Weltkongress der International Association for the History of Religions

23.08.2015 09:00 – 29.08.2015 10:30

Der alle fünf Jahre organisierte Weltkongress der International Association for the History of Religions (IAHR) wird vom 23. bis 29. August 2015 an der Universität Erfurt stattfinden. Gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW) organisiert die Hochschule dieses Ereignis, zu dem rund 1.200 Teilnehmer aus aller Welt erwartet werden. Der Kongress steht unter dem Motto „Dynamics of Religion: Past and Present“.

blauer Text auf grauer Silhouette Dom-Ensemble
Logo 21. IAHR Weltkongress Erfurt 2015 Grafik: © IAHR
29.08.2015 10:30

Weltkongress der International Association for the History of Religions

Genre Veranstaltung
Veranstalter Universität Erfurt
Veranstaltungsort Universität Erfurt, Nordhäuser Straße 63, 99089 Erfurt

Einleitung

Die rund 1.200 Teilnehmer des Weltkongresses der International Association for the History of Religions sind herzlich eingeladen, die derzeitig im Angermuseum, dem Kunstmuseum der Landeshauptstadt Erfurt, laufende Ausstellung "Kontroverse und Kompromiss - Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts" anzusehen.

Spezielle Führungsangebote gibt es an folgenden Tagen:

  • Dienstag, 25. August, 11:30 Uhr bis 12:30 Uhr, deutschsprachig
  • Mittwoch, 26. August, 11:30 Uhr bis 12:30 Uhr, deutschsprachig mit Dolmetscher, englischsprachig
  • Donnerstag, 27. August, 11:30 Uhr bis 12:30 Uhr, deutschsprachig.

Kontroverse und Kompromiss - Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts

Ausstellung des Erfurter Angermuseums in Kooperation mit dem Dom St. Marien und der Kaufmannskirche St. Gregor vom 27. Juni bis 20. September 2015

Die Pfeilerbilder

Die acht konvexen Pfeilerbilder im Erfurter Dom St. Marien sind das bedeutendste Ensemble von Tafelgemälden der Reformationszeit, das sich in der Stadt erhalten hat. Als einheitlicher Zyklus von Epitaph-Bildern auf gekrümmtem Holz sind sie deutschlandweit einzigartig. Sie entstanden zwischen 1505 und ca. 1570, also in den Jahren zwischen Luthers Studienzeit in Erfurt und der Ankunft der Jesuiten in der Stadt, und sie zeigen überwiegend Themen, die nicht erst heute als dezidiert katholisch angesehen werden: Himmelfahrt Mariens, Gregorsmesse, Hostienmühle etc. Es liegt nahe, in diesen Bildern Positionsbestimmungen und Bekenntnisse ihrer Stifter, meist Mitglieder des Chorherrenstifts St. Marien und Professoren der Universität Erfurt, im Rahmen der beginnenden Konfessionalisierung zu sehen.

Erfurt im Zeitalter der Reformation

Die Gruppe der Pfeilerbilder ist ein wichtiges Zeugnis für die künstlerischen und kulturellen Auswirkungen der Machtkämpfe zwischen der römisch-katholischen Geistlichkeit und der lutherisch-protestantischen Bewegung im Erfurt der Frühen Neuzeit, aber auch jener zwischen prosächsischen und promainzischen Kräften. In den Pfeilerbildern spiegelt sich die komplizierte Lebenspraxis einer bikonfessionellen Stadt im 16. Jahrhundert, in der plötzlich zwei Wahrheiten nebeneinander existierten. Die Bilder bringen verschiedene Aspekte des Neben-, Gegen- und Miteinanders der beiden christlichen Konfessionen in den Jahrzehnten nach Luthers Thesenanschlag zur Sprache. Erfurt war die wohl erste Stadt im Reich überhaupt, in der das Zusammenleben zweier Konfessionen juristisch geregelt und festgeschrieben wurde (Hammelburger Vertrag von 1530).

Schnittpunkt verschiedener Stiltendenzen

Kunsthistorisch sind die Tafeln u.a. deshalb von Interesse, weil sich in ihnen Erfurt als Schnittpunkt verschiedener Stiltendenzen der Zeit zeigt. So gibt es Spuren der Cranach-Werkstatt (Sachsen) und des Kreises um Albrecht Dürer (Franken, Meister der Crispinus-Legende); der auf einem Rahmen genannte Peter von Mainz, wohl der Maler des zugehörigen Bildes, verweist zudem auf den Mittelrhein. Mit diesen drei Kunstregionen sind zugleich die damals wichtigsten politisch-geographischen Bezüge der Stadt benannt.

Wissenschaftlicher Katalog und Ausstellung

Zur Vorbereitung der Schau fand im Mai 2014 in Erfurt eine internationale Tagung statt, deren Ergebnisse direkt in die Aufsätze bzw. Katalogexte der ausstellungsbegleitenden Publikation einmündeten – eine Buchveröffentlichung auf der Höhe der kunsthistorischen und historischen Forschung, die im engeren und weiteren – kulturgeschichtlichen – Bezug zu den Pfeilerbildern des Erfurter Doms steht. Die Pfeilerbilder bleiben auch während der Ausstellung an ihrem Ort im Erfurter Mariendom und sind dort Teil und eigentliches Zentrum der Veranstaltung. Ihrer Kontextualisierung dienen die Ausstellung im Angermuseum sowie – als dritter Standort und Beispiel für die Konstituierung einer konfessionalisierten Erfurter Sakraltopographie im 16. Jahrhundert – die protestantisch geprägte Kaufmannskirche. Das bis heute dort erhaltene Ensemble von Kanzel, Altarretabel und Taufstein, geschaffen von der Bildhauerfamilie Friedemann im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert, kann als ein reformatorischer Spannungspol zur Ausstattung des Erfurter Doms erlebt werden. Ausgewählte Tafelbilder, Drucke, Bücher und Objekte aus der Liturgie verdeutlichen in der Ausstellung die gegensätzlichen Anschauungen und Praktiken der beiden Konfessionen. Darunter die erst kürzlich restaurierten Bildtafeln eines Altars zur Legende der Hl. Barbara aus der Cranach-Werkstatt, die zeigen, dass die Künstler des 16. Jahrhunderts für die Auftraggeber beider Konfessionen tätig wurden.

Katalog zur Ausstellung

Kontroverse und Kompromiss – Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts, Hg. Eckhard Leuschner, Falko Bornschein, Kai Uwe Schierz, Sandstein Verlag, Dresden 2015, ISBN 978-3-95498-176-2, Preis im Museum 29,90 €

Angermuseum Erfurt, Kunstmuseum der Landeshauptstadt

Anger 18
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Di – So 10 – 18 Uhr

Dom St. Marien

Domstufen 1
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Mo. – Sa. 09:30 – 18:00 Uhr
So. u. feiertags 13:00 – 18:00 Uhr

Kaufmannskirche St. Gregor

Anger 80
99084 Erfurt

Öffnungszeiten
Montag – Mittwoch 11 – 14 Uhr
Donnerstag-Samstag 11 – 17 Uhr

Controversy and Compromise – The Pillar Paintings of St. Mary’s Cathedral and the Culture of Dual Denominations in 16th-Century Erfurt

Exhibition at the Erfurt Angermuseum in cooperation with St. Mary’s Cathedral and the Merchants’ Church of St. Gregory

27 June – 20 September

The Pillar Paintings

The eight convex pillar paintings in St. Mary’s Cathedral comprise the most significant ensemble of panel paintings of the Reformation period which have remained in Erfurt to this day. The cycle of epitaphs on curved wooden panels is unlike any other in Germany. Painted between 1505 and ca. 1570, i.e. in the years Luther studied in Erfurt and the Jesuits arrived in the city, the panels primarily depict subjects which are not regarded as purely Catholic today: the Assumption of St. Mary, the Mass of St. Gregory, the host-mill etc. These images clearly portray the positions and confessions of their patrons, most of whom were members of St. Mary’s monastery and professors of the University of Erfurt at a time of burgeoning Protestantism.

Erfurt in the Age of the Reformation

The ensemble of pillar paintings serves as an important document, reflecting the artistic and cultural repercussions of the power struggle between the Roman Catholic clergy and the Protestant Lutheran movement in Erfurt in early modernity, as well as that between the pro-Saxon and pro-Mainz factions. The pillar paintings also shed light on the complex circumstances of living in 16th-century Erfurt, a city with dual denominations where two truths suddenly existed side by side. The paintings express various aspects of coexistence, conflict and cooperation between both Christian denominations in the decades after Luther posted his famous 95 theses. Erfurt was possibly the first city in the entire empire, in which the coexistence of both denominations was regulated and defined by law (Treaty of Hammelburg of 1530).

Juncture of Various Stylistic Tendencies

From an art-historical point of view, the panels are intriguing as they portray Erfurt at a juncture of various stylistic tendencies of the time. The painting contain elements which can be traced to the Cranach workshop (Saxony) and the circle of painters associated with Albrecht Dürer (Franconia, master of the Legend of St. Crispin), while the reference to “Peter von Mainz” on one of the frames, most likely the painter of the respective panel, originates from the central Rhine region. The references to these three artistic regions represent Erfurt’s most important political-geographic ties of that period.

Scientific Catalogue and Exhibition

An international conference was held in Erfurt in May 2014 as a lead-up to the exhibition. The results of the conference were incorporated into an exhibition catalogue of essays and related texts – a publication which presents the latest historical and art-historical research findings related to the cultural-historical context of the pillar paintings in the Erfurt cathedral. The pillar paintings are displayed at their original location in St. Mary’s Cathedral in Erfurt for the duration of the exhibition and represent both a part and central component of the event. In addition to the exhibition at the Angermuseum, a third venue, the Protestant Merchants’ Church provides an example of the denominational topography in Erfurt in the 16th century and serves to contextualise the paintings. The preserved ensemble of the chancel, altar retable and baptismal font, created by the Friedemann family of sculptors in the late 16th and early 17th century, can be seen as the reformatory answer to the furnishings of the Erfurt cathedral. Selected panel paintings, prints, books and liturgical items in the exhibition illustrate the oppositional views and practices of both denominations. These include the recently restored panels of an altar devoted to the legend of St. Barbara painted by the Cranach workshop, which reveals that artists of the 16th century occasionally accepted commissions from patrons of both denominations.

Exhibition catalogue

Controversy and Compromise – The Pillar Paintings of St. Mary’s Cathedral and the Culture of Dual Denominations in 16th-Century Erfurt, Eckhard Leuschner, Falko Bornschein, Kai Uwe Schierz (eds.), Sandstein Verlag, Dresden 2015, ISBN 978-3-95498-176-2, museum price: € 29.90

Angermuseum Erfurt, Kunstmuseum der Landeshauptstadt

Anger 18
99084 Erfurt

Opening hours:
Tue – Sun │ 10 am – 6 pm

St. Mary’s Cathedral

Domstufen 1
99084 Erfurt

Opening hours:
Mon – Sat │ 9:30 am – 6 pm
Sun and holidays │ 1 pm – 6 pm

Merchants’ Church of St. Gregory

Anger 80
99084 Erfurt

Opening hours:
Mon - Wed │ 11 am – 2 pm
Thu – Sat │ 11 am – 5 pm