Haus Dacheröden: Bau- und Nutzungsgeschichte

Das Vorhandensein mittelalterlicher Bausubstanz konnte durch bauhistorische Untersuchungen in den letzten Jahren nachgewiesen und auf die Jahre um 1300 datiert werden.

Hausportal mit Personen
Foto: Haus Dacheröden (Lucius-Haus): Portal Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Die linke Seite des Hauses "Zum Schiffchen" gilt als ein für Erfurt typischer Stadthof mit Vorbau und Kemenate aus dem 13. Jahrhundert. Es gilt derzeit als ältester bekannter Bau am Erfurter Anger.

Im 16. Jahrhundert sind im "Vorrechtsbuch" der Stadt Erfurt die Namen "Zum Schiffchen" (Anger 37) und "Zum Güldenen Hecht" (Anger 38) vermerkt.

Seine heutige äußere Erscheinung als Doppelhaus verdankt das Haus dem wohlhabenden Waidhändler Heinrich Vasold, der vermutlich im Jahre 1557 das prächtig geschmückte, pilastergefasste Hochstandportal errichten ließ.

Die Umbauphase um 1600 durch Nachfahren Vasolds umfasste vor allem die Aufstockung beider Hausteile, die Neugestaltung der Straßenfassade und den Anbau des Erkertürmchens.

Treppenhaus mit Säulen und Stuck
Foto: Haus Dacheröden (Lucius-Haus): Durchfahrt zum Hof Treppenhaus Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Die Häuser wurden bis in das 17. Jahrhundert als Waidhändlerhäuser und bis ins 18. Jahrhundert als Biereigenhöfe genutzt. Im 17. Jahrhundert haben dann beide Häuser wieder verschiedenen Eigentümer und es war Wohnhaus von Beamten der kurmainzischen Statthalterei.

Das geistig-kulturelle Gepräge des Hauses bestimmen gegen Ende des 18. Jahrhunderts Karl Friedrich Freiherr von Dacheröden und seine Tochter Caroline. Im Hause Dacheröden verkehrten die Intellektuellen und Politiker jener Zeit, unter Ihnen Dalberg, Schiller und die Brüder von Humboldt.

1833, ist es ein weiterer wohlhabender Bürger Erfurts, der Garnwarengroßhändler Sebastian Lucius, der die Häuser im Inneren funktional zu einer Einheit zusammenfasst und nun es als Wohn- und Produktionsstätte nutzt.

Steintafel mit Schrift
Foto: Haus Dacheröden (Lucius-Haus): Inschrifttafel im Hauseingang Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Inschrifttafel im Hauseingang mit folgendem Inhalt:

Inschrifttafel oben: Dies Doppelhaus (Nr. 37 "Zum großen neuen Schiff und Nr. 38 Zum güldenen Hecht) erbaute 1557 Heinrich Vasold Ratsherr und Waidhändler.

Inschrifttafel links: Während des Unionsparlamentes 1850 fand hier, wo Minister von Manteuffel wohnte, das bekannte Gespräch zwischen Bismarck und Gagern statt.

Inschrifttafel mitte: In Nr. 37 wohnte 1771-1809 Präsident von Dacheröden, Freund u. Berater Dalbergs, dessen Tochter Karoline sich hier am 29. Juni 1791 mit Wilhelm von Humboldt in Gegenwart von Dalberg und Alexsander von Humboldt vermählte. Goethe und Schiller gingen zu jener Zeit hier ein und aus.
Sebastian Lucius erwarb Nr. 38 im Jahre 1815 und Nr. 37 im Jahre 1833. Ihm wurde hier am 15. April 1834 Eugen Lucius der Mitbegründer der Höchster Farbwerke vorm. Meister, Lucius & Brüning, und am 20. Dezember 1835 der spätere Freund Bismarcks und Staatsminister (1879-90) Robert Freiherr Lucius von Ballhausen geboren.

Inschrifttafel rechts:
Während des Kaiser-Manövers 1883 wohnte hier Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke.

Inschrifttafel unten:
Das Haus wurde erneuert 1928.

Ein altes Bügerhaus im Sonnenschein.
Foto: Haus Dacheröden Foto: © Christian Sabel

Nach dem 2. Weltkrieg findet der "Thüringer Volksverlag" eine Bleibe im Dacherödschen Haus. Nach größeren Umbauarbeiten von 1986 - 1989 zog der "Kulturbund Erfurt" für kurze Zeit.

Seit 1992 wird das Haus Dacheröden durch die Kulturdirektion der Stadt Erfurt geführt. Auf Grund umfangreicher Baumaßnahmen im Dachbereich und einer intensiver Schwammsanierung in den beiden Obergeschossen musste der Veranstaltungs- und Ausstellungsbetrieb im Jahre 2005 eingestellt werden.

Kurz vor der Wiedereröffnung machte ein Großbrand am 23. August 2006 das bis dahin Geschaffene zunichte.

Wenngleich auch Kräfte am Werk waren, dieses historische Kulturgut zu tilgen, so ist es mit der Sanierung gelungen, einen authentischen charismatischen Ort für Erfurt zu bewahren und einzigartige Kulturräume zu verwirklichen.