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Willy-Brandt-Denkmal: Der 19. März 1970 in Erfurt

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Der 19. März 1970 in Erfurt
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Der 19. März 1970 in Erfurt

"Willy Brandt ans Fenster!" – mit diesem Sprechchor rufen am Vormittag des 19. März 1970 begeisterte DDR-Bürger den Kanzler der Bundesrepublik ans Fenster des Hotels "Erfurter Hof”. Als er sich zeigt, brandet tosender Jubel auf.  Zuvor hat die Menge den Platz gestürmt. Für die meisten der ca. 8000 Beteiligten bleibt dies ein unvergesslicher Augenblick. Auch Brandt wird sich in seinen Erinnerungen  später fragen: "Der Tag von Erfurt. Gab es einen in meinem Leben, der emotionsgeladener gewesen wäre?"

Viele hatten das Gefühl, an einem wahrhaft historischen Ereignis Teil zu haben. Denn es war auch im übertragenen Sinne ein Fenster geöffnet worden, hatte der Dialog der beiden deutschen Staaten nach zwei Jahrzehnten Sprachlosigkeit in einer geteilten Welt begonnen. Brandt, seit Herbst 1969 Chef einer sozialliberalen Regierung in Bonn, war zu Gesprächen mit dem DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph angereist, dem ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen  – eines der großen Ereignisse im Zeitalter der Entspannungspolitik.

Der Symbolwert von "Erfurt" besteht also zum einen im Ereignis selbst, das in den Kontext der Ost- und Deutschlandpolitik Brandts einzuordnen ist. Es waren aber gerade die  "Randerscheinungen", die für weltweites Aufsehen sorgten. Blieben die offiziellen Gespräche weitgehend ergebnislos, zeigten die Bilder aus Erfurt doch, wie stark das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen noch war. Sie gelten als beeindruckendste Demonstration nationalen Einheitswillens in der DDR zwischen dem 17. Juni 1953 und der friedlichen Revolution vom Herbst 1989.

  Begrüßung auf dem Bahnsteig

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Der historische Hintergrund

Seit der Gründung von Bundesrepublik und DDR 1949 hatte es keine offiziellen Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten gegeben. Die BRD erhob unter CDU-geführten Regierungen einen Alleinvertretungsanspruch und blockierte die Anerkennung der DDR. Mit der neuen sozialliberalen Regierung Brandt begann 1969 eine neue Ost- und Deutschlandpolitik, die dem weltweiten Entspannungsprozess wichtige Impulse verlieh. Der festen Einbindung in das westliche Bündnissystem trat die Verbesserung des Verhältnisses der Bundesrepublik zu den Ostblock-Staaten an die Seite. Unter dem Motto "Wandel durch Annäherung” sollte dabei auch die Einheit der deutschen Nation bewahrt und menschliche Erleichterungen ermöglicht werden. Das Erfurter Gipfeltreffen 1970 steht symbolisch am Beginn dieses Prozesses.

Intensive Verhandlungen mündeten 1972 in den Grundlagenvertrag, der zur internationalen Anerkennung der DDR führte. 1973 wurden beide deutsche Staaten in die UNO aufgenommen und gehörten 1975 zu den Unterzeichnern der KSZE-Schlussakte von Helsinki. Dieser Prestigegewinn stellte sich jedoch für die DDR als zwiespältige Sache dar, konnten sich die kritischen Stimmen im Inneren doch jetzt auf die Grundrechte der UN-Charta und KSZE-Schlussakte berufen. Die auch von der CDU-geführten Regierung Kohl ab 1982 weiter betriebene Annäherungspolitik gipfelte unter veränderten historischen Rahmenbedingungen nach der friedlichen Revolution in der DDR in der deutschen Wiedervereinigung 1990.

 
  Kniefall vor dem Denkmal für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto, Dezember 1970

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