Zwei Räume für sich allein – und von Paul Schultze-Naumburg

09.10.2016 16:00 – 09.10.2016 17:00

Vortrag von Dr. Ralf-Peter Pinkwart, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

Grün-blau gestalteter Gewölberaum mit blauer Couch.
Ruhenische Maria von Gneisenaus auf Schloss Molsdorf, um 1910. Ausführung / Design: Paul Schultze-Naumburg und Saalecker Werkstätten Foto: © Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, © Bildarchiv Foto Marburg
09.10.2016 17:00

Zwei Räume für sich allein – und von Paul Schultze-Naumburg

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt
Veranstaltungsort Schlossmuseum Molsdorf, Schloßplatz 6, 99094 Erfurt-Molsdorf

Weitere Informationen

Di – So 10 – 18 Uhr, Pfingsten Sa – Mo 10 – 18 Uhr
Eintritt: Erwachsener 6 €, ermäßigt 4 €, Gruppe (ab 10 Personen) 3 € pro Person

Ein konservativer Architekt des frühen 20. Jahrhunderts

Jugendstil-Bad.
Foto: Marmorbad der Gräfin Maria von Gneisenau auf Schloss Molsdorf, um 1910 Ausführung / Design: Paul Schultze-Naumburg und Saalecker Werkstätten Foto: © Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Foto: Constantin Beyer

Der in kulturvollen bürgerlichen Verhältnissen seiner Heimatstadt Naumburg aufgewachsene und in Karlsruhe studierte Maler Paul Schultze-Naumburg wurde vor allem durch Rezensionen, Kritiken und kulturkritische Aufsätze bekannt. Besondere Berühmtheit erlangten seine sog. „Kulturarbeiten“, die er seit der Jahrhundertwende in der Zeitschrift „Der Kunstwart“ veröffentlichte und später als Buchreihe herausgab. Er wandte sich darin gegen die Historismen des ausgehenden 19. Jh. und verlangte eine Reform der Architektur und Alltagskultur, die an den seiner Meinung nach verschütteten Traditionen der Zeit um 1800 wieder anknüpfen sollten. Als autodidaktischer Architekt gründete er das Architekturbüro „Saalecker Werkstätten“, mit dem er sehr erfolgreich nach seinen Grundsätzen baute. Bevorzugt entwarf er traditionell gestaltete bürgerliche Wohnhäuser und Schlossanlagen, zumeist für betuchtere Auftraggeber. In den zwanziger Jahren wandte er sich gegen die aufkommende Moderne und trat dabei als einer ihrer konsequentesten Gegner in Erscheinung. Infolge seiner völkisch-rassistischen Überzeugungen wurde er zum kulturellen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Der Vortrag will den Konservatismus dieses Mannes in seiner Persönlichkeit, seiner Überzeugung und seinem baulichen Werk darstellen. Da auch zwei Raumgestaltungen für die Gräfin Gneisenau in Schloss Molsdorf auf ihn zurückgehen, sollen diese als Anteile seines Werkes gewürdigt werden.

Dr. Ralf-Peter Pinkwart,  Jahrgang 1961, Architekturstudium in Weimar von 1981 bis 1986, Vertiefung im Fachbereich Denkmalpflege, Abschluss als Dipl.-Ing. Architekt, im Anschluss Forschungsstudium 1986-90 über das bauliche Werk des Architekten Paul Schultze-Naumburg an der Martin-Luther-Universität Halle / Fachbereich Kunstgeschichte mit Promotion zum Dr. phil., 1991, 1991-93 Mitarbeiter im Denkmalschutzamt der Stadt Dresden, 1993-99 Vorbereitung, Planung und Bauüberwachung verschiedener Instandsetzungs- und Umbauarbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden als selbständiger Architekt, seit 1997 Gebietsreferent im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Bearbeitungsgebiete: Sächsische Schweiz, Osterzgebirge und Westlausitz), zudem Mitglied im bundesweiten Arbeitskreis Bautechnik der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) und Prüfer bei EIPOS Dresden für die Fortbildungskurse "Energieberater für das Baudenkmal", Vorträge und Publikationen, v. a. über betreute Denkmalsanierungen, die energiewirtschaftliche Ertüchtigung von Baudenkmalen und Solartechnik auf denkmalgeschützten Anlagen.