Gesellschaft in Schnappatmung: Gespräch mit der Künstlerin Ulrike Theusner und Prof. Dr. Kai Uwe Schierz

13.12.2016 18:00 – 13.12.2016 19:00

Künstlergespräch und Abendführung in der Ausstellung "The Gasping Society- Ulrike Theusner. Zeichnungen und Druckgrafik" mit der Künstlerin Ulrike Theusner und Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor der Kunstmuseen Erfurt.

Frau in Galerie.
Ulrike Theusner in der Ausstellung im Grafikkabinett vor ihrem Werk " Alexanderplatz" aus der Serie: The Gasping Society, 2016 Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban
13.12.2016 19:00

Gespräch und Führung mit der Künstlerin Ulrike Theusner und Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor der Kunstmuseen

Genre Veranstaltung
Veranstalter Angermuseum – Kunstmuseum der Landeshauptstadt Erfurt
Veranstaltungsort Angermuseum, Grafikkabinett, Anger 18, 99084 Erfurt

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Die Beziehungslosigkeit der Menschen untereinander ist das zentrale Motiv der Serie

Ulrike Theusner (*1982) zeichnet das Bild einer "Gesellschaft in Schnappatmung" (gasping society) – man will hoch hinaus und weit weg, und bewegt sich doch nicht von der Stelle. In den Werken der Serie "Gasping Society" (2015/16) – sie umfasst insgesamt 96 Tuschezeichnungen und 16 kolorierte Kaltnadelradierungen – spiegelt sich das Bild einer Gesellschaft, die aus der Balance zu sein scheint. Woran mag es liegen, dass Wohlbefinden immer auch Unwohlsein mit sich bringt?

Ulrike Theusner über die Serie "Gasping Society": "Die Beziehungslosigkeit der Menschen untereinander ist das zentrale Motiv der Serie: selbst in sich gefangen und unfähig zu lieben, krümmt und verrenkt sich der Gnom in seinem Wunsch nach echter Zuwendung und Verständnis. Eros reißt Herzen in kleine Stücke. Ein Mädchen im unablässigen Selbstoptimierungs-Wahn übt stundenlang die perfekte Pose für Instagram. Leere Augen erblicken die eigene Verlorenheit. Die Nächte bleiben beziehungslos wie das Licht der Straßenleuchten... In ständigen Widersprüchen zwischen generierten Bedürfnissen und wahrer Dringlichkeit, Leistungsdruck und Antriebslosigkeit, Freiheits- und Sicherheitsstreben, Überinformation und Unwissen, Lust und Unlust bauen sich unaufhaltsam Spannungen auf."

Prof. Dr. Kai Uwe Schierz über Ulrike Theusner:

"Ulrike Theusner besitzt eine ungewöhnliche Begabung für die Kunst des Zeichnens. Die Fähigkeit einer starken zeichnerischen Auffassungsgabe ist in ihren Arbeiten gekoppelt mit einer ebenso starken Einbildungsgabe. Das Gesehene wird scheinbar mühelos in grafische Spuren übersetzt, die einen hohen Wiedererkennungs- und Identifikationswert haben. Zugleich gehen die Anteile des "Studiums", also die Verarbeitung des jeweils Gesehenen, unterschiedslos in die Anteile des "Ingeniums" über, die als Früchte der Einbildungs- bzw. der bildnerischen Erfindungsgabe dem "Studium" erst die richtige Würze geben. Und noch ein drittes Moment kommt hinzu: Die grafischen oder malerischen Spuren weisen einen hohen Grad an Selbstbezüglichkeit auf, sie wirken in einem Maße formbildend, dass ich mich der Faszination ihrer Form kaum entziehen kann. In diesem Sinne erscheint alles "Studium" mit einer ästhetischen Souveränität erfasst, die mich durchaus an die Klassiker der psychologisierenden Zeichnung denken lässt, die Künstler der Renaissance und des Barock."