"Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn" : Ausstellung im Erfurter Erinnerungsort Topf & Söhne

10.05.2014 15:11 – 07.12.2014 15:11

Etwa drei Millionen Menschen aus fast ganz Europa wurden ab 1941 mit Zügen zu den nationalsozialistischen Vernichtungsstätten in den besetzten Ländern im Osten deportiert. Ohne den Einsatz der Deutschen Reichsbahn hätte der systematische Mord an den europäischen Juden, Sinti und Roma nicht durchgeführt werden können. Und ohne die Öfen und die Lüftungstechnik der Erfurter Firma J. A. Topf & Söhne wäre das industrielle Töten in Auschwitz nicht möglich gewesen. In beiden Fällen beteiligten sich Menschen in ihrem gewöhnlichen beruflichen Kontext an einem Massenverbrechen, ohne dass sie dazu gezwungen wurden.

Eine blonde Frau schaut auf Ausstellungstafeln.
´Die Beteiligung der Reichsbahn am Massenmord zeigt die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn" Foto: © Erinnerungsort Topf & Söhne
07.12.2014 15:11

"Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn"

Genre Ausstellung
Veranstalter Erinnerungsort Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz, Sorbenweg 7, 99084 Erfurt

Die Deutsche Bahn AG erarbeitete in Kooperation mit dem Centrum Judaicum und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin eine Ausstellung

Drei Personen sitzen an einem Tisch. Im Hintergrund und links Ausstellungstafeln.
Foto: Die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn" wird der Presse vorgestellt. Kulturdirektor Tobias Knoblich, Dr. Susanne Kill, Leiterin Konzerngeschichte / Historische Sammlung der Deutschen Bahn AG, PD Dr. Annegret Schüle Leiterin des Erinnerungsortes (v.l.n.r.). Foto: © Erinnerungsort Topf & Söhne

Deshalb ist es dem Erfurter Erinnerungsort Topf & Söhne ein besonderes Anliegen, die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn" vom 10. Mai bis 7. Dezember 2014 zu zeigen, die von der Deutschen Bahn AG in Kooperation mit dem Centrum Judaicum und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin erarbeitet wurde.

In der Ausstellung "Sonderzüge in den Tod" schildern Überlebende in Zeitzeugeninterviews die grauenvollen Zustände in den Zügen. Die fahrplanmäßige und betriebliche Durchführung dieser Transporte durch die Reichsbahn wird anhand von Dokumenten und Grafiken dargestellt. Fotos und Biografien von aus Frankreich deportierten jüdischen Kindern haben Serge und Beate Klarsfeld für die Ausstellung recherchiert und zusammengestellt.

Zwei junge Frauen schauen sich eine der Ausstellungstafeln an.
Foto: Berührende Biografien: Links ein Foto des Mahnmals am Gleis 17 am Bahnhof Grunewald in Berlin. Foto: © Erinnerungsort Topf & Söhne

Die Ausstellungseröffnung am 9. Mai um 18 Uhr wurde gewählt, weil der 9. Mai 1942 ein Wendepunkt in der Geschichte der Verfolgung der Thüringer Juden bedeutete.  An diesem Tag mussten sich 513 Menschen aus über 40 Orten an Sammelplätzen einfinden. Mit ganz normalen Personenzügen wurden sie nach Weimar transportiert. Nach einer grauenvollen Nacht in der Viehauktionshalle nördlich des Weimarer Bahnhofs wurden sie in ein Ghetto im polnischen Bełżyce deportiert. Nur eine junge Frau aus Weimar, Hannelore Wolff, überlebte. Der 9./10. Mai 1942 war der Beginn der systematischen Vernichtung der Thüringer Juden.

Der Erinnerungsort Topf & Söhne ergänzt die Ausstellung über die Reichsbahn durch Tafeln und Interviews über die "Deportation und Ermordung der Thüringer Juden 1942–1945". Stellvertretend für das Schicksal der weit über tausend Menschen in Thüringen, die von Mai 1942 bis Januar 1945 deportiert und fast alle ermordet wurden, werden zehn Geschichten vorgestellt. Biografische Miniaturen, Fotografien und Dokumente erhellen die Persönlichkeit, die Erfahrungen und das Handeln der als Juden Verfolgten. Zeitzeugen berichten im Filminterview vom Verlust ihrer Angehörigen und dem Überleben im Versteck.

Ein aufgeschlagenes Buch, dahinter ein liegendes Buch.
Foto: Gedenkbücher des Bundesarchivs erinnern an die Namen und Schicksale der verfolgten Juden. Foto: © Erinnerungsort Topf & Söhne

Das vielfältige Begleitprogramm zur Ausstellung beginnt schon am 13. Mai um 19 Uhr. Der Lektor Prof. Dr. Walter H. Pehle wird das letzte Buch seines verstorbenen Freundes Ernst Klee vorstellen. Niemand hat so viele NS-Täter und ihre Nachkriegskarrieren dokumentiert wie Ernst Klee, der diese Aufgabe zu seinem Lebenswerk gemacht  hat. "Auschwitz. Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde" ist ein einzigartiges biografisches Nachschlagewerk geworden, das in fast 4.000 Biographien das gesamte Personal des Vernichtungslagers Auschwitz vorstellt, von den mordenden Tätern bis hin zu Häftlingen, die zu Hilfsdiensten gezwungen wurden. Ernst Klees Buch ist eine unschätzbare Pionierarbeit und das Vermächtnis eines außergewöhnlichen Forschers und Autors.  Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung statt.

Die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod" steht unter der Schirmherrschaft von Christian Carius, Thüringer Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, der die Ausstellung auch eröffnet. Begleitbände und pädagogische Angebote  stehen im Erinnerungsort zur Verfügung. Gefördert wird die Ausstellung durch die Deutsche Bahn AG, das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, dem Lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Mittelthüringen und dem Förderkreis Erinnerungsort Topf & Söhne.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.