Wie klingt Heimat? Konzert mit Geflüchteten und Einheimischen

26.05.2016 19:00 – 26.05.2016 20:00

20 Menschen aus 10 Ländern erzählen von Zuhause. Musikalisch, persönlich und ziemlich bunt: eine Melodie aus Kindertagen, das Rattern der mütterlichen Nähmaschine, ein Volkstanz von Bach oder das Prellen eines Lederballs auf Sand – diese und andere Klänge werden live im Kubus der Gedenkstätte Andreasstraße zu hören sein. Dazu gibt es kurze Video-Einspieler, in denen die Mitwirkenden sich und ihre Beiträge vorstellen. Den abwechslungsreichen Abend beschließt die beflügelnde Performance „Shifting Trees“, in der sich klingende Erinnerungen mischen und neu zusammensetzen.

26.05.2016 20:00

Wie klingt Heimat? Konzert mit Geflüchteten und Einheimischen

Genre Veranstaltung
Veranstalter Gedenk-­‐ und Bildungsstätte Andreasstraße
Veranstaltungsort Gedenk-­‐ und Bildungsstätte Andreasstraße, Bühne im Kubus, Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt

Unter der Schirmherrschaft von Dieter Lauinger, Thüringer Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz

Wer sind die Mitwirkenden?

Musikalische Profis und Laien von Bagdad bis Berlin beantworten auf der Bühne die Frage: „Wie klingt Heimat?“ Mit dabei sind namhafte Künstlerinnen und Künstler wie der deutsch-iranische Tombak-Spieler Reza Mohammad Mortazavi (Berlin) und die Konzertmeisterin des Ensemble Resonanz und Violonistin der musikFabrik Juditha Haeberlin (Hamburg). Während Mortazavi mitreißende Klangvariationen auf der Kelchtrommel spielt, interpretiert Haeberlin die Chaconne von J.S. Bach aus der d-moll Partita Nr. 2 auf eigene Weise.

Weitere Mitwirkende, die dem Sound der Heimat auf der Spur sind: Die aus Syrien geflohene 17-jährige Ranim Alhaj singt ein Lied über den Verlust des Friedens in ihrem Land, der aus dem Irak geflohene Sadiq Ahmed Abdulraham interpretiert einen arabischen Popsong, Norico Kimura (Weimar) singt ein japanisches Wiegenlied, der aus dem Vogtland stammende Frieder Gauer ahmt mit seiner Piccoloflöte Vogelstimmen aus dem Thüringer Wald nach, die ungarische Akkordeonistin Szilvia Csaranko spielt Bartok, die Formation Kaitersberger Felsgesang (Kötzting) singt Volksweisen aus dem Bayerischen Wald, der aus dem Irak geflohene Hersh Solieman spielt ein ein kurdisches Volkslied und das Ensemble für nicht gekonnte Musik (Köln) dekonstruiert Heimatklischees.

An wen richtet sich die Veranstaltung?

An alle, die neugierig auf andere Menschen und klingende Geschichten sind!

Was hat der Abend mit den Menschen zu tun?

Seit Jahrtausenden sehen sich Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um ein selbstbestimmtes, angstfreies Leben führen zu können. Vor 75 Jahren waren es Deutsche, die vor Krieg und Verfolgung flohen. Heute suchen Menschen aus Syrien und anderswo ihr Glück in Europa. Was ihnen bleibt, sind Erinnerungen: furchtbare und traumatisierende, aber auch schöne und nostalgische.

Wie wird die musikalische Qualität des Projekts gewährleistet?

Die musizierenden Flüchtlinge werden von unserem Projektpartner, der Other Music Academy (Weimar), in mehreren Workshops auf das Konzert vorbereitet. Workshop-Leiter ist der Geiger und Coach Johannes Gräßer (Erfurt).

Was ist das Innovative an dem Projekt?

Mehrere Darbietungen des Abends erklingen erstmals vor Publikum. Exklusiv sind neben den Stücken, die in den Workshops entstehen, auch die im zweiten Teil des Abends erklingenden „Shifting Trees“. Dies ist der Titel der Performance, die der Komponist und Professor für Musikvermittlung Johannes Voit (Karlsruhe) zum Schluss inszeniert.

Worum geht es in der Abschluss-Performance „Shifting Trees“?

„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, sagt der Volksmund.  „Shifting Trees“ spürt, inspiriert von John Cage, klanglichen Konzepten von Heimat nach. Musiker mit und ohne Einwanderungsgeschichte präsentieren Fundstücke unter zehn wechselweise leuchtenden Stehlampen. So entsteht ein Kaleidoskop der Erinnerungen, das die Vielgestaltigkeit des Begriffs Heimat sicht-, hör- und spürbar werden lässt.

Worin besteht die Idee des Konzerts?

Einander zuhören, Erfahrungen teilen, kulturelle Entdeckungen machen, darum geht es bei „Wie klingt Heimat?“. Schöner Nebeneffekt: Musikalische Horizonterweiterung kann helfen, Klischees zu überwinden und Vorurteile abzubauen. Derzeit ist in Deutschland viel die Rede von Integration. Sie kann nur gelingen, wenn wir uns gegenseitig kennenlernen. Wir wollen einen Anfang machen und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen.

Welche Partner sind beteiligt?

Neben der Stiftung Ettersberg und der Other Music Academy unterstützen das Projekt: das Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Stadt Erfurt, die Offene Arbeit Erfurt, das Theater Erfurt, Joachim Köhler Mediadesign, Radio Frei sowie J & M Musikland Erfurt.