Barfuß ins Himmelreich?: Martin Luther und die Bettelorden in Erfurt

18.05.2017 10:00 – 12.11.2017 18:00

Einer der berühmtesten und mit Sicherheit folgenreichsten Bettelordenmönche war Martin Luther. Der Umstand, dass er 1505 als Student der Erfurter Universität dem streng observanten, jedoch gelehrten und der Welt zugewandten Orden der Augustinereremiten beitrat, bildet den Anlass, die Rolle der Bettelorden in der Geschichte der Stadt Erfurt zu thematisieren.

Luther in Kutte hält die Hand auf, ein Mann, rechts, reicht ihm eine Gabe.
Luther als Bettelmönch auf den Straßen von Erfurt /Eduard Kämpffer Bild: © Constantin Beyer, Weimar
12.11.2017 18:00

Barfuß ins Himmelreich? Martin Luther und die Bettelorden in Erfurt

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Kulturdirektion, Geschichtsmuseen
Veranstaltungsort Stadtmuseum, Barfüßerkirche, Augustinerkloster, Predigerkirche, Johannesstraße 169, 99084 Erfurt
Großes Kirchenschiff ohne Dach, blauer Himmel.
Foto: Ruine der Barfüßerkirche in Erfurt: Luther predigte hier im Jahre 1529 Foto: © R. Lemitz

Die Bettelorden der Barfüßer, Dominikaner und Augustiner-Eremiten prägen mit ihren größtenteils erhaltenen bedeutenden Kirchenbauten noch heute das Erfurter Stadtbild. Ihre neuartige und auf die Bedürfnisse der spätmittelalterlichen Stadtgemeinden ausgerichtete Theologie und Spiritualität haben ein ganzes Zeitalter bestimmt und tiefe Spuren auch in der Erfurter und mitteldeutschen Kirchen-, Geistes- und Sozialgeschichte hinterlassen.

Ohne die Erfahrungen seiner Erfurter Jahre als Augustiner-Eremit und Ordensfunktionär wäre Martin Luthers Weg zur Reformation so nicht möglich gewesen. Luthers Abwendung vom mönchischen Lebenskonzept und der im Ablasshandel gipfelnden Heilsökonomie der Bettelorden lässt sich an keinem anderen Ort so überzeugend darstellen und erleben wie an den authentischen Wirkungsstätten Erfurts.

Historisches Buch mit Abbildungen
Bild: Eintrag Martin Luthers in das Magisterverzeichnis der philosophischen Fakultät, 1505 Bild: © Stadtverwaltung Erfurt / Stadtarchiv

Die Ausstellung zeigt anhand hochwertiger Objekte sowie dezenter Inszenierungen die Wandlungen des Mönchsideals vom Hochmittelalter bis zur Klosterzeit Luthers und die Bedeutung der Bettelorden für die Stadtgesellschaft, Ökonomie und universitäre Bildung Erfurts. Dabei geht es zugleich auch um die von Luthers Klosteraufenthalt angestoßenen Entwicklungen, um die Auflösung der Bettelorden in Erfurt und die Transformation von Klöstern in Pfarrkirchen und Mönchen in Mitbürger. Verdeutlicht wird dies durch Archivalien und Objekte aus Archiven (u. a. Luthers Universitätsmatrikel sowie Bestände und Spolien aus Erfurter Ordensbibliotheken und Kirchen) sowie Leihgaben u. a. aus der Schweiz und aus Österreich. Einen reichen Objektfundus bietet das Stadtmuseum mit seiner Dauerausstellung zur Erfurter Stadt- und Kirchengeschichte, der in die Ausstellung mit einbezogen werden soll.

Eine wiedererkennbare Wegmarke greift die facettenreichen Merkmale der drei Bettelordenskirchen Augustiner, Prediger und Barfüßer im Erfurter Stadtraum auf und verweist auf die erhaltenen authentischen Orte und Stätten der Reformation. Ein flexibles Begleitprogramm, das aktuelle Fragestellungen rund um Armut, Gerechtigkeit und Lebenssinn aufwirft, vertieft die Exposition. Zudem soll im Langhaus der Barfüßerkirche eine begehbare Inszenierung („Jenseitsspiel“) mit theatralen Elementen das Jenseitsmodell der Bettelorden und das daran geknüpfte spätmittelalterliche Konzept der Heiligung durch Leistung und stellvertretende Gaben verständlich machen und einer kritischen Aktualisierung unterziehen.