Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts: Tagung in der Landeshauptstadt

23.05.2014 00:00 – 24.05.2014 23:59

Der Pfeilerbildzyklus des Erfurter Doms ist das bedeutendste aus der Reformationszeit in Erfurt erhaltene Gemäldeensemble, das – v.a. wegen der dargestellten „katholischen“ Themen (Gregorsmesse, Hostienmühle, Himmelfahrt Mariens etc.) und der kontinuierlich-planvollen Entstehung des Zyklus von 1505 bis ca. 1570 – die besondere religiöse und kulturelle Situation von Stadt, Kirche und Universität im 16. Jahrhundert reflektiert: in den Jahren unmittelbar vor der Reformation, während der religiösen Auseinandersetzungen und seit den Maßnahmen für ein geregeltes Neben- und Miteinander der beiden Konfessionen.

Menschengruppe vor Rundbildern des Domes.
In der Kathedralkirche: Tagungsteilnehmer besichtigen die Pfeilerbilder im Katholischen Dom zu Erfurt Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt / Prof. Dr. Kai Uwe Schierz
24.05.2014 23:59

Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts

Genre Veranstaltung
Veranstalter Universität Erfurt (Max-Weber-Kolleg), Angermuseum und Bistum Erfurt
Veranstaltungsort Coelicum, Kulturforum Haus Dacheröden und Lehrgebäude der Universität Erfurt, Domstraße 10, Anger 37, Am Hügel 1, 99089 Erfurt

In der Tagung wird danach gefragt, wie Altgläubige und „Lutherische“ Erfurts in diesen Jahren in Wort und Bild ihre Glaubenspositionen zu verdeutlichen versuchten und welche Rolle Kunst unter den Bedingungen der entstehenden Bikonfessionalität hatte, also auch und gerade nach der Darstellung „verbindender“ Themen.

Neben den historischen Rahmenbedingungen soll es um die Stifter der Pfeilerbilder, größtenteils Kanoniker des Marienstiftes und teils Lehrer an der Universität Martin Luthers, gehen. Kunstgeschichtlich einzigartig ist die konvexe, den Langhauspfeilern angepasste Form des Zyklus. Sowohl die Funktion dieser Bilder, vermutlich Epitaphien, als auch ihre Ikonografie und ihre identifizierbaren Künstler bzw. Werkstätten sind zu studieren.

Da Formen und Stile teils nach Nürnberg, teils nach Sachsen und teils nach Mainz weisen, wird der Zusammenhang der politischen und kulturellen Einflüsse, denen Erfurt ausgesetzt war, diskutiert.

Daneben soll es, schon wegen der lateinischen Inschriften, auch um den Anteil humanistischer Elemente gehen. In Zusammenhang damit werden die Erfurter Druckkultur sowie die überregionale Vernetzung der Gelehrten und der mit ihnen verbundenen Künstler angesprochen. Ziel ist es, anhand des hochbedeutenden, in dieser Hinsicht bislang aber kaum studierten Fallbeispiels Erfurt die Interaktion der Künste mit der politischen und religiösen Geschichte des Zeitraums anschaulich zu machen.

Am Freitag, 23. Mai, findet die Tagung von 9 bis 18 Uhr im Coelicum, Domstraße 10, statt, der Abendvortrag, der in die Lange Nacht der Museen integriert ist, findet im Haus Dacheröden statt. Tagungsort für Samstag, 24. Mai, ist das Lehrgebäude der Uni Erfurt am Hügel 1.

Programm (Stand: 27. März 2014)

23. Mai (Tagungsort: Auditorium Coelicum des Erfurter Doms), 9.00 Uhr Begrüßung durch die Organisatoren

Grußworte

Dr. Reinhard Hauke, Weihbischof im Bistum Erfurt
Tobias J. Knoblich, Kulturdirektor der Landeshauptstadt Erfurt
Prof. Dr. Kai Brodersen, Präsident der Universität Erfurt

Einführend

Sektionsleitung: Karsten Horn (Angermuseum Erfurt)

Dr. Falko Bornschein (Bistum Erfurt):
Die Pfeilerbilder und ihre Stifter im architektonischen und liturgischen Kontext des Erfurter Doms

Prof. Dr. Enno Bünz (Universität Leipzig):
Die Wettiner und Erfurt im 16. Jahrhundert

PD Dr. Christoph Nebgen (Universität Mainz):
Mainz und Erfurt im 16. Jahrhundert

11.00-11.30 Uhr Kaffeepause

Die einzelnen Bilder – Stil und Ikonografie

Sektionsleitung: Prof. Dr. Jochen Sander (Städelsches Kunstinstitut/Goethe-Universität, Frankfurt am Main)

Prof. Dr. Christian Hecht (Universität Erlangen):
Die Gregorsmesse

Dr. Uwe Gast (Corpus Vitrearum, Freiburg):
Stammbaum Marias

13.00-14.00 Uhr Mittagspause

Prof. Dr. Wolfgang Augustyn (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München):
Die Hostienmühle

Dr. des. Johann Schulz (Goethe-Universität, Frankfurt am Main):
Die Marienkrönung

16.00-16.30 Uhr Kaffeepause

PD Dr. Susanne Wegmann (Universität Leipzig):
Die Johannespredigt und der Pfeilerbildzyklus des Erfurter Doms aus lutherischer Sicht

Prof. Dr. Eckhard Leuschner (Universität Erfurt):
Gnadenstuhl/Trinität

19.00 Uhr

Abendvortrag (Ort: Haus Dacheröden)

Prof. Dr. Birgit Emich (Universität Erlangen):
Zwei Wahrheiten in einer Stadt? Erfurt und die Kultur der Bikonfessionalität im 16. Jahrhundert

24. Mai (Tagungsort: Kunstinstitut Am Hügel 1, Hörsaal)

9.00 Uhr

Die Pfeilerbilder – übergreifende Aspekte

Sektionsleitung: Prof. Dr. Eckhard Leuschner (Universität Erfurt)

PD Dr. Rüdiger und Prof. Dr. Sabine Maier (Fachhochschule Erfurt, Fachrichtung Konservierung und Restaurierung):
Befunde zu den Unterzeichnungen der Erfurter Pfeilerbilder

Dr. Frank Matthias Kammel (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg):
Konvexe Bildträger des Spätmittelalters mit besonderer Berücksichtigung Nürnbergs

Prof. Dr. Christiane Andersson (Bucknell University):
Protestantische „Redaktionen“ katholischer Ikonografie (speziell Themen der Pfeilerbilder) in der Druckgrafik des 16. Jahrhunderts

11.00-11.30 Uhr Kaffeepause

Städtische Kultur und Bikonfessionalität: Erfurt im Kontext

Sektionsleitung: Prof. Dr. Kai Uwe Schierz (Kunstmuseen Erfurt)

PD Dr. Andreas Lindner (Universität Erfurt):
Anmerkungen zur Erfurter Reformationsgeschichte - Forschungsstand und Forschungsperspektiven

Prof. Dr. Josef Pilvousek (Universität Erfurt):
Zwischen Kontroverspredigt und Vermittlungstheologie. Der Erfurter Domprediger Konrad Klinge (1483-1556)

13.00-14.00 Uhr Mittagspause

Dr. Rainer Müller (Landesdenkmalamt, Erfurt):
Epitaphien des 16. Jahrhunderts in Erfurt

Thomas Bouillon M.A. (Universitätsbibliothek, Erfurt):
Die Erfurter Universität in der Reformationszeit (mit besonderer Berücksichtigung der Universitätsmatrikel)

15.30-16.00 Uhr Kaffeepause

Dr. Michael Ludscheidt (Evangelisches Ministerium, Erfurt):
Die Erfurter Literatur um 1550 im Zeichen von Humanismus und Konfessionalisierung

Dr. Sebastian Holzbrecher (Universität Erfurt):
Ankunft und frühe Jahre der Jesuiten in Erfurt (einschließlich Hauschronik der Erfurter Jesuiten)