Das historische Kleinod Haus zum Stockfisch und seine Nutzung Das "Haus zum Stockfisch" gehört zu den Besuchermagneten der Landeshauptstadt Erfurt und beherbergt seit 1974 das Stadtgeschichtsmuseum. Der Waidhändler und Biereige Paul Ziegler ließ 1607 auf einem mittelalterlichen Keller ein dem Zeitgeschmack der Spätrenaissance entsprechendes attraktives Wohn- und Geschäftshaus bauen. Bereits beim Vorgängergebäude tauchte der Name "Zum kleinen und großen Stockfisch" auf. Stockfische - getrocknete Meeresfische - waren im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein begehrtes Fernhandelsgut.Der gestalterische Aufwand ließ das "Haus zum Stockfisch" zu einem bedeutenden Baudenkmal in Erfurt werden.
Die gesamte äußere Erdgeschosszone ist mit einer Art Schachbrettmuster aus hervorspringenden und zurückstehenden Steinquadern gestaltet, zum einen zugespitzt, zum anderen mit Beschlagwerk ornamentiert. Der zweigeschossige Erker mit Ziergiebel und das Portal sind prächtig geschmückt. Die Fassadenelemente wurden wahrscheinlich von geschickten Handwerkern aus vorgefertigten Bauteilen nach Vorlagebüchern zusammengesetzt. Über dem Portal befindet sich eingerahmt das Hauszeichen - ein Fisch, der keiner Spezies zugeordnet werden kann. Die Wappen der Erstbesitzerfamilien Milwitz und Ziegler wurden am Erker platziert. Oberhalb der Eingangstür fügte man die Wappen späterer Hausbesitzer ein.
Im 17. und 18. Jahrhundert nahmen die Eigner kaum nutzungsbedingte Änderungen vor, aber ein Teil der Innenräume wurde barock umgestaltet. Größere Bauveränderungen im Innenraum und im Hofgelände erfolgten im 19. und 20. Jahrhundert. 1836 erwarb der Lederfabrikant Heinrich Hermann Hofmann das Haus. Seine Lederverarbeitung sowie die nachfolgenden Nutzungen als Mantelfabrik und Weingroßhandlung brachten Veränderungen zu Gunsten der Fabrikationsbedürfnisse mit sich. 1905 kaufte die Stadt Erfurt das "Haus zum Stockfisch" für die kunstgewerbliche Sammlung des Angermuseums. Seit 1922 standen dem Museum für Naturkunde die Räume zur Verfügung. Während der zwanziger Jahre befanden sich im Haus das Standesamt, eine Bücherei und Wohnungen. Ab 1968 wurde das Gebäude dem neugegründeten Museum für Stadtgeschichte zugeordnet.
Zwei große bauliche Sanierungen wurden in den letzten sechzig Jahren durchgeführt, 1957 und 1992 - 1994. Nach mehrjährigen Vorarbeiten erfolgte 1998 die Rekonstruktion der Fassadenfarbfassung, die bis heute immer wieder die Besucher Erfurts beeindruckt. Zwischen 1993 und 2000 wurde die Dauerausstellung völlig neu konzipiert und gestaltet.
1250 Jahre Stadtgeschichte in einem Haus
742 bat der Missionar Bonifatius Papst Zacharias, in "erphesfurt" einen Bischofssitz einzurichten. Damit erwähnte er erstmals einen Ort, der bereits Jahrtausende früher besiedelt worden war.
Das Stadtmuseum im "Haus zum Stockfisch", einem der repräsentativsten Häuser der Spätrenaissance, lädt zu einem Erkundungsrundgang durch die Geschichte einer der ältesten Städte Thüringens ein. Die Exponate zeichnen den Weg von den ersten ur- und frühgeschichtlichen Ansiedlungen im Erfurter Raum über die Stadtwerdung, dem wechselvollen Schicksal zwischen Mainzer, französischer und preußischer Vormundschaft, den Veränderungen in der sozialistischen Bezirksstadt bis zu den Ereignissen 1990 nach.
Im jüngsten Ausstellungsteil "Metamorphosen einer Stadt - Erfurt von 1815 bis 1990" wird das klassische chronologische Ordnungsprinzip historischer Präsentation verlassen. Acht Themenbereiche beleuchten komplex die letzten 175 Jahre.
Zu den besonderen Anziehungspunkten der ständigen Ausstellung gehören die Darstellung eines der größten bronzezeitlichen Gräberfelder Deutschlands, eindrucksvolle Modelle zur Entwicklung des Stadtbildes, ein prächtig ausgestatteter Reliquienschrein, Exponate der Erfurter Industrieproduktion, wie z. B. der Schuhfabrik Lingel oder des Olympia-Werkes (später Optima) und ein Museumskino.
Damit ist nur ein kleiner Teil des Sehenswerten genannt. Hörstationen, Videoeinsatz und andere multimediale Angebote bereichern den Museumsbesuch.
Sonderausstellungen mit stadtgeschichtlichen bzw. kulturgeschichtlichen Themen ziehen jährlich viele tausend Gäste in das Stadtmuseum und die angegliederten Einrichtungen. Zudem gibt es zahlreiche Schätze und ganze Sammlungen, die nur äußerst selten der Öffentlichkeit präsentiert wurden, so beispielsweise die Luther-Sammlung, ein außergewöhnliches Konvolut von hoher Qualität, das aus insgesamt 1200 Inventaren besteht.
Zum Stadtmuseum gehört auch das Carillon im Bartholomäusturm. Die 60 Glocken des Carillons wurden 1979 in Apolda gegossen und 1992 überarbeitet und neu gestimmt. Das Glockenspiel gehört mit seinem Tonumfang von fünf Oktaven zu den größten der insgesamt 32 Glockenspiele in Deutschland. Die schwerste Glocke wiegt ca. 2,4 Tonnen, die kleinste 20 Kilogramm. Täglich erklingt das automatische Spiel des Carillons um 10, 12 und 18 Uhr. Ein Besuch ist nur auf Anfrage möglich.
Weitere Objekte des Stadtmuseums sind das Erfurter Druckereimuseum im Benaryspeicher, das Museum Neue Mühle und die Wasserburg Kapellendorf.