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Das Rathaus: Ratssitzungssaal

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Der Ratssitzungssaal: Historie und Moderne / Zentrum der Macht

Video zur Restaurierung des Ratssitzungsaales
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Bildergalerie zur Restaurierung des Ratssitzungsaales (letzte Aktualisierung: 20.03.2008 12:30 Uhr)
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Ratssitzungssaal 2007  
Blick auf eine Fensterfront 2007
 
   

Der Ratssitzungssaal ist das Herzstück des Erfurter Rathauses. Alle vier Wochen mittwochs tagt hier der Erfurter Stadtrat. Seit der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 gehören ihm 50 Mitglieder an. 

Obwohl er einer der wichtigsten Räume des Rathauses, wenn nicht gar der wichtigste, ist, wurde der Ratssitzungssaal erst 30 Jahre nach Fertigstellung des Rathausneubaus angebaut.


1870-1875 Bau des neuen Rathauses  
Das neogotische Rathaus
 
   

Das Rathaus, wie wir es heute kennen, wurde zwischen 1870 und 1875 auf den Grundmauern seiner Vorgängerbauten errichtet. Diese reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück.

Der mittelalterliche Vorgängerbau wurde bereits 1830, gegen den Widerstand großer Teile der Erfurter Bevölkerung, abgebrochen.


Stadtverordnetensaal 1929  
Stadtverordnetensaal um 1929
 
   

Von 1904 bis 1906 wurde das wichtigste Haus am Platz – in Stil und Bauweise dem neogotischen Rathausneubau entsprechend – um einen Verlängerungsbau mit Treppenhaus erweitert. In der zweiten Etage dieses Baus entstand der Ratssitzungssaal, damals Stadtverordnetensaal.

Der Saal erstreckt sich über die gesamte Breite des Gebäudes. Durch die 18 in Dreiergruppen zusammengefassten Fenster zur Straßen- und Hoffront fällt sehr viel Licht.


Ratssitzungssaal 2007: Blick von der Empore  
Ratssitzungssaal 2007: Blick von der Empore
 
   

Die Farbgebung, die großen Wandgemälde, die Täfelung mit Schnitzarbeiten und das Mobiliar verleihen dem Saal ein repräsentatives Aussehen. Die den Zuschauern zugewendete Wandfläche wurde 1905/06 von dem Hannover Maler Professor Otto Hammel mit drei großformatigen Leinwandgemälde ausgestattet: Zwei historischen Stadtansichten und eine Darstellung des Fischmarktes mit dem alten Rathaus um 1720.

Der Zustand der Gemälde war sehr bald so schlecht, dass sie bereits 1940 durch den Maler selbst restauriert werden sollten. Aus gesundheitlichen Gründen und aufgrund des Krieges blieben die Bemühungen aber ohne Erfolg.


Rathausgasse/Stadtmünze 1945  
Zerstörungen durch Bombenangriffe im Bereich des Rathauses
 
   

Doch der Krieg hatte weiter reichende Konsequenzen: Mit dem Jahr 1940 kam es immer wieder zu Bombenangriffen. Am 11. April 1945 wurde Erfurt von amerikanischen Truppen eingeschlossen und lag unter Beschuss ihrer Artillerie.

Der Schwerpunkt der Zerstörungen dieses Angriffs lag im Bereich der Marktstraße, der Neuwerkstraße, der Gartenstraße, des Angerecks, des Bartholomäusturms und des Rathauses.

Der damalige Dienststellenvorsteher des Städtischen Hochbauamtes, der Architekt Radetzky, fasste die Schäden am Stadtverordnetensitzungssaal und die daraus folgenden Maßnahmen wie folgt zusammen:

"Beschädigt wurden 50 qm Holzbalkendecke vollständig, 20 % der Wandverkleidung, 35 % der Schreibtische, 1 gotisches Fenster und dessen Sandsteinverkleidung. Das große Wandgemälde (dieses war mit tausenden von Löchern durchbohrt) – wurde in 8-wöchigen Arbeiten durch Herrn [Joseph] Novotny-Ehl wieder instandgesetzt. Von den beiden seitlichen Wandgemälden ist ein vollkommen zerstört, das andere sehr schwer beschädigt. Eine Renovierung ist derzeit nicht möglich, da kein Material zu haben ist […] 3 Wappenfriese wurden schwer beschädigt, davon einer vollkommen. Dieser wurde jedoch erneuert. Die gesamte Stoffbespannung, die Deckenmalerei und die Bleiverglasung waren zu 100 % beschädigt, die Fenster und Türen zu 20 %, 65 % das Schieferdach […] Die großen Beleuchtungskörper waren verbogen, teilweise heruntergeflogen und mussten vollkommen erneuert werden. […] Die Wandbilder können das linke, wie bereits erwähnt, erst dann wieder restauriert werden, wenn Materialien vorhanden sein werden. Das rechte ist hundertprozentig zerstört und ist derzeit ebenfalls infolge Materialmangels nicht ersetzbar. Aus diesem Grunde habe ich die beiden Ersatzflächen bemalen lassen."

Aufgrund des damaligen Material- und Facharbeitermangels konnten die Instandsetzungs­arbeiten erst im März 1946 beginnen und wurden Ende August desselben Jahres abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf rund 25.000 Reichsmark.


Stadtverordnetensaal-aufn-1  
Historische Stadtansicht
 
   

Was aus dem linken Wandgemälde, einer historischen Stadtansicht, Otto Hammels geworden ist, ist ungeklärt. Von den ursprünglich drei Gemälden ist nur das Mittlere erhalten. 


Sitzungssaal vor Restaurierung 2007  
Ratssitzungssaal vor der Restaurierung 2007
 
   

2007 war endlich der Förderrahmen für die längst überfällige Sanierung gegeben. Vom 28. August 2007 bis zum 18. März 2008 wurde der Ratssitzungssaal grundlegend restauriert und saniert. Die Gesamtkosten der Maßnahme beliefen sich auf 783.000 Euro (davon 527.000 Städtebaufördermittel und 256.000 Euro Eigenmittel der Stadt Erfurt).  


Sitzungssaal vor Restaurierung 2007: Kabelverlegung  
Freie Kabelverlegung an der Wandverkleidung
 
   

Im Vorfeld der umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen erfolgten Untersuchungen zur historischen Innenraumfarbigkeit. Weitere Untersuchungen schlossen sich an. Außerdem wurden Muster für die Stühle und Probeflächen für die Wandverkleidung angefertigt. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Hochbau und Gebäudeverwaltung der Stadt Erfurt, den Denkmalbehörden und den Zentralen Restaurierungswerkstätten wurde die detaillierte Konzeption zur Gesamtrestau­rierung angestimmt.


Ratssitzungssaal 18. März 2008  
Restaurierter Ratssitzungssaal
 
   

Historisches wurde restauriert: So wurden alte Oberflächenbeschichtungen an den reich mit Schnitzereien verzierten Holztäfelungen im neogotischen Stil, der Empore, der Pilaster zwischen den Gemälden sowie den Plenar- und Podiumsreihen entfernt und abschließend nach historischem Befund behandelt.

Die Decke und die Wandflächen der Empore wurden sorgfältig freigelegt, retuschiert und teilweise rekonstruiert. Sie sind heute wieder als Einheit erlebbar. Unter vier Übermalungen trat die Erstfassung der Holzdecke nahezu unbeschadet zutage – goldfarbene Strahlenkränze schimmern jetzt auf leuchtendem Blau und geben dem Saal im Zusammenhang mit dem dunklen Holzton seinen neogotischen Charakter wieder.

Die drei Wappengemälde und die historische Rathausansicht Otto Hammels wurden ebenfalls restauriert. Dabei galt es nicht nur eine 100-jährige Schmutzschicht zu entfernen sondern auch Kriegsschäden zu beseitigen, also großflächige Übermalungen zu entfernen und mehr als 300 rückseitige Flicken abzunehmen und durch neue Leinwandintarsien zu ersetzen.

Aus der ehemals düsteren Gewitterstimmung über dem Rathaus wurde ein heller, sonniger Morgenhimmel.


Moderne Kommunikation im Ratssitzungssaal durch drahtlose Konferenzanlage  
Moderne Kommunikation
 
   

Moderne Komponenten wurden ergänzt: Eine Klimaanlage sorgt für kühle Köpfe während heißer Debatten auch im Sommer und die drahtlose Konferenzanlage schont die Stimmbänder der Abgeordneten.

Alle Sitzplätze verfügen über einen Stromanschluss und mittels WLAN stehen Intranet und Internet zur Verfügung. Hinter dem Präsidiumstisch ist eine verdeckte Leinwand angebracht und an der gegenüberliegenden Wand ein moderner Projektor.

Und seit dem Umbau können auch Menschen mit Hörbehinderung den Ratssitzungssaal ohne Probleme nutzen, die erforderliche Induktionsschleife wurde in Parkett und Rang installiert.


Video zur Restaurierung des Ratssitzungsaales

Restaurierung des Ratssitzungsaales

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Bildergalerie zur Restaurierung des Ratssitzungsaales

Bildergalerie: Ratssitzungssaal in Bildern

 

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