"Geld stinkt nicht": Erfurt und der Waidhandel

06.12.2016 10:00 – 02.04.2017 18:00

Erfurt war die bedeutendste deutsche Waidhandelsstadt im Mittelalter. Sogar in der berühmten "Liber chronicarum" des Hartmann Schedel von 1493 wurde als Besonderheit Erfurts "ein Kraut Waidt genannt, zur Färbung der Tücher dienlich" hervorgehoben.

Drei Zeichnungen des Waidanbaues und der Waidverwendung
Laurentius Niska: WeydBedencken/ Das ist: Unvorgreifflichen angezeigte wolgemeinte Ursachen und Mittel/ Wie und warumb dem Lande zu Düringen ... die zuvorhin durch den Weydbaw und dessen Handel gehabte Nahrung/ widerumb an die Hand zu geben ... und dardurch Geldt in dasselbe zu bringen/ und einzuführen ; Item/ was durch die untüchtigen Farben vor Schaden und Betrug/ erwachse/ und dargegen ein jeder In: oder Außländischer vor einen Unterscheidt und Nutz/ an denen mit Weyd gefärbten Tüchern/ und Wahren/ in tragung der Kleider/ zu empfinden / Von einem/ so es durch angewandten Fleiß an die Hand gebracht/ und in Druck verfertiget/ Mit beygefügten Figuren gezieret. Erffurdt : Fritzsche, 1631 Bild: © Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/ Gotha, Sign.: Math 4° 00503/06
02.04.2017 18:00

"Geld stinkt nicht": Erfurt und der Waidhandel

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtmuseum
Veranstaltungsort Stadtmuseum im "Haus zum Stockfisch", Johannesstraße 169, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Hinweis für Rollstuhlfahrer

Ebenerdiger Zugang zum Foyer und den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss (Sonderausstellungen, Beginn des Mittelalters, Stadtmodell); zum Aufzug über 8 Stufen, Ausstellungsräume in der 1. und 2. Etage und Keller für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, Behinderten-WC im Erdgeschoss, Bewegungsfläche vorm WC 150 x 90 cm, 2 Behindertenparkplätze vor Sparkasse nahe des Museums.

Hinweis für gehbehinderte Gäste

Ebenerdiger Zugang zum Foyer und den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss (Sonderausstellungen, Beginn des Mittelalters, Stadtmodell); zum Aufzug über 8 Stufen, 2 Behindertenparkplätze vor Sparkasse nahe des Museums

"Erfurter allda": Erfurt war die bedeutendste deutsche Waidhandelsstadt im Mittelalter

Blau bedruckter Stoff auf geschnitzter Holzgrundlage, spiegelbildlich.
Foto: "Ich bin die Auferstehung...": Model mit Blaudruck. Der Wunsch nach blauen Tuchen machte den Farbstoff zu einem begehrten Exportartikel Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Der Wunsch nach blauen Tuchen machte den Farbstoff zu einem begehrten Exportartikel, der von den Zeitgenossen als "goldenes Vlies" oder "fürnehmste Nahrung" der Stadt Erfurt bezeichnet wurde. 

Wie sehr sich das Selbstbewusstsein der Erfurter auf den Waid stützte, verdeutlicht auch die Überlieferung einer Anekdote, nach der sie im Jahr 1290 Kaiser Rudolf von Habsburg bei der Zerstörung von Raubritterburgen unterstützten und anschließend Waidsamen auf die Trümmer streuten, zum Zeichen dass die "Erfurter allda" gewesen" seien. 

Der durch Gärung aus der Waidpflanze gewonnene Farbstoff bedingte einen arbeitsreichen Herstellungsprozess, bei dem die Geruchsbelästigung durch den Einsatz von Urin zum Teil immens war, aber auch die Gewinnspanne der Produzenten und Händler. Das Geld nicht stinkt – pecunia non olet - erkannte bereits der römische Kaiser Vespasian und erfand die Latrinensteuer. 

Begleitprogramm zur Ausstellung

einzelnes längliches Blatt auf dunklem Untergrund
Foto: Waidblatt auf Färbewasser. Führungen zum Thema "Waid" gibt es während der Laufzeit der Ausstellung Foto: © Rosanna Minelli, Apis Colori, Erfurt

04.12.2016
14:00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung im Stadtmuseum

10.12.2016
13:00-18:00 Uhr
Advent im Museum, u.a. mit der Fachfrau zum Färben mit Waid, Rosanna Minelli

15.12.2016
12:00 Uhr
"10 Minuten Stadtgeschichte": Führung in der Sonderausstellung "'Geld stinkt nicht': Erfurt und der Waidhandel"

18.12.2016
15:00 Uhr
Kuratorenführung in der Sonderausstellung "'Geld stinkt nicht': Erfurt und der Waidhandel"

10.01.2017
19:00 Uhr
Lesung "Blaues Gold. Ein Erfurter Waid-Roman" mit Alice Frontzek