Grafische Sammlung

Mit mehr als 30.000 Werken ist die Grafische Sammlung die umfänglichste des Angermuseums. Ihren Schwerpunkt bilden Handzeichnungen und druckgrafische Arbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Werke der zeitgenössischen bildenden Kunst. Seit Eröffnung des Museums 1886 konzentriert man sich in Erfurt auf die deutsche Kunst zwischen Romantik und Expressionismus, von 1949 bis 1990 auf die Kunst in der DDR. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts öffnet sich der Blick für die künstlerische Fotografie.

Stadtansicht von Erfurt, blaue Wasserfarben
Foto: Christian Rohlfs, Dom und Severikirche in Erfurt, 1924 Wasserfarben auf Papier, 51,4 x 71,5 cm Foto: © Angermuseum Erfurt, Foto: Dirk Urban

Die Erfurter Sammlung wurde mit der Schenkung von Werken aus dem Nachlass des Spätromantikers Friedrich Nerly (Erfurt 1807 - 1878 Venedig) begründet. Mehr als 700 fast ausschließlich in Italien entstandene Aquarelle und Zeichnungen dieses Konvoluts bilden nach Umfang und Rang bis heute den wichtigsten Werkkomplex eines Künstlers im Erfurter Museum. Um den Nerly-Bestand gruppieren sich Zeichnungen und druckgrafische Werke der vergangenen Jahrhunderte, in denen das Landschaftsmotiv überwiegt. Unter den Spezialsammlungen ist die topografische Abteilung die weitaus umfangreichste. Ihren Hauptteil bildet die Erfurt-Sammlung, wobei das Material zu den Erfurter Kirchen und Klöstern besonders dicht ist. Ihr steht die Thüringen-Sammlung mit Gesamt- und Detailansichten von Orten und einzelnen Bauwerken gegenüber. Beide Sammlungen werden durch den reichen Bestand an Zeichnungen von Nikolaus Heinrich Dornheim ergänzt.

Erfurt entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem Ort zeitgenössischer Grafik. Unter dem Direktorat Walter Kaesbachs gelang es, eine hervorragende Sammlung expressionistischer Kunst aufzubauen. Erworben wurden Arbeiten vor allem der Künstler der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“, ergänzt um Werke von Christian Rohlfs, Emil Nolde, Lyonel Feininger und Oskar Kokoschka. 1937 fiel der gesamte Bestand an expressionistischen Werken der Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer: Heute verfügt das Angermuseum über eine sehr kleine Sammlung expressionistischer Kunst. Umfänglich ist dagegen der bis 1989 kontinuierlich gewachsene Bestand von Zeichnungen und Druckgrafik aus der DDR. Mit den 14.000 Werken der "Schenkung Rudolf und Ilse Franke" kam im Jahr 2004 eine der größten Privatsammlungen der DDR mit Schwerpunkt Kunst der DDR ins Museum. Das Lebenswerk des Erfurter Grafikers, Hochschullehrers und Grafiksammlers Rudolf Franke, Mitbegründer der "Erfurter Ateliergemeinschaft" (1963-1974), ist nun für die Öffentlichkeit zugänglich. Es umfasst neben druckgrafischen Werken der Klassischen Moderne auch Arbeiten tschechischer und slowakischer Künstler. Vor allem die Werke "unangepasster" Künstler aus der DDR wie Gerhard Altenbourg, Hermann Glöckner und Roger Loewig bereichern die Sammlung des Angermuseums. Ilse Franke wurde 2006 aufgrund dieser Schenkung zur Ehrenbürgerin der Landeshauptstadt Erfurt ernannt.

Zu den wichtigen Erwerbungen jüngster Zeit zählen Werke von Hans-Christian Schink und Carina Linge, deren Arbeiten die Sammlung im Bereich zeitgenössischer Fotografie profilieren.

Sondersammlungen: Autographen, Bildnisse, Mappenwerke, Druckformen, Familienerinnerungen, Fotografie, Karten und Pläne, Kartons, Plakat, Papierschnitte.