Volkskundliche Dokumentation

Die Dokumentation besitzt über ihre Nutzung für die Tagesaufgabe „Beratung" hinaus einen wichtigen Stellenwert für zukünftige Beschäftigung mit dem Volksleben Thüringens und gewinnt ständig an Umfang und Bedeutung. Eine solche Dichte an fachspezifischen Belegen findet sich weder in den Staatsarchiven noch an der Universität Jena oder andernorts.

Dokumentation zur Thüringer Alltagskultur

Ablage, Ordner und Publikationen auf dem Tisch angeordnet
Foto: Aus dem Fundus der Beratungsstelle 2013: Historische und neue Publikationen. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Das volkskundliche Wissen und die Erinnerungen der Thüringer werden in Schachteln, Ordnern und Karteikästen, auf Kassette, CD und im Film bewahrt. Dem Nutzer erschließen die "Schriften der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen" sowie Film-Dokumentationen das zusammengetragene Material. Dies geschieht unter vorwiegend thematischen Gesichtspunkten durch zahlreiche eigene Veröffentlichungen.

Pressedokumentation

Allein die Pressedokumentation umfasst bisher einen Zeitraum von über 30 Jahren. Das Archiv, in das auch Nachlässe der ehemaligen Folklorezentren der Bezirke Erfurt und Gera sowie Nachlässe verschiedener Forscher einbezogen sind, gliedert sich in:

  • das Pressearchiv
  • das Foto- und Filmarchiv sowie
  • das Audioarchiv.

Das Pressearchiv enthält volkskundlich relevante Beiträge aus der regionalen Thüringer Presse und teilweise Übernahmen aus privaten Archiven. Die Foto- und Filmdokumentation besteht Fotonachlässen, Dias und Filmen sowie eigenen Fotos.

Zu den laufenden Dokumentationsarbeiten zählt die Einarbeitung von Aufsätzen, Zeitungsausschnitten, Zuschriften sowie die Vervollständigung der Fachbibliothek, u. a. durch nicht verlagsgebundene Publikationen.

Umfang der Dokumentation

Erfasst werden vor allem:

  • Sprachliche Überlieferungen/Erinnerungen
    Lebenserinnerungen, Erinnerungsberichte zu: Kindheit, Zweiter Weltkrieg und Kriegsende 1945, Rückblick auf das 20. Jahrhundert, Redensarten, Mundarttexte, Volksstücke (in Mundart und Hochdeutsch), Thüringer Sagen
  • Bräuche und Feste
    Materialsammlungen zur Medienberatung Spezialpressearchiv „Feste und Bräuche", Materialien zur Jubilarkultur
  • Thüringer Tänze
    Dokumentation mehrerer Tanzworkshops im Tanzhaus Benshausen (Videos zur Nachnutzung)
  • Handwerk und Gewerbe
    Literatur- und Materialsammlung zu historischen Handwerken in Thüringen mit Recherchen und Literaturerwerb vor Ort (z. B. Schirrmacher Holzland, Holzschuhmacher Rhön, Waldhandwerke, Flößerei, Gerberhandwerk, Porzellanherstellung, Müller und Mühlen)
  • Geschichte des Tourismus in Thüringen
    Dokumentation historischer und aktueller Fremdenführer und Werbeprospekte, historischer Fotos, Postkarten und Wanderkarten, Dokumentation von Urlaubsgeschichten, Wirtshäusern
  • Bestattungskultur
    Spezialdokumentation zur aktuellen Diskussion über Sterben, Tod und Trauer
  • Alltagsleben im Bild
    Historische Fotos und andere Abbildungen zu Arbeit, Wohnen, Kleidung, Festen gegenwärtige Alltags- und Festkultur
  • Persönlichkeiten
    Informationen zu Leben und Werk bedeutender Thüringer Volkskundler und Heimathistoriker.

Themenvielfalt der volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle

Hausgeschichten

Gasthäuser, Mühlen, Fabriken oder bäuerliche Anwesen erzählen ihre eigenen Hausgeschichten. Die Beratungsstelle publiziert und sammelt solche Texte, um das Alltagsleben der Bevölkerung wie den Tourismus bzw. Fremdenverkehr zwischen Thüringer Wald und Kyffhäuser, Hainich und Holzland kennenzulernen und nachzeichnen zu können.

Trachten

Genauer als in anderen Regionen Thüringens ist die Tracht der Altenburger Bauern dokumentiert. Sie kann bereits für die Zeit vor 1800 als Alltags- und Festtracht nachgewiesen werden.

Arbeits- und Freizeitverhalten

Die Einrichtung sammelt Bild- und Textdokumente zum Arbeits- und Freizeitverhalten im 20. Jahrhundert.

Thüringer Mundart

Dem Schwinden der Mundart(en), auch in Thüringen allerorten bemerkbar, stellt sich in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Autoren entgegen. Einfallsreich halten sie ihre Sprache gesprochen oder gedruckt in Wörterbüchern, Wortsammlungen und literarischen Texten und auf Tonträgern, damit das Besondere ihrer heimatlichen Alltagssprache, fest. Die Beratungsstelle hält Beispieltexte, das große Thüringische Wörterbuch und Erfahrungen bereit, um diese Enthusiasten zu unterstützen.

Festkultur – "Thüringer Hoheiten"

Das einst kleinstaatliche Thüringen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten Prinzessinnen, Könige und Königinnen jeder Couleur zugelegt. Sie bewerben Produkte von der Wurst über die Zwiebel bis zur Glaskugel. Solche Auftritte des "neuen Adels" dokumentiert die Beratungsstelle nur gelegentlich. Sonst findet die ehemalige blaublütige Obrigkeit nicht nur im Hinblick auf Märchen oder Sagen Beachtung.

Feste im Lebenslauf – Hochzeiten

Feste begleite(te)n den Lebenslauf "Von der Wiege bis zur Bahre". Herausragend war dabei die Hochzeit. Wie sich Brautausstattung, Hochzeitsfeier, und Frauenalltag im Laufe der letzten 200 Jahre veränderten, darüber geben zahlreiche Belege Auskunft. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde beispielsweise ein Wechsel in der Farbe des Brautkleides vollzogen. Galt zuvor das "Schwarze" als festlich, kleidete sich jetzt eine Braut in Weiß.

Liederbücher. Notenbeispiele. Volksmusikanten.

Es liegen Aufzeichnungen und Nachlässe thüringischer Volksmusikforscher vor. Aufschlussreich sind diese sowohl für Praktiker als auch für wissenschaftlich Arbeitende. Informationen können zudem u. a. gegeben werden zu Liedgebrauch, Adjuvantenkultur, Volksmusikinstrumenten, Folkloretanz u.a.

Dienstbücher

Solche Dienstbücher wurden auch in anderen thüringischen Kleinstaaten ausgegeben. Sie enthielten den Gesindevertrag sowie Zeugnisse über das Dienstverhältnis und die Führung des Gesindes. Ohne sie war lange Jahre ein Arbeiten als Magd oder Knecht nicht möglich.
Neben personenbezogenen Dokumenten, darunter Lebenserinnerungen, Poesie-Alben, Schreibebüchern usw. sammelt die Beratungsstelle Berichte zu Festen und Bräuchen. Archiviert ist z.B. ein Manuskript über Kirmes und Schlachtfest von Else Möller aus Landsendorf, 1952.

Menschen unterwegs

"Menschen unterwegs" gehört zu den wichtigen und vielschichtigen volkskundlichen Themen auch in Thüringen. Blickt man in die Zeit vor dem Eisenbahnbau seit Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, zeigt sich, dass der Bewegungsradius der Bevölkerung in der Regel beschränkt war: "Rund um den Kirchturm". Doch machten Anforderungen von Beruf und Broterwerb (Handel, Gesellenwanderung usw.) oder das Leisten des Militärdienstes andererseits Mobilität auch immer wieder notwendig. Dabei mussten weite Strecken zu Fuß zurück gelegt werden. Das Fahrrad als Massenerscheinung stellte somit seit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine ungeheure Erleichterung dar.