Kirchen in Erfurt: Kaufmannskirche

Evangelische Kaufmannskirche

Kirche, davor eine Brunnenanlage.
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
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Anger
99084 Erfurt
Deutschland

Die Kaufmannskirche ist eine der ältesten Erfurter Pfarrkirchen. Als städtebauliche Dominante schließt sie den Anger nach Nordosten ab. Ihre Gründung verdankt sie Kaufleuten, die sich im 11. Jahrhundert am Handelsplatz Erfurt an der Kreuzung der Via Regia, der Ost-West-Handelsstraße von Straßburg nach Kiew, mit der Süd-Nord-Verbindung von Nürnberg nach Hamburg niederließen. Ihre Ersterwähnung datiert aus dem Jahr 1248. Beim Stadtbrand 1291 wurde die romanische Kirche weitgehend zerstört. Die Weihe ihres gotischen Neubaus ist urkundlich für das Jahr 1368 belegt.

Die heutige Kaufmannskirche ist eine dreischiffige gotische Basilika ohne Querhaus. Ihr weiträumiger, zwischen den Türmen nach Osten vorstoßender Chor wird vom Langhaus durch einen gewaltigen, tief herab gezogenen Triumphbogen getrennt. Die ehemals acht Langhausarkaden ruhen auf kräftigen Achteckpfeilern. Im Erdgeschoss des Südturmes befindet sich die Sakristei. Eine Gedenkkapelle für die im 1. Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder liegt im Erdgeschoss des Nordturmes.

Nach der Einführung der Reformation in der Kaufmannsgemeinde im Jahr 1521 predigte Martin Luther am 22. Oktober 1522 in der Kaufmannskirche. Von 1636 bis 1650 war die Kaufmannskirche schwedische Garnisonskirche. 1668 wurden hier die Eltern Johann Sebastian Bachs getraut. 1855 bis 1859 und 1863 bis 1865 wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten an der Kirche durchgeführt. Das Lutherdenkmal vor der Kirche wurde 1889 errichtet.

1944 wurde die Kaufmannskirche bei einem Bombenangriff durch eine Luftmine schwer beschädigt. Die Beseitigung der Schäden konnte erst 1952 abgeschlossen werden. 1955 wurde der Altar und von 1987 bis 1992 die Kanzel restauriert. 1994 schlossen sich die Sanierung des Südturms und im Jahr 2001 die des Nordturms an. Die äußere Gesamtsanierung wurde 2008 abgeschlossen.