Sonderausstellung im Angermuseum: Ein Wald der Skulpturen. Die Sammlung Simon Spierer

03.02.2013 10:00 – 14.04.2013 18:00

Das Angermuseum Erfurt präsentiert vom 3. Februar bis zum 14. April 2013 die weltweit einzigartige Skulpturensammlung des Genfer Kunstsammlers Simon Spierer, die er 2004 dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt geschenkt hat.

Ausstellungsstücke auf Podesten im Raum
Blick in die Ausstellung "Ein Wald der Skulpturen" Foto: © Angermuseum Erfurt, Dirk Urban
14.04.2013 18:00

Ein Wald der Skulpturen. Die Sammlung Simon Spierer

Genre Ausstellung
Veranstalter Kunstmuseen der Landeshauptstadt Erfurt
Veranstaltungsort Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
Di - So 10 - 18 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 6 €, ermäßigt 4 €

Werke von der frühen Moderne bis in die Gegenwart hat der Sammler zusammengetragen.

Sein Wald der Skulpturen umfasst Arbeiten der bedeutendsten internationalen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, unter anderem von Constantin Brâncuși, Alberto Giacometti, Hans (Jean) Arp, Max Ernst, Julio González, Henry Moore, Max Bill, Lucio Fontana, Barbara Hepworth, Germaine Richier, Isamu Noguchi, Daniel Spoerri und Louise Bourgeois.

Seiner Idee eines Waldes der Skulpturen folgend, sammelte Simon Spierer überwiegend vertikal ausgerichtete Objekte und platzierte sie in seinem privaten Umfeld wie Bäume im Wald zu dichten Gruppen mit Durchblicken und Überlagerungen. Die Konzentration auf die Stele und den Torso in der Skulptur des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts   verleiht der Sammlung eine einzigartige und kunsthistorisch wertvolle Stellung.

"Ein Leben ohne Kunst kann ich mir nicht vorstellen", sagte Spierer, der neben seinen persönlichen Neigungen immer die museale Qualität und Wirkung dreidimensionaler Werke im Auge behielt. Im Wald der Skulpturen treten die vielgestaltigen Objekte in einen unmittelbaren Dialog miteinander. Gemeinsam bilden sie eine Sammlung von   hoher künstlerischer Intensität und eine repräsentative Übersicht über maßgebliche Strömungen der Skulptur des 20. Jahrhunderts.

Simon Spierer hat Inkunabeln der Kunstgeschichte erworben wie Brâncușis Vogel im Raum von 1927, González’ Daphné von 1937, Arps Idole von 1950 oder Giacomettis "Petit buste sur colonne" von 1952. Im Dialog mit Werken der Gegenwartskunst und der letzten Jahrzehnte, etwa von Künstlern wie Anthony Caro, William Turnbull und Vera Röhm, öffnet die Sammlung Spierer einen neuen Blick auf die Pluralität der Skulptur im 20. Jahrhundert. Allein in der Vielfalt der Werkstoffe (Bronze, Zink, Messing, Kupfer, Eisen, Stahl, Bleche, Holz, Plexiglas sowie Fundstücke und Alltagsgegenstände) wird die Erweiterung des Repertoires moderner Bildhauerei ablesbar. In der Sammlung Spierer wird der mit der Klassischen Moderne einsetzende revolutionäre Aufbruch der Skulptur zu völlig neuen Formensprachen und inhaltlichen Anliegen vielfältig erlebbar, von der abstrakten Kunst und figurativen   Tendenzen über den Surrealismus und die konkrete Kunst   bis hin zu individuellen Positionen der Gegenwartskunst.

Simon Spierer wurde 1926 im norditalienischen Triest in eine österreichisch-ungarische Familie mit jüdischen Wurzeln geboren. 1943 übersiedelte er nach Genf, um der Deportation zu entgehen. Nach seinem Studium war er wie sein früh verstorbener Vater als Großhändler für Rohtabak international tätig. In den 1950er Jahren begann er Kunst zu sammeln und Anfang der 1960er Jahre eröffnete er eine Galerie in Genf. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marie-Louise Jeanneret gründete er 1972 eine neue Galerie für zeitgenössische Kunst in Genf und eine Künstlerkolonie in Boissano/Ligurien, wo er sich über 20 Jahre lang als Förderer und Mäzen junger Künstler engagierte. In den 1990er Jahren begann er mit der Sammlung seines Waldes der Skulpturen. Als er den Entschluss fasste, seine umfangreiche Sammlung einem Museum zu schenken, fiel nach längerer Suche die Wahl auf das Hessische Landesmuseum Darmstadt. Im Januar 2005 wurde dort die Präsentation der Sammlung Spierer als Dauerausstellung eröffnet. Noch im selben Jahr starb Simon Spierer im Alter von 79 Jahren in Genf.

Mit der Schließung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten wurde die Sammlung Spierer seit 2008 in den Kunstmuseen verschiedener europäischer Großstädte gezeigt, von Athen über Sofia, Bukarest, Madrid, Den Haag. Das Angermuseum Erfurt ist nach Rüsselsheim nun die letzte Station dieser Ausstellungstournee, bevor die Sammlung wieder in der Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt präsentiert wird.

Bereits in der Ausstellung Ein Jahrtausend Elfenbein – vom 5. bis 15. Jahrhundert zeigte das Angermuseum wertvolle Kunstwerke aus der Darmstädter Sammlung. Mit der Ausstellung Ein Wald der Skulpturen. Sammlung Simon Spierer setzt das Angermuseum Erfurt die erfolgreiche Kooperation mit dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt fort.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Samstag, 2. Februar 2013, 16 Uhr | Eröffnung der Sonderausstellung
"Ein Wald der Skulpturen. Sammlung Simon Spierer"
In Zusammenarbeit mit dem Hessischen   Landesmuseum Darmstadt   (Eintritt Frei) 

Führungen
dienstags und sonntags, 15 Uhr | öffentliche Führungen
durch die Sonderausstellung "Ein Wald der Skulpturen. Sammlung Simon Spierer"

mittwochs Kunstpause am Mittag – 10 Minuten Kunstbetrachtung
in der Sonderausstellung "Ein Wald der Skulpturen. Sammlung Simon Spierer"

Samstag, 16. März 2013 u. 13. April 2013, 15 Uhr | Familienführung
durch die Sonderausstellung "Ein Wald der Skulpturen. Sammlung Simon Spierer" 

Vorträge im Rahmen der Sonderausstellung
Dienstag, 26. Februar 2013, 18 Uhr | Vortrag
"Körper - Raum - Formen. Wege zur Abstraktion in der Plastik des 20. Jahrhunderts",
Dr. Ingrid Maut, Kunstwissenschaftlerin, Erfurt (Eintritt frei)

Dienstag, 12. März, 2013, 18 Uhr | Vortrag
"Isamu Noguchi: Sprachen des Materials in einer globalisierten Moderne",
Prof. Dr. Eckhard Leuschner, Kunsthistoriker, Universität Erfurt, (Eintritt frei)

Dienstag, 26. März 2013, 18 Uhr | Vortrag
Filmische Skulptur und skulpturaler Film: Constantin Brâncuși Werke im Blick der Kamera
Dr. Elisabeth Fritz, Kunsthistorisches Seminar, Friedrich-Schiller-Universität Jena, (Eintritt frei)

Filme im Rahmen der Sonderausstellung
18./19./20.03. 2013 /19 Uhr | Angermuseum zu Gast im Kinoklub am Hirschlachufer
"Max Ernst - Mein Vagabundieren - meine Unruhe"
Dokumentarfilm, D 1991, 105 min, R: P. Schamoni

Ein Film über den Sammler Simon Spierer sowie weitere Dokumentarfilme zu einzelnen Künstlern werden in den Ausstellungsräumen gezeigt.