Kirchen in Erfurt: Ursulinenkloster

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Innenstadtbereich mit Kirchenschiff
Magdalenenkirche des Ursulinenklosters Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / R. Lemitz
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Anger 5
99084 Erfurt

Bildteppich mit Szenen aus der Legende der heiligen Maria Magdalena, der Patronin des ehemaligen Erfurter Klosters

Eine Frau steht an einem Ambo.
Bild: Apostelin der Apostel: Maria Magdalena. Die dargestellten Szenen des sogenannten Magdalenenteppichs sind aus kulturgeschichtlicher Hinsicht hochinteressant. Bild: © Stadtverwaltung Erfurt

Von etwa 1200 an lebten ein strenges Büßerinnenleben führende Magdalenerinnen in dem noch heute bestehenden Kloster am Anger 5.

Wahrscheinlich um 1460/1480 fertigten die Ordensfrauen in gemeinsamer Arbeit einen Bildteppich, der Szenen aus der Legende der heiligen Maria Magdalena darstellt. Die 6 Meter lange und 1,50 Meter hohe, farbige Erfurter Wollstickerei ist ein besonders kostbares und in kulturgeschichtlicher Hinsicht hochinteressantes Exemplar. Dargestellt ist in zwei übereinanderliegenden Registern die Bekehrung (conversio) und das Wirken der Apostelin. Spruchbänder, die in frühneuhochdeutscher Sprache gefasst sind, erläutern knapp den Inhalt der einzelnen Abbildungsfelder. Die Entstehung des Bildteppichs ist im Kontext von Reformbemühungen zu sehen, wie sie am Ende des 14., vor allem aber im 15. Jh. in vielen geistlichen Orden unternommen wurden.

Die Letzte der Magdalenerinnen starb 1685. Deshalb übergab der Mainzer Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn schon im Jahr 1667 das fast leerstehende Kloster dem über Frankreich nach Deutschland gekommenen Ursulinenorden als Stiftung.

Die zunächst sechs Schwestern des Ursulinenordens, der sich noch heute um die Bildung und Erziehung von Kindern und jungen Menschen kümmert,  begannen dann auch sogleich in Erfurt mit dem Unterricht und der Erziehung von jungen Mädchen in einer Pensionats- und einer Externenschule.

Die folgenden Schulreformen vollzog die Klosterschule jeweils mit. So entstanden neben einer Elementarschule auch ein Lyzeum und um 1800 ein Oberlyzeum, auch höhere Töchterschule genannt. 1903 kamen eine Lehrerinnenbildungsanstalt und 1925 eine Frauen- und Haushaltungsschule hinzu. Das Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminar entstand 1928. Einen Kindergarten gab es im Kloster schon seit 1868 und einen Hort ab 1912.

1937/38 beendete der Nationalsozialismus die gesamte pädagogische Betätigung der Schwestern. Nach Ende des II. Weltkrieges erhielten die Ursulinen Kindergarten und Hort zurück. Darüber hinaus führten sie Kurse und mehrjährige Seminare für Seelsorgehelferinnen und Erzieherinnen im kirchlichen Dienst durch.

Heute leben 19 Schwestern im Alter zwischen 27 und 81 Jahren im Ursulinenkloster und widmen sich wieder ihrer staatlich anerkannten pädagogischen Arbeit in einem Kindergarten und einem Hort sowie in dem 1978 gegründeten Bildungshaus St. Ursula, einer katholischen Heimvolksschule.

Seit 1992 befindet sich im früheren Schulhaus des Ursulinenklosters die Edith-Stein-Schule, ein Gymnasium mit Regelschulzweig und christlichen Lehrkräften in Trägerschaft der katholischen Kirche.

Kirche und altes Konventsgebäude wurden etwa 1136 erbaut. Die 1246 abgebrannte romanische Kirche wurde durch einen Neubau im gotischen Stil ersetzt, der im Jahr 1300 fertiggestellt war. Erweiterungen des Konventsgebäudes erfolgten mehrfach, erstmals im 15. Jahrhundert. 1672 kam es zur barocken Ausgestaltung des Chörchens und des alten Sprechzimmers. Vom großen Stadtbrand 1689 blieb das Kloster verschont. In den Jahren 1712/13 erfolgte dann die barocke Ausgestaltung des Refektoriums und der Kommunität.