Zwischen Ausstieg und Aktion. Die Erfurter Subkultur der 1960er, 1970er und 1980er Jahre

08.12.2013 10:00 – 02.02.2014 18:00

Nach einer Phase der Ignoranz hat Ende der 1990er Jahre die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Kunst in der DDR und ihre Einordnung in den kunstgeschichtlichen Kontext begonnen. Die Subkultur in Erfurt mit ihren verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen wurde dabei nur am Rand der Forschung betrachtet.

02.02.2014 18:00

Zwischen Ausstieg und Aktion. Die Erfurter Subkultur der 1960er, 1970er und 1980er Jahre

Genre Ausstellung
Veranstalter Kunsthalle Erfurt
Veranstaltungsort Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 8, 99084 Erfurt
Eine in Rot gemalte Frau, die einer Menschengruppe entsteigt.
Foto: Verena Kyselka, Aussteigerin, 1989, Öl auf Leinwand, 132 x 142 cm Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Für die Untersuchung der Gesamterscheinung der Subkulturszene der DDR ist sie aber von besonderer Bedeutung, da sie einige singuläre Aspekte aufweist und an ihrem Beispiel der „Soziotop Provinz“ analysiert und dargestellt werden kann.

Die Ausstellung subkultureller Kunst aus Erfurt macht auf Künstler aufmerksam, die in Erfurt aktiv waren und heute z. T. vergessen sind. In ihrem unabhängigen Wirken waren sie Wegbereiter der friedlichen Revolution und des Mauerfalls. Sie waren Träger und Boten der provinz- und grenzüberschreitenden Ideen ihrer Zeit. Ihr Beitrag zur politischen Veränderung sowie zur künstlerischen Entwicklung in Erfurt und damit auch in Thüringen steht im Zentrum der Ausstellung.

Die Subkultur in Erfurt hatte viele Facetten: Es werden neben Einzelkünstler wie Gabriele Stötzer, Reinhard Zabka, Verena Kyselka, C.D. Spinne vor allem die Privatgalerien, Hauskreise, die "Künstlerinnengruppe" und die Punkbewegung betrachtet.

Die Vernetzung zu den anderen subkulturellen Zentren in der DDR, insbesondere Berlin, Dresden und Chemnitz, bildet einen weiteren thematischen Schwerpunkt der Präsentation. So wurden in Erfurt Ausstellungen u. a. von Ralf Kerbach und Eberhard Göschel gezeigt, es fanden gemeinsame künstlerische Aktionen mit Künstlern aus Dresden und Berlin (z.B. Cornelia Schleime, Mita Schamal) statt. Und Erfurter Künstler waren mit Ausstellungen, Filmen, Performances bzw. Lesungen in anderen Städten vertreten. Die Vernetzung war gerade für Künstler, die nicht im Schutz der Öffentlichkeit standen, weil sie nicht prominent waren oder eben in der Provinz agierten, zu einer Überlebensstrategie geworden. Darüber hinaus bot sie aber auch die Möglichkeit zum Austausch über künstlerische Ansätze und Ausdrucksmöglichkeiten.

Die Ausstellung betrachtet den Zeitraum der 1960er Jahre bis zur Wiedervereinigung 1990. Sie präsentiert neben Kunstwerken aus den verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst wie Fotografie, Film, Video, Malerei, Zeichnung, Grafik, Skulptur, Installation, Objekt, auch Werke der Literatur mit Manuskripten, Büchern, Tonbandaufzeichnungen, musikalisches Material sowie zeitgeschichtliche Dokumente.

Eine umfassende Buchpublikation mit kunstwissenschaftlichen und historischen Analysen und Aufsätzen sowie einer Materialsammlung an Dokumenten ist zu dieser Ausstellung erschienen.