Das nächtlich erleuchtete Brandt-Zimmer lenkt die Aufmerksamkeit auf den emotionalsten Punkt jener Begegnung 1970, das Erscheinen Brandts am Fenster – ein Ereignis, dass den von der DDR-Führung geplanten Ablauf des Treffens am nachhaltigsten durcheinander brachte, über die westdeutschen Massenmedien vermittelt jedoch wie ein Fanal wirkte, ein Zeichen der Zuwendung, das Veränderung versprach.
David Mannsteins Denkmal ehrt mit dem Bezug der beiden gestalterischen Elemente aufeinander nicht nur das Engagement Willy Brandts für eine neue Ostpolitik ("Wandel durch Annäherung"), sondern zugleich auch die Erfurter Rufer, welche spätere Repressionen in Kauf nahmen, um eine Figur der Hoffnung, den westdeutschen Bundeskanzler Willy Brandt, für einen Moment mit eigenen Augen sehen zu können.
Aus der Perspektive der Jahre 1989 und 1990 erscheinen diese Erfurter Ereignisse in einem besonderen Licht. Auch darauf spielt die Form des Denkmals an. Der Künstler hat keine der traditionellen Denkmalformen gewählt, die der idealisierten Vergegenwärtigung einer Persönlichkeit und würdigenden Erinnerung an sie allein gewidmet sind, sondern eine moderne Form – als konsequenter Ausdruck einer geänderten, zeitgemäßen Auffassung bürgerschaftlicher Repräsentation.
Ein Denkmal als Anstoß zum Weiterdenken.