisse in der Stadt.

1577

Nikolaus Elgard (um 1538 bis 1587) kommt nach Erfurt. Als mainzischer Weihbischof wirkt er bis zu seinem Tode für den katholischen Glauben in Erfurt.

1579

Im Kavatensturm entlädt sich die Spannung zwischen dem mehrheitlich evangelischen Rat und der überwiegend evangelischen Bürgerschaft einerseits und den Stiften St. Marien und St. Severi andererseits.

1579

Ein Waidregister weist in 49 Erfurter Dörfern den Waidanbau nach. Der Anbau der Waidpflanze (Isatis tinctoria) ist in den Dörfern des Thüringer Beckens sehr verbreitet, und der Thüringer Waid gilt als besonders gut. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert steht der Waidanbau in den ca. 300 mittelthüringischen Dörfern in Blüte. Zum großen Teil im Fernhandel, geht der Farbstoff nach Görlitz, Nürnberg, Lübeck, nach Flandern und anderen deutschen und europäischen Zentren der Tuchproduktion.

1591

Das Aufblühen der Wirtschaft lässt die städtischen Finanzen endgültig gesunden und Erfurt wieder zu einem gesuchten Gläubiger werden. Nachdrücklich unterstützt dies das selbstbewusste Auftreten der Stadt gegenüber dem Erzbischof. Der Rat lässt auf dem Fischmarkt ein Renaissance-Standbild auf hoher Säule, den „Römer“ - fälschlich auch „Roland“ genannt – errichten: „zum Beweißtum ihrer Freiheit, so die Stadt von alten Zeiten her gehabt“.

1592

In einem Zusammenspiel von Kurmainz und Sachsen-Weimar entreißt letzteres der Stadt Erfurt die Ämter Tonndorf und Mühlberg. 1602 muss der Erfurter Rat dies anerkennen.

1597

Während dieses Pestjahres sterben in Erfurt 7.765 Menschen - mehr als ein Drittel der Bevölkerung -, auf den Dörfern 9.676.

1598

In Erfurt sterben 424 Menschen. Es werden 556 Paare getraut und 534 Kinder getauft.

 

17. Jahrhundert

1603

(29. August bis 5. September) Letztes Schützenfest in Erfurt. Die Preise gewinnen Schützen aus Leipzig, Nürnberg und Weimar. Ein Taler wird darauf geprägt.

1608

Bau eines ersten Schützenhauses am Löbertor. 1724 wird dieses erneuert und erweitert.

1611

Pestepidemie in der Stadt. In Erfurt sterben 1.990 Menschen. Es werden 126 Paare getraut und 491 Kinder getauft. Weitere Pestepidemien wüten in Erfurt 1625/1626 – 1626 sterben mit 3.775 Menschen achtmal so viel wie in pestfreien Jahren -, 1635 bis 1640, 1682/1683.

1611

Die Jesuiten gründen in Erfurt ein Kolleg, dem 1615 die Gebäude des ehemaligen Reglerstiftes eingeräumt werden. Die Schule hat zunächst fünf Klassen, erhält 1618 eine Oberklasse und findet 1619 förmliche Anerkennung; damals besuchen bereits über 100 Schüler die Schule.

1613

(24. Februar bis 29. März) Eine kaiserliche Kommission verhandelt in Erfurt in der Jülich-Klevischen Frage mit Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Neuburg und Vertretern anderer streitender Dynastien. Anwesend sind auch der Landgraf von Hessen-Kassel und der von Hessen-Darmstadt. Doch verläuft der glänzende Kongress ergebnislos.

1616

Bau einer hölzernen Kapelle in Rhoda. 1708-1714 Errichtung der Kirche „Zum Guten Hirten“. 1983 Erneuerung des Innenraumes.

1618

(21. April) Endgültige Verträge zwischen dem Mainzer Erzbischof Johann Schweikard von Kronberg und der Stadt Erfurt bestätigen die schon früher gegebene Religionsversicherung und erweitern sie ausdrücklich auf das Erfurter Landgebiet. Zur staatsrechtlichen Stellung der Stadt wird festgelegt, dass sie Eigentum des Erzstifts sei und auf jegliche Reichsstandschaft verzichte.