Wer war Stephaton? Zur Deutung der Kreuzigungstafel im Dom zu Erfurt

08.09.2015 19:00 – 08.09.2015 20:00

Vortrag von Dr. Verena Friedrich, Kunsthistorikerin am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Würzburg, im Rahmen der Ausstellung "Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts".

Der gekreuzigte Jesus Christus mit Heiligenschein, links die Gottesgebärerin Maria, die anderen Frauen und (vermutlich) der Lieblingsjünger, rechts sieben weitere Männer. Unter dem Kreuz mit der angebrachten Tafel "INRI" (Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum - Jesus von Nazaret, König der Juden) drei Personen knieend.
Kreuzigung: Pfeilerbild im Hohen Dom zu Erfurt St. Marien, Kathedralkirche des Bistums Erfurt, um1520 Bild: © Bistum Erfurt, Foto: Falko Behr
08.09.2015 20:00

Wer war Stephaton? Zur Deutung der Kreuzigungstafel im Dom zu Erfurt

Genre Veranstaltung
Veranstalter Angermuseum – Kunstmuseum der Landeshauptstadt Erfurt
Veranstaltungsort Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag von 10-18 Uhr
am ersten Dienstag im Monat ist der Eintritt frei

Eintritt:
Erwachsene: 6,00 €
Ermäßigte: 4,00 €

Führungen:
angemeldete Führungen bis 60 min: 40,00 zzgl. Eintritt
angemeldete Führungen bis 90 min: 60,00 zzgl. Eintritt

Nie jedoch wurde der sogenannte "Schwammträger" in so bildbeherrschender Weise, wie auf der Erfurter Tafel dargestellt

Eigentümlichkeiten bei der Bildfindung

Die Kreuzigungstafel des Pfeilerbilderzyklusses im Mariendom zu Erfurt weist in der Bilderfindung gleich mehrere Eigentümlichkeiten auf. Völlig von der bisherigen Darstellungstradition abweichend, ist jedoch die Bildpräsenz des Schwammträgers, der als ein gewisser „Stephaton“ überliefert ist. Er soll dem dürstenden Christus am Kreuz einen aufgespießten Schwamm mit Essigwasser gereicht haben. Im Evangelium nach Johannes wird dies noch präzisiert, indem es sich bei dem Stab um einen Ysopzweig gehandelt haben soll.

Noch während der Kreuzigung soll sich Stephaton zu Jesus bekannt haben

Als Zeuge des Kreuzigung und als aktiver Teilnehmer am Geschehen ist Stephaton schon früh in der bildenden Kunst bei Kreuzigungsdarstellungen verbildlicht worden, zumeist jedoch als Pendant zur wesentlich bekannteren Figur des Hauptmanns Longinus. Nie jedoch wurde der Schwammträger in so bildbeherrschender Weise, wie auf der Erfurter Tafel geschildert. Dies gibt Anlass, sich näher mit diesem römischen Schergen zu beschäftigen, der sich – wie Longinus auch – noch während der Kreuzigung zu Christus bekannt haben soll.