Der Erfurter „Reformationsteppich“ und die Kindersegnung Christi

14.07.2015 19:00 – 14.07.2015 20:00

Vortrag von Dr. Susanne Wegmann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas, im Rahmen der Ausstellung „Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts“.

Jesus (Bildmitte) umarmt nach der biblischen Erzählung der Synoptiker die ihm durch verschiedene Frauen überbrachten Kinder, segnet sie und spricht ihnen das Reich Gottes als Eigentum zu. Um die Szene herum ein Bildrahmen mit Symbolen und Personen.
Mitteldeutsche Werkstatt nach Kupferstich von Georg Pencz (ca. 1500-1550): Kindersegnung, Mitte 16. Jahrhundert, Bildteppich, Seide, Wolle, 117,5 x 176,5 cm Bild: © Caritas Kinder- und Jugendheim St. Vincenz, Erfurt. Leihgabe Katholischer Dom St. Marien, Erfurt
14.07.2015 20:00

Der Erfurter „Reformationsteppich“ und die Kindersegnung Christi

Genre Veranstaltung
Veranstalter Angermuseum – Kunstmuseum der Landeshauptstadt Erfurt
Veranstaltungsort Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag von 10-18 Uhr
am ersten Dienstag im Monat ist der Eintritt frei

Eintritt:
Erwachsene: 6,00 €
Ermäßigte: 4,00 €

Führungen:
angemeldete Führungen bis 60 min: 40,00 zzgl. Eintritt
angemeldete Führungen bis 90 min: 60,00 zzgl. Eintritt

„Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes": Wertvolle Tapisserie aus dem 16. Jahrhundert stellt biblische Erzählung dar

Schatz der Erfurter Kunstgeschichte

Der Erfurter „Reformationsteppich“ gehört zweifellos zu den bislang kaum beachteten Schätzen der Erfurter Kunstgeschichte des 16. Jahrhunderts. Der Vortrag wird die aus dem Erfurter Dom stammende, wertvolle Tapisserie aus Wolle und Seide erstmals näher vorstellen. Sie entstand Mitte des 16. Jahrhunderts vermutlich in einer Teppichwirkerei in Mitteldeutschland, die häufig ausgewanderte und von Fürsten und finanzkräftigen Städten angeworbene flämische Bildwirker betrieben.

Flämische Einflüsse sind in der Ausführung erkennbar, doch das Bildthema wurde vor allem durch die Cranach-Werkstatt in lutherischen Zusammenhängen populär. Nur wenige dezidiert reformatorische Bildthemen sind auf Tapisserien erhalten.

Kupferstecher Pencz lieferte das Vorbild

Die Kindersegnung kann jedoch auf mehreren Wirkereien des 16. Jahrhunderts nachgewiesen werden. Dabei lieferte erstaunlicherweise nicht die Cranach-Werkstatt das Vorbild für die Ikonographie, sondern der Nürnberger Maler und Kupferstecher Georg Pencz. So wird einerseits die Entwicklung der frühneuzeitlichen Teppichmanufakturen in Mitteldeutschland Thema des Vortrags sein, andererseits aber auch die vermeintlich lutherisch geprägte Ikonographie der Kindersegnung Christi thematisiert werden.