Ein guter Rat – Kostbarkeiten aus 800 Jahren Ratsgeschichte

07.05.2015 10:00 – 28.06.2015 18:00

Seit etwa 800 Jahren bestimmen Räte über die Geschicke der Stadt Erfurt. In einer Urkunde von 1212 werden die Anfänge des Erfurter Rates erstmals fassbar. Die Periode der geschriebenen, allein von der städtischen Ratsgewalt ausgehenden Rechtsnormen begann in Erfurt mit dem Jahr 1306. Damals entstand mit der Willkür das älteste städtische Rechtsbuch. Der wertvolle Pergamentkodex beinhaltet die wichtigsten Punkte der Stadtverfassung sowie des Privatrechts.

In Pergament gebundenes, mit Beschlägen versehenes Buch, Anno 1688. Auf dem Buchdeckel das angedeutete Erfurter Rad. Im Vordergrund rechts die Abbildung einer farbig gestalteten Seite mit der Initiale "D".
Die "Erfurter Willkür", niedergeschrieben im Jahre 1306, war das in Erfurt geltende Stadtrecht. Das Wort "Willkür" bedeutet „das mit Willen erkorene“, ursprünglich bezeichnete es also wertneutral die Entscheidungsfreiheit im Gegensatz zur Notwendigkeit, in bestimmter Weise zu verfahren. Der dargestellte Pergamentkodex ist das offizielle Exemplar des Rates und wurde erst im 1357/60 angefertigt. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban
28.06.2015 18:00

Ein guter Rat – Kostbarkeiten aus 800 Jahren Ratsgeschichte

Genre Ausstellung
Veranstalter Gemeinsames Projekt des Stadtmuseums und des Stadtarchivs
Veranstaltungsort Stadtmuseum, Johannesstraße 169, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:

Dienstag - Sonntag
10 - 18 Uhr

Museumspädagogische Begleitung:

Sie reicht von Führungen in den Häusern, über thematische Veranstaltungen bis zu Weiterbildungen und Projektgestaltungen. Eine Übersicht erhalten Sie auf Anfrage.

Hinweis für Rollstuhlfahrer:
Ebenerdiger Zugang zum Foyer und den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss (Sonderausstellungen, Beginn des Mittelalters, Stadtmodell); zum Aufzug über 8 Stufen, Ausstellungsräume in der 1. und 2. Etage und Keller für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, Behinderten-WC im Erdgeschoss, Bewegungsfläche vorm WC 150 x 90 cm, 2 Behindertenparkplätze vor Sparkasse nahe des Museums.

Hinweis für gehbehinderte Gäste:
Ebenerdiger Zugang zum Foyer und den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss (Sonderausstellungen, Beginn des Mittelalters, Stadtmodell); zum Aufzug über 8 Stufen, 2 Behindertenparkplätze vor Sparkasse nahe des Museums

"... zum Besten der Stadt": Ausstellung will nicht nur belehren, sondern auch unterhalten

Ein Mann mit Hut und Papier. Darüber ein Schriftzug.
Foto: Theodor de Bry: Bildnis Eoban Hesse. Kupferstich, 16. Jahrhundert. Hessus war ermahnt worden, künftig nüchtern ins Kolleg zu kommen, widrigenfalls sein Gehalt gesperrt würde. Foto: © Stadtmuseum Erfurt / Luther-Sammlung

Die Präsentation zur Ratsgeschichte, die innerhalb der ständigen Ausstellung im Stadtmuseum gezeigt wird, will nicht nur belehren, sondern auch unterhalten.

So werden u.a. kuriose Ereignisse dokumentiert, wie die Ermahnung des Rates der Stadt im Jahr 1523 an Professor Eobanus Hessus, künftig nüchtern ins Kolleg zu kommen, widrigenfalls sein Gehalt gesperrt würde.

Eine volkstümliche Schrift eines Unbekannten, "gedruckt zu Erffordt zum schwarzen Horn" [Mathes Maler] um 1516 schildert zudem, was der gemeine Mann von den Ratsherren erwartete: Dass er auf Rechtlichkeit achte, bedachtsam und klug handle, seine Macht nicht missbrauche und zum Besten der Stadt wirke. Sie schließt mit der Mahnung: "… verlass dich nicht auf deine Macht, ein Jahr ist schnell vorbei."

Vier farbige Wappendarstellungen im Blätterkranz, zudem historische Schrift.
Foto: Besonders prächtig ist der 1638 angelegte Ratstransitus, das sog. "Goldene Buch" mit den Wappen der Ratsherren von 1500 bis 1700 Foto: © Stadtarchiv Erfurt

Die wichtigsten Amtsträger aus der Geschichte des Erfurter Rates finden sich in den Registerbänden. Besonders prächtig ist der 1638 angelegte Ratstransitus, das sog. Goldene Buch mit den Wappen der Ratsherren von 1500 bis 1700. Diese Registrierung wird bis heute mit dem Verzeichnis der Stadtverordneten der Stadt Erfurt kalligraphisch aufwendig fortgeführt. "Wir sind froh und stolz, dass wir mit dieser von Gudrun Noll-Reinhard und Dr. Antje Bauer gemeinsam kuratierten Präsentation einen Bogen von der kommunalen Tradition des Mittelalters hin zur parlamentarischen Repräsentativdemokratie der Jetztzeit schlagen können", so Dr. Anselm Hartinger, der Direktor der Erfurter Geschichtsmuseen. "Diese Bezüge lebendig zu vermitteln, ist eine zentrale Aufgabe stadtgeschichtlicher Arbeit."