Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts. Ausstellungsprojekt im Rahmen der Luther-Dekade, Cranach-Jahr 2015

27.06.2015 10:00 – 20.09.2015 18:00

Die acht konvexen Pfeilerbilder im Erfurter Dom St. Marien bilden das bedeutendste Ensemble von Tafelgemälden der Reformationszeit in der Stadt, das sich am Ort seiner Bestimmung erhalten hat.

Allegorische Darstellung der Transsubstantiation (lat.: „Wesensverwandlung“).Am oberen Bildrand Gott, darunter die symbolische Mühle, in die das Korn (Gottes Wort - hier in Form von Spruchbändern)hineingegeben wird. Die Mühle verwandelt es in die Hostie (lat.: hostia "Opfer" oder "Opfergabe"), die nach der Lehre von der Transsubstantiation der Leib Christi, im Bild das Jesuskind, ist. Letzteres sitzt im Kelch, der von den Bischöfen gehalten wird. Angetrieben wird die Hostienmühle von den Aposteln.
Hostienmühle: Pfeilerbild im Hohen Dom zu Erfurt St. Marien, Kathedralkirche des Bistums Erfurt, 1534 Bild: © Bistum Erfurt, Foto: Falko Behr
20.09.2015 18:00

Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts

Genre Ausstellung
Veranstalter Angermuseum Erfurt, Katholischer Dom St. Marien, Kaufmannskirche St. Gregor
Veranstaltungsort Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
Di - So 10 - 18 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 6 €, ermäßigt 4 €

Bedeutendstes Ensemble von Tafelgemälden der Reformationszeit

Themen, die in der katholischen Tradition Bedeutung haben

Die ab 1506 in einem Zeitraum von ca. 50 Jahren entstandenen großformatigen Werke zeigen überwiegend Themen, die in der katholischen Tradition Bedeutung haben, beispielsweise die Himmelfahrt Mariens oder die Gregorsmesse.

Kritische Auseinandersetzung mit den Auffassungen Luthers

Von einem der Stifter, dem zu Lebzeiten Luthers zunächst in Erfurt wirkenden Juristen und Universitätslehrer Henning Goede, wissen wir, dass er sich kritisch mit den Auffassungen des Reformators auseinander setzte. Es liegt also nahe, in einigen dieser Bilder Positionsbestimmungen und Bekenntnisse im Rahmen der ab 1520 in Deutschland und Europa voranschreitenden Konfessionali­sierung zu sehen – auch und gerade wenn bestimmte Elemente der Darstellungen als konven­tionell gelten können, weil sie eine lange ikonografische Vorgeschichte hatten.

Wichtiges Zeugnis für die Kontroversen der Reformationszeit

Wegen ihres Umfangs und ihrer Geschlossenheit ist die Gruppe der Pfeilerbilder im Dom zu Erfurt ein überaus bedeutsames Zeugnis für die theologischen Kontroversen der Lutherzeit und ihre kulturellen Auswirkungen in Mitteldeutschland und darüber hinaus.

Theologische, liturgische, kulturgeschichtliche und stilistische Aspekte werden untersucht

Das Ausstellungsprojekt im Rahmen der Luther-Dekade 2007–2017 bietet erstmals die Gelegenheit, die an den Pfeilern der spätgotischen Halle des Erfurter Doms präsentierten Tafelbilder in ihrem Sinnzusammenhang zu deuten, wofür theologische, liturgische, kulturgeschichtliche und stilistische Aspekte untersucht werden.

Die Pfeilerbilder selbst verbleiben während der Ausstellung an ihrem Bestimmungsort, dem Dom St. Marien, und werden in geeigneter Weise kommentiert.

Altarinsel im Inneren einer Kathedrale, rechts und links davon mehrere Pfeiler, auf denen sich im jeweils unteren Teil halbrunde Gemälde befinden.
Foto: Der Pfeilerbildzyklus im Katholischen Dom St. Marien Foto: © Falko Behr

Bilderdiskurs der christlichen Konfessionen im 16. Jahrhundert

Im Angermuseum ist geplant, Objekte der eigenen Sammlung sowie Leihgaben vorzustellen, die in einem engen inhaltlich-rhetorischen, motivgeschichtlichen, stilistischen und funktionalen Zusammenhang zu den Pfeilerbildern des Erfurter Doms stehen und darüber hinaus den Bilderdiskurs der christlichen Konfessionen im 16. Jahrhundert anschaulich werden lassen.

Herausragende Präzedenzfälle

Das Projekt dient der weiteren Erforschung jener für die Reformationszeit  in Europa typischen „Argumentationen durch Bilder“, spezifiziert auf die Verhältnisse in der bürgerlich geprägten Großstadt Erfurt und jene im Laufe des 16. Jahrhunderts in ihr etablierte zweikonfessionelle Diskurskultur.  Die Pfeilerbilder gelten dabei als herausragende Präzedenzfälle, um die römisch-katholische Perspektive in der sich neu konstituierenden protestantischen Bilderkultur zu charakterisieren.

Ausstellungsorte

Fassade des Angermuseums
Angermuseum Foto: © Angermuseum Erfurt, Foto: Dirk Urban
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Anger 18
99084 Erfurt
Deutschland

Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Di – So 10 – 18 Uhr

Zwei Kirchen, blauer Himmel im Hintergrund.
Katholischer Dom und St. Severi Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
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Domstufen 1
99098 Erfurt
Deutschland

Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Mo –Sa 9:30 – 18:00 Uhr
So / feiertags 13:00 – 18:00 Uhr

Auskünfte und Anmeldung zu Führungen:
Tel. 0361 6461265

Kaufmannskirche mit Haüser am Anger
Kaufmannskirche Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
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Anger 80
99084 Erfurt
Deutschland

Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Mo - Mi 11 - 14 Uhr
Do - Sa 11 - 17 Uhr
Zusätzlich am 1. Dienstag im Monat
07.07., 04.08., 01.09. jeweils 14.00 – 18.00 Uhr

Führungsangebote
"Reformation im Bildwerk der Erfurter Meister Friedemann"
16.07./ 30. 07./ 13.08./ 27.08. jeweils 16 Uhr
Dauer 60 Minuten, Preis pro Person 3 Euro, bei Ermäßigung 1 Euro
Kostenfreie Kirchenführungen
02.07., 06.08., 03.09. jeweils 14 Uhr
Kirchenführung nach Vereinbarung
Dauer 60 Minuten, Kosten 50 Euro
Anmeldungen und Terminabsprache in der Kaufmannskirche am Anger oder im Gemeindebüro
(Tel. 0361 2626962)

Begleitprogramm

Öffentliche Führungen

jeweils 15 Uhr
dienstags 14.07., 21.07., 11.08., 25.08., 15.09.

Öffentliche Kuratorenführung

jeweils 15 Uhr
So 28.06., Mi 08.07., So 12.07., Mi 29.07., So 06.09.

Vorträge

jeweils dienstags, 19 Uhr

Ausgewählte Führungen, Vorträge und Veranstaltungen

Jesus (Bildmitte) umarmt nach der biblischen Erzählung der Synoptiker die ihm durch verschiedene Frauen überbrachten Kinder, segnet sie und spricht ihnen das Reich Gottes als Eigentum zu. Um die Szene herum ein Bildrahmen mit Symbolen und Personen.
©  Caritas Kinder- und Jugendheim St. Vincenz, Erfurt. Leihgabe Katholischer Dom St. Marien, Erfurt

Der Erfurter „Reformationsteppich“ und die Kindersegnung Christi

14.07.2015 19:00 – 20:00

Vortrag von Dr. Susanne Wegmann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas, …

Veröffentlichungen

Farbig gestaltetes Buch-Cover.
Foto: "Kontroverse und Kompromiss": Im Sandstein-Verlag, Dresden , ist das Begleitbuch zur Ausstellung erschienen Foto: © Sandstein-Verlag, Dresden

Tagungsband

Zur Vorbereitung der Ausstellung hat in Erfurt im Frühjahr 2014 eine internationale Tagung an der Universität Erfurt stattgefunden, deren Forschungsergebnisse in die inhaltliche Profilierung der Ausstellung und der begleitenden Publikation eingeflossen sind.

Aktuelle Meldungen und Pressemitteilungen

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Eingeklebte Flugblätter mit einem Vierzeiler von Martin Luther

10.09.2015 10:06

Am Dienstag, dem 15. September, 15 Uhr, lädt Thomas Bouillon, Fachreferent an der Universitätsbibliothek Erfurt, zu einer Führung durch die derzeitige Sonderausstellung „Kontroverse und Kompromiss. Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts“ im Angermuseum Erfurt ein.

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Wer war Stephaton? – Zur Deutung der Kreuzigungstafel im Dom zu Erfurt

02.09.2015 10:56

Am Dienstag, dem 8. September, 19 Uhr, findet im Angermuseum Erfurt ein neuer Vortrag zu der Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss. Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts" statt. Dr. Verena Friedrich von der Universität Würzburg spricht zum Thema "Wer war Stephaton? Zur Deutung der Kreuzigungstafel im Dom zu Erfurt".

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Letzte Führung in der Kaufmannskirche am Anger im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Kontroverse und Kompromiss"

01.09.2015 14:26

Am Donnerstag, dem 3. September um 14 Uhr lädt Thomas Austel, Pfarrer der Kaufmannsgemeinde i. R., zur letzten Kirchenführung im Rahmen der Ausstellung "Kontroverse und Kompromiss. Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts" in die Kaufmannskirche ein.

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"Die Restaurierung von Bildtafeln aus dem Umfeld Lucas Cranachs d. Ä.": Die Berliner Restauratorin Dörte Busch spricht im Angermuseum

31.07.2015 07:00

Am Dienstag, dem 4. August, spricht die Berliner Restauratorin Dörte Busch um 19 Uhr im Angermuseum über "Die Restaurierung der Bildtafeln zur Legende der heiligen Barbara". Dieses Werk wird dem Umkreis Lucas Cranachs d. Ä. zugeschrieben und ist Teil der aktuellen Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss".

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Tafelbilder, Drucke, Bücher und liturgische Objekte: Direktor der Kunstmuseen führt durch die Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss"

24.07.2015 09:25

Zu einer neuen Kuratorenführung mit Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz, Direktor der Kunstmuseen Erfurt, lädt das Angermuseum am Mittwoch, dem 29. Juli, ein. Um 15 Uhr führt er Besucher durch die aktuelle Sonderausstellung „Kontroverse und Kompromiss. Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts".

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Zur Funktion der Pfeilerbilder im Dom zu Erfurt: Vortrag mit Dr. Falko Bornschein, Kunstgutbeauftragter des Bistums Erfurt

17.07.2015 13:40

Am Dienstag, dem 21. Juli, 19 Uhr, spricht Dr. Falko Bornschein, Kunsthistoriker und Kunstgutbeauftragter des Bistums Erfurt, im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss. Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts" im Angermuseum Erfurt zum Thema "Die Funktion der Pfeilerbilder im Dom St. Marien, Erfurt".

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"Der Erfurter »Reformationsteppich« und die Kindersegnung Christi"

10.07.2015 12:00

Am Dienstag, dem 14. Juli, 19 Uhr, spricht Dr. Susanne Wegmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas, im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss. Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts"" im Angermuseum Erfurt zum Thema "Der Erfurter »Reformationsteppich« und die Kindersegnung Christi".

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Ein Bilderdiskurs zu den christlichen Konfessionen: Am Mittwoch gibt es eine Kuratorenführung in der Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss"

06.07.2015 13:43

Zu einer öffentlichen Kuratorenführung wird am Mittwoch, dem 08.07.2015, 15:00 Uhr, in die Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts", die derzeitig im Angermuseum, dem Kunstmuseum der Landeshauptstadt, am Anger 18 gezeigt wird, herzlich eingeladen. Geöffnet ist die Schau Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr.

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Altar, Kanzel und Taufbecken sind höchst aufschlussreich: Ausstellungsführung in der Kaufmannskirche, in der auch Luther predigte

30.06.2015 13:34

Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts" wird zu einer Führung am 2. Juli, 14 Uhr, in die Erfurter Kaufmannskirche, Anger 80, eingeladen.

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Die Ausstattung des Hohen Chores der Kaufmannskirche mit Werken der Erfurter Künstlerfamilie Friedemann: Vortrag mit Prof. Dr. Stefan Bürger, Universität Würzburg

26.06.2015 14:01

Am Dienstag, dem 30. Juni, 19 Uhr, spricht Prof. Dr. Stefan Bürger von der Universität Würzburg, Institut für Kunstgeschichte, im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Kontroverse und Kompromiss. Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts" im Angermuseum Erfurt zum Thema "Die Ausstattung des Hohen Chores der Kaufmannskirche mit Werken der Erfurter Künstlerfamilie Friedemann".

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"Kontroverse und Kompromiss - Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts"

25.06.2015 15:43

Ausstellung des Erfurter Angermuseums in Kooperation mit dem Dom St. Marien und der Kaufmannskirche St. Gregor. Mit freundlicher Unterstützung Freistaat Thüringen – Staatskanzlei, Ernst von Siemens Kunststiftung, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Sparkasse Mittelthüringen, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, Zumnorde Hotel Erfurt.

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Hilfreiche Etappe auf dem Weg zu mehr Gemeinschaft: Luther-Symposium in der Landeshauptstadt Erfurt. Kardinal Koch spricht vom Überwinden von Spaltungen

23.09.2014 09:40

Als hilfreiche Etappe auf dem Weg zu mehr Gemeinschaft zwischen Lutheranern und Katholiken hat der vatikanische "Ökumeneminister" Kardinal Kurt Koch das internationale, derzeit in Erfurt stattfindende Luther-Symposium im Erfurter Augustinerkloster gewürdigt. Dieser Weg habe mit einer kritischen Überprüfung und Überwindung des traditionellen polemischen katholischen Bildes von Martin Luther begonnen, betonte Koch in einem am Sonntagabend zur Eröffnung der Tagung "Luther - Katholizität und Reform. Wurzeln - Wege - Wirkungen" verlesenen Grußwort.

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Experten sind sich einig: Erfurter Pfeilerbilder sind in der geschlossenen Erhaltung am Ort ihrer Entstehung deutschlandweit einzigartig

02.07.2014 14:18

Die Tagung "Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts", die am 23. Mai im Coelicum des Erfurter Katholischen Doms St. Marien, am 24. Mai im Kunstinstitut der Universität Erfurt stattfand, ging von den acht konvexen Pfeilerbildern im Erfurter Mariendom, dem bedeutendsten erhaltenen Ensemble von Tafelgemälden der Reformationszeit in der Stadt, aus. Nicht zuletzt im Hinblick auf die 2015 von Angermuseum, Bistum und Universität Erfurt geplante Ausstellung, in der diese Bilder Ausgangspunkte einer Schau zu Entstehung und Kultur der Bikonfessionalität Erfurts im 16. Jahrhundert sein sollen, standen – nach Übersichtsvorträgen zur Bau- und Ausstattungsgeschichte des Doms und der historischen Situation – die künstlerischen und ikonografischen Befunde im Zentrum der Diskussionen.

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