Mittelalterliche Pilgerzeichen in Thüringen: Profunder Kenner der Europäischen Pilgerwege spricht im Stadtmuseum

03.03.2016 19:00 – 03.03.2016 20:00

Wo sich heute die Wohnscheibe von der Krämpferstraße entlang des Juri-Gagarin-Ringes erstreckt, befand sich einst das Kleine Hospital mit einer Herberge, die von den Tuchhändlern Conrad von Duderstadt und Siegfried von Leubingen bereits 1410 erbaut wurde. Heute noch kündet von dieser Einrichtung das im Stadtmuseum befindliche Epitaph der beiden Stifter, die mit ihren Wappen unter der Kreuzigungsgruppe zu sehen sind. Denn Erfurt, am Schnittpunkt wichtiger Handelswege gelegen, war nicht nur Anziehungspunkt für Reisende, wie Kaufleute und Soldaten, auch Pilger und Wallfahrer nahmen hier Quartier, die Reliquien der beiden heiligen Bischöfe Eoban und Adolar, Gefährten des Bonifatius, galten als bedeutendes Pilgerziel im Thüringer Land.

Bruchstück eines Pilgerzeichens
Christophorus mit dem Jesuskind: Pilgerzeichen aus dem 14. Jh. Foto: © Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar / Hauke Arnold
03.03.2016 20:00

Mittelalterliche Pilgerzeichen in Thüringen

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtmuseum
Veranstaltungsort Stadtmuseum im "Haus zum Stockfisch", Johannesstraße 169, 99084 Erfurt

Erfurt galt als bedeutendes Pilgerziel im Thüringer Land

Historischer Grabstein.
Foto: Epitaph für Conrad von Duderstadt und Siegfried von Leubingen, um 1430 Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Im Kleinen Hospital fanden die Wallfahrer im Mittelalter freie Unterkunft und Verpflegung.

Obwohl Tausende von ihnen durch Erfurt zogen, fand sich bisher im archäologischen Fundmaterial kein einziges sogenanntes  Pilgerzeichen, kleine Plaketten aus Blei, die am Hut oder der Kleidung getragen wurden. Ihre Entstehung resultiert aus dem Bedürfnis der Pilger, eine Erinnerung an diese Reise mitzunehmen. Seit dem 12. Jh. wurden sie an den Wallfahrtsorten verkauft, die meisten im 15./16. Jh.

Letztes Jahr konnte auf dem Gelände der alten Druckerei Fortschritt, zwischen der  Johannesstraße und dem Juri-Gagarin-Ring,  erstmals auch in der Landeshauptstadt ein solches Pilgerzeichen geborgen werden. Es stellt den Schutzheiligen Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter dar. Zu sehen ist das Pilgerzeichen ab 3. März als "Fund des Monats" in der archäologischen Sonderausstellung "Gefundene Geschichten. Neues aus dem Erfurter Untergrund."

Was es mit diesen mittelalterlichen "Souvenirs" auf sich hat, dazu wird Dr. Hartmut Kühne, einer der profundesten Kenner dieser geschichtsträchtigen Abzeichen und der europäischen Pilgerwege, am 3. März 2016, 19:00 Uhr im Stadtmuseum in der Johannesstraße 169, in seinen Ausführungen über "Mittelalterliche Pilgerzeichen in Thüringen"  berichten.