Kunst im öffentlichen Raum

Erfurt ist eine Stadt mit langer Vergangenheit und es gibt eine Reihe von guten Veröffentlichungen, die mit der mittelalterlichen Struktur von Straßen, Gassen, Plätzen, Flussläufen und Brücken und mit der erfreulich großen Zahl von Baudenkmalen der unterschiedlichen Jahrhunderte bekannt machen.

Aber zum Stadtbild gehören auch Stelen, Skulpturen, plastischer Schmuck an Fassaden, Denkmale historisch wichtiger Persönlichkeiten und räumliche Installationen moderner Prägung. So beabsichtigen wir mit diesem Heft in handlichem Taschenformat, geordnet nach Stadtgebieten,  Bürgern und Gästen der Stadt Informationen zu geben über die Schöpfer und die Entstehungszeit dieser Werke, über das Material und gegebenenfalls auch über inhaltliche Intentionen, da an den Werken selbst üblicherweise solche Informationen vergeblich gesucht werden.

Vielleicht lassen sich in unserem Stadtraum Kunstwerke von Weltrang kaum ausmachen, aber sie alle sind Ausdruck des jeweiligen Repräsentationswillens der Bürger und gehören damit ebenso wie die Architektur zur Geschichte der Stadt, mit der wir uns als Bewohner identifizieren und die in zunehmendem Maße das Interesse von Touristen aus aller Welt weckt. Daher sollten wir uns dieses besonderen Reichtums bewusst werden, indem wir ihn noch besser kennen lernen.

Glücklicherweise finden sich in Erfurt keine politischen Denkmale aus dem Nationalsozialismus oder jüngster DDR-Vergangenheit, die politisch unverantwortbar wären, so dass wir die aus diesen Zeiten überlieferten Werke durchaus zeigen, sei es, weil sie künstlerisch wertvoll sind oder auch als interessante Zeitzeugen kulturhistorische Bedeutung erlangt haben.

Wir sind stolz auf die Spuren von Kultur und Kunst, die uns die Jahrhunderte als treu zu pflegendes Erbe hinterlassen haben. Aber wir wissen auch, dass es unsere Aufgabe ist, selber Kunstwerke zu schaffen, um sie an die kommenden Generationen weiter zu geben. Dies ist ein lebendiger, uns aktuell beschäftigender, aber auch schwieriger und langwieriger Prozess.

Über die Qualität von Kunst wird schon immer und oft sehr kontrovers gestritten, und vielleicht kann das endgültige Urteil darüber, was wirklich von bleibendem Wert ist, erst im Abstand der Jahre gefällt werden. Aber wir werden immer mit großer Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein Entscheidungen zur Kunst im städtischen Raum treffen. Wir stützen uns dabei auf die fachliche Kompetenz unserer mit solchen Fragen beauftragten Kunstkommission und zusätzlich geladener Jurys, bestehend aus namhaften, auch überregional bekannten Fachleuten.

Zeitgenössische Kunstwerke irritieren oft die Betrachter, rufen nicht selten sogar Protest hervor, da sie abweichen von den historisch vertrauten, lieb gewonnenen Auffassungen.

In Wissenschaft und Technik, selbst in der Architektur, finden neue Entwicklungen sehr schnell Eingang, stößt man Überholtes ohne Bedauern ab. Sollte da die Entwicklung der Kunst verharren in alten - wenn auch ehedem richtigen Formensprachen? Künstler sind Menschen ihrer Zeit, und ihre Werke spiegeln ihre Fragen, ihr Denken, ihre Emotionen, ihre Probleme wider, mit denen sie uns sensibilisieren oder aufmerksam machen wollen. Die Aufgabe der Kunst ist es, den Geist ihrer Zeit widerzuspiegeln und nicht, uns unverbindlich zu unterhalten und unsere Erfahrungen mit ehedem bewährten, nun aber überholten Denkmustern und Formensprachen zu bestätigen. Wir brauchen den Ausdruck unserer Zeit - auch in der Kunst - um eine lebendige, zukunftsorientierte Landeshauptstadt zu sein.

So laden wir Sie ein, sich bei Spaziergängen oder auf Ihren alltäglichen Wegen zu informieren, um vergleichen zu können, um darüber nachzudenken, wie Kunst im städtischen Raum entstehen und auch diesen prägen kann. Bleiben wir offen und interessiert an allen Entwicklungen unserer Zeit!