Im ältesten Teil des historischen Stadtkerns an der mittelalterlichen Magistrale in nächster Nachbarschaft der Via regia gelegen, findet sich ein interessantes Bauwerk. Der Kulturhof Krönbacken in der Michaelisstraße 10 ist ein Bauensemble, das Erfurter Stadt- und Architekturgeschichte erzählt. Zugleich dokumentiert es Reichtum und Kunstsinn der Patrizier.
Spuren einer ersten Bebauung mit dem Hinweis auf ein jüdisches Haus führen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts zurück. Von einem Steinbau des Haupthauses aus der Zeit um 1200 sind heute noch Mauern und ein Rundbogen im Kellerbereich erhalten. Das aus den Jahresringen der Holzbalken ermittelte Alter des über den Erdgeschossmauern errichteten Fachwerkbaus ist sehr genau auf das Jahr 1326 datiert. Und die gut erhaltene plastisch geschnitzte gotische Holzstütze in der Erdgeschosshalle stammt aus dem 14. Jahrhundert.
Das ursprüngliche Wohnhaus direkt an der Michaelisstraße fällt bisher nur durch eine zwischen 1994 und 1999 schrittweise restaurierte Fassade mit dem von einem Tympanon gekrönten reliefgeschmückten, wappengezierten Sitznischenportal aus der Mitte des 16.Jahrhunderts und dem noch an der Gotik orientierten spitzbogenförmigen Hoftor von 1534 mit einer Fachwerkbekrönung von 1561 ins Auge, da ein grundsätzliche Sanierung noch aussteht.
Nach der für vier Jahrhunderte wirksamen Vertreibung der Juden aus der Stadt Mitte des 15. Jahrhunderts kamen Haus und Hof in das Eigentum der berühmten Erfurter Patrizierfamilie von der Sachsen, die 1468 offenbar auch einen der beiden in Erfurt heute noch öffentlich zugänglichen Waidspeicher im hinteren Hofbereich errichten ließ.
Für den Hausnamen wird ein biblischer Ursprung vermutet, zurückgeführt auf den Helden Simson aus dem Alten Testament, der die Feinde mit einer Hammelschulter (oder mit dessen Kinnbacken?) niedergeschmettert haben soll.
Ausstellungen und Veranstaltungen im Kulturhof
Daher sind seit 1994 die drei Ausstellungsräume in ehemaligen Wohn- oder Vorderhaus und im Waidspeicher, die einen im Sommer gastronomisch und kulturell genutzten Hof umgeben, im meist fünfwöchigen Wechsel vorrangig zeitgenössischer Kunst aus Thüringer Ateliers und anderen regionalspezifischen Expositionen vorbehalten - im Erdgeschoss des nicht heizbaren Vorderhauses vom Mai bis Oktober, im Waidspeicher mit je einem Raum auf zwei Etagen ganzjährig.
Gegen die Dominanz der einprägsamen Architektur behaupten sich am besten Installationen und Objekte mit kraftvollem Eigenausdruck, traditionelles und experimentelles Kunsthandwerk ebenso wie großformatige Malerei und Skulptur, gelegentlich auch Fotografie oder der Historie des Ortes angemessene Dokumentationen.
Wie das Forum Konkrete Kunst Peterskirche, das Kulturforum Haus Dacheröden und die Galerie "etage 2" im Rathaus gehört der Kulturhof Krönbacken zur Abteilung Kunstförderung/Soziokultur, deren Aufgabe es unter anderem ist, vor allem regionalen Künstlern Möglichkeiten zur Präsentation ihrer Arbeit zu geben.