"Zwischen Bütt & Politik": Fasching und Karneval in der DDR

27.01.2016 10:00 – 28.02.2016 18:00

Fasching und Karneval gehörten in der Deutschen Demokratischen Republik zum familiär-geselligen Leben einfach dazu: Zu den "tollen" Tagen um den Fastnachtsdienstag herum, eher vereinzelt auch schon zum 11.11., waren Kostümierungen, Tanz, Speis und Trank, mancherlei Darbietungen und lustige Spiele für Kinder wie Erwachsene angesagt.

Blick in die Ausstellung, rechts Vitrinen mit Karnevalskostümen, weitere Zeitzeugnisse, Fotos und Illustrationen.
Kabinettausstellung „Zwischen Bütt & Politik: Fasching und Karneval in der DDR“ Foto: © Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt
28.02.2016 18:00

"Zwischen Bütt & Politik": Fasching und Karneval in der DDR

Genre Ausstellung
Veranstalter Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt
Veranstaltungsort Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt, Juri-Gagarin-Ring 140a, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Führungen nach Voranmeldung
Museumspädagogische Angebote nach Voranmeldung

Hinweis für Rollstuhlfahrer: Ebenerdiger Zugang bis Haupteingang, dann 2 Stufen zur Kasse, weitere 3 Stufen zu den Ausstellungsräumen im EG und Lastenaufzug, der zu den 3 Ausstellungsetagen genutzt werden kann.

Hinweis für Gehbehinderte Gäste: Ebenerdiger Zugang bis Haupteingang, dann 2 Stufen zur Kasse, weitere 3 Stufen zu den Ausstellungsräumen im EG und Lastenaufzug, der zu den 3 Ausstellungsetagen genutzt werden kann, Gehbehinderten wird Hilfe angeboten.

Hinweis für Blinde und Sehbehinderte Gäste: Ausstellungsbereich mit Hörstationen

"Bütt ist immer Politik!", das wissen all diejenigen, die Spaß am Verkleiden haben

Junge Frau hält einen Stapel mit Faschingshüten, im Hintergrund Regal mit Faschingsartikeln
Foto: Verkauf von Faschingshüten in den 1980er Jahren Foto: © Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt

Es war eine besondere Zeit im Jahreslauf, dessen war man sich bewusst, wobei die verwickelte, vielschichtige Geschichte und Deutung der althergebrachten Fastnachts- und Vorfrühlingsbräuche natürlich die wenigsten interessierte. Es ging um Geselligkeit und Kreativität, Ausgleich zum mitunter schwierigen und tristen DDR-Alltag. Einige, darunter gebürtige Rheinländer, schritten zur (organisierten) Tat: Mit der Überwindung des Stalinismus vor Mitte der 1950er Jahre begann in der jungen DDR eine Gründungswelle von Karnevalsklubs. Hier blühte nicht nur derb-fröhliches Ritual, sondern auch die politische Satire – beheimatet "in der Bütt". Einfallsreich, mutig, provokant und ohne kommerziellen Hintergrund (!) kritisierte man, machte öffentlich, was von offizieller Seite tagtäglich verschwiegen wurde.

Große Karnevalsgruppe vor einem Gebäude.
Foto: Bezirkswerkstatt des Karnevalspräsidenten des Bezirkes Erfurt. Mühlhausen, 1984 Foto: © Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt

Der Karneval in der DDR, zunächst geduldet, war eine nicht gerade stille Opposition, mit der sich staatliche Institutionen zunehmend befassten. Das Ergebnis: Als Volkskunstkollektive wurden die Karnevalsklubs in die staatliche Kulturpolitik integriert und Standards gesetzt. Gleichwohl wurde der organisierte Karneval damit fast zu einer Massenbewegung: Karnevalisten konnten nun gerechte und eindeutige Regeln für ihre Tätigkeit fordern sowie die Existenz ihrer Klubs sichern. Einfallsreich meisterten sie es, Konflikte mit den Behörden auszutragen oder auch mal (scheinbar) nachzugeben. Sie unterstützten sich gegenseitig, konzentrierten sich auf ihr "Hobby" und begeisterten das Publikum.