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Willy-Brandt-Denkmal: Das Denkmal

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Weiterführende Informationen zum Denkmal

David Mannstein bezieht sein Denkmal topografisch, formal und inhaltlich präzise auf den Schauplatz und die Ereignisse einer historischen Begegnung – des ersten deutsch-deutschen Regierungstreffens zwischen dem Bundeskanzler Willy Brandt und dem DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph am 19. März 1970 in Erfurt.

An der Stelle auf dem Dach, die früher den Leuchtschriftzug "Hotel Erfurter Hof" trug, installierte er seinen Schriftzug, auch in Größe und Form an den ursprünglichen Schriftzug angelehnt, wie historische Fotografien belegen.

  Willy Brandt am Fenster des Hotels "Erfurter Hof"

Der neue Schriftzug passt sich tagsüber in das bauliche Ensemble ein, er wird beinahe unauffällig, um abends und in der Nacht leuchtend die Aufmerksamkeit umso stärker zu erregen. Auf diese Weise setzt der Leuchtschriftzug sinnbildlich ein Zeichen für ein geschichtliches Ereignis, das auch der erinnernden Aufmerksamkeit bedarf, um dem Vergessen und dem Verlieren, dem Verschwinden im städtischen Alltag zu entgehen. Indem der neue Leuchtschriftzug den alten präzise ersetzt, stimuliert er die Erinnerung an eine Funktion des Gebäudekomplexes, welche dieser heute nicht mehr besitzt und auch nicht mehr erkennen lässt: die Beherbergung eines großen Hotels, in dessen Räumen die kurze Zusammenkunft von Willy Brandt und Willi Stoph stattfand.

  Willy-Brandt-Denkmal: Entwurf Leuchtschrift

Das nächtlich erleuchtete Brandt-Zimmer lenkt die Aufmerksamkeit auf den emotionalsten Punkt jener Begegnung 1970, das Erscheinen Brandts am Fenster – ein Ereignis, dass den von der DDR-Führung geplanten Ablauf des Treffens am nachhaltigsten durcheinander brachte, über die westdeutschen Massenmedien vermittelt jedoch wie ein Fanal wirkte, ein Zeichen der Zuwendung, das Veränderung versprach.

David Mannsteins Denkmal ehrt mit dem Bezug der beiden gestalterischen Elemente aufeinander nicht nur das Engagement Willy Brandts für eine neue Ostpolitik ("Wandel durch Annäherung"), sondern zugleich auch die Erfurter Rufer, welche spätere Repressionen in Kauf nahmen, um eine Figur der Hoffnung, den westdeutschen Bundeskanzler Willy Brandt, für einen Moment mit eigenen Augen sehen zu können.

Aus der Perspektive der Jahre 1989 und 1990 erscheinen diese Erfurter Ereignisse in einem besonderen Licht. Auch darauf spielt die Form des Denkmals an. Der Künstler hat keine der traditionellen Denkmalformen gewählt, die der idealisierten Vergegenwärtigung einer Persönlichkeit und würdigenden Erinnerung an sie allein gewidmet sind, sondern eine moderne Form – als konsequenter Ausdruck einer geänderten, zeitgemäßen Auffassung bürgerschaftlicher Repräsentation.

Ein Denkmal als Anstoß zum Weiterdenken.

 

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