Abendmahl – „abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe“

09.09.2017 20:15 – 09.09.2017 21:00

Anlässlich des Reformationsjubiläums füllt im September 2017 eine 42 Meter lange, von 95 Stühlen umrahmte Tafel plötzlich die Marktplätze in Leipzig, Erfurt und Wittenberg. Die gewaltige Installation ist Teil des transmedialen Kunstwerkes "ABENDMAHL – abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe" des Komponisten und Medienkünstlers Thomas Christoph Heyde.

Visualisierung des trimedialen Großereignisses Abendmahl – „abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe“ vor den Erfurter Domstufen
Visualisierung des trimedialen Großereignisses vor den Erfurter Domstufen Foto: © LUMALENSCAPE GmbH und FZML e. V.
09.09.2017 21:00

Abendmahl – „abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe“

Genre Veranstaltung
Veranstalter LUMALENSCAPE GmbH, Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig e. V. (FZML)
Veranstaltungsort Domplatz, Domplatz, 99084 Erfurt

An drei Abenden wird die Tafel zum Spielort eines der komplexesten Werke der Gegenwart: 95 Sängerinnen und Sänger verteilen sich auf den spektakulär designten Sitzplätzen und bringen in einem öffentlichen Konzert den lateinischen Originaltext der 95 Thesen von Martin Luther sowie eine Neuinterpretation des »Vaterunser« zur Uraufführung. Über den Köpfen der Akteure sind große und weithin sichtbare Videoleinwände installiert, die von auf dem Tisch fahrenden Kameras gespeist werden. Die Aufführungen werden so zu einem musikalischen, filmischen und szenischen Gesamtkunstwerk, welches seinen Platz als vitaler und streitbarer Beitrag zum Jubiläum »500 Jahre Reformation« einnimmt.

Kunstinstallation
Bild: Abendmahl – „abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe“ Bild: © LUMALENSCAPE GmbH und FZML e. V.

Das Projekt des Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig [FZML] e. V und der Filmproduktion LUMALENSCAPE vereint nicht nur verschiedene Chöre, Ensembles und Solisten miteinander, es schafft vor allem einen sinnlichen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Termine

Marktplatz Leipzig [Eintritt: frei]

Konzert           02. September 2017 | 20:15 Uhr [Premiere]
Installation            02. – 05. September

Domplatz Erfurt [Eintritt: frei]

Konzert           09. September 2017 | 20:15 Uhr
Installation            05. – 13. September

Marktplatz Lutherstadt Wittenberg [Eintritt: frei]

Konzert           16. September 2017 | 20:15 Uhr
Installation            15. – 21. September

Die Projektbeschreibung

Materielle Grundlage der intermedialen Konzertinstallation »Abendmahl« ist eine gewaltige Tafel von 42 Metern Länge. Umrahmt von 95 Holzstühlen, die aus über 10 Tonnen Holz, Acrylglas, Stahl, Teerfarbe und über 100.000 weißen Federn gefertigt wurden, verweist das Gesamtobjekt in seiner ebenso eindrücklichen wie eigenwilligen Erscheinung auch auf die historischen Folgen der Reformation.

Die Tafel tritt als Gesamtobjekt zentral auf dem Marktplatz in Leipzig, dem Domplatz in Erfurt sowie dem Marktplatz in der Lutherstadt Wittenberg in Erscheinung und ist sowohl vor als auch nach der konzertanten Aufführung lebendiger Nutz- und Begegnungsort für Besucher//-innen und Bewohner//-innen der drei Städte.

Die andere und weitaus spektakuläre Bestimmung des Gesamtobjekts wird allerdings erst mit der intermedialen Konzertinstallation sichtbar, die an drei aufeinander folgenden Samstagen in Leipzig (02.09.), Erfurt (09.09.) und Lutherstadt Wittenberg (16.09.) stattfindet. Hierfür nehmen 95 Sänger/-innen an der Tafel Platz und bringen eine ebenso eindringliche wie spektakuläre etwa 35-minütige transmediale Komposition des Komponisten und Medienkünstlers Thomas Christoph Heyde zur Uraufführung.

Im Tisch sind Schienensysteme integriert, auf denen vier fahrbare Spezialkameras die Gesichter der Sänger/-innen abfilmen. Deren Bilder werden auf vier durchsichtigen, über der Tafel hängenden Videoleinwänden wiedergeben. Die Fahrt der Kameras sowie deren museal anmutende Darstellung sind als ein mit der Musik synchronisierter und auskomponierter Prozess angelegt. Das künstlerische Ensemble führt dabei eine ausgefeilte Bewegungschoreografie mit über 400 verschiedenen Gesten aus.

Das Werk

Das Werk von Thomas Christoph Heyde basiert auf einem komplexen System, das musikalische Prozesse paritätisch mit Objektdesign, Textinterpretation, Kameraführung zu einem komponierten Ganzen verschmilzt.

Die Komposition

ABENDMAHL ist zweigeteilt. Im ersten Teil löst Heyde die 95 Thesen von Luther in 430 Gesten auf, die die Mitwirkenden choreografiert wiedergeben. Die ‚Thesen’ werden also mehr versinnbildlicht denn vertont.

Im zweiten Teil verarbeitet Heyde seinen Text mit dem Titel »Vaterunser | Muttermein«, in den das berühmte ‚Vaterunser’ fast unmerklich hineincodiert ist. Zudem bezieht er sich (auch musikalisch) auf einen überlieferten ‚Vaterunser’-Choral von Martin Luther, den dieser komponiert, schließlich jedoch wieder verworfen hat.

Vier motorisierte Kameras, die computergesteuert auf dem Tisch entlangfahren, sind ebenso Teil der ausgefeilten Komposition. Ihr Bild gibt 430 unterschiedliche Gesten der Mitwirkenden wieder und wird im Hochformat auf vier über der Tafel hängenden Leinwänden projiziert.

Der Tisch & die Stühle

Die 95 Stühle sind eine Eigenentwicklung des Künstlers und spiegeln in ihren Größenverhältnissen die mathematischen Proportionen der Komposition wieder. Das verwendete Material (Holz, Teer, rostiges Metall, Federn und Plexiglas) verweist sowohl auf den historischen Kontext der Reformation als auch auf die Gegenwart.

Der Veranstalter

Das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig ist ein gemeinnütziger Verein, der als unabhängige Organisation der Vermittlung zeitgenössischer Musik dient. Die "neue Plattform der seriösen, jungen Wilden, die wirklich gegenwärtige Formen nicht scheuen" (DRadio) vermittelt Offenheit gegenüber Neuem und neu Gedachtem.

Neben zahlreichen Konzerten, Konzertreihen und Festivals, organisierte das FZML mit dem internationalen Festival »CAGE100« im Jahre 2012 und 2013 das bis dato umfangreichste Projekt seines 26jährigen Bestehens: Es beinhaltete über 100 Einzelveranstaltungen, welche in mehr als 30 Ländern stattfanden.

Sein 25 jähriges Bestehen feierte das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig 2016 mit dem dreitägigen Festival »ALTZEIT NEU« im WERK2 Leipzig. Von Musik über Elektronik bis hin zu Poetry und Film, wurde die Geschichte des Forum bis in die Gegenwart hinein thematisiert. Der künstlerische Leiter des FZML ist Thomas Christoph Heyde.

Der Partner

LUMALENSCAPE GmbH

Die Leipziger Produktionsfirma LUMALENSCAPE ist ein Full-Service-Unternehmen, das inhouse alle Bereiche einer professionellen Filmproduktion abdeckt. Spezialisiert sind die kreativen Köpfe von LUMALENSCAPE besonders auf den Bereich Corporate Film/Commercial für Agenturen und Direktkunden auf internationaler Ebene

Die Sparte Corporate Film hat den entscheidenden Vorteil, sich stets am Puls der Zeit zu befinden. Hier werden Trends gesetzt und Unterhaltung immer wieder neu gedacht. Die Implementierung von Kreativität in aktuelle technologische Entwicklungen bildet ein Spannungsfeld, in dem sich das Team Tag für Tag leidenschaftlich bewegt.

Neben kommerziellen Produktionen ist LUMALENSCAPE geprägt von dem Mut und dem Engagement, auch künstlerische Projekte auszugestalten und sich so in der Kunstszene zu etablieren. Eine mediale Öffentlichkeit zu schaffen, die zeitgemäß und diskursiv angelegt ist, ist der Motor der Kreativschaffenden.

Der Künstler

Der Komponist – Thomas Christoph Heyde

Thomas Christoph Heyde ist Komponist, Medienkünstler, Autor, Kurator und Produzent. Heyde wurde 1973 als Sohn eines Pfarrers in Leipzig geboren. Nach einer pharmazeutischen Ausbildung und anschließender Tätigkeit in einem Leipziger Klinikum studierte er ohne Abitur in Leipzig und Basel Komposition und elektroakustische Musik sowie als Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin. Noch während seines Studiums war er u.a. Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, der Alfried Krupp von Bohlen und Hallbach-Stiftung und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie Lehrbeauftragter und später Dozent im Bereich Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und der Universität Leipzig. Schon früh galt sein Interesse transmedialen Konzeptionen und komplexen Kollaborationen. Seine kritischen Reflexionen gegenüber der zeitgenössischen Musikszene fanden Widerhall im "Donaueschingen-Skandal" (2002), der Publikation "High Culture Motherfucker" (2008) sowie Projekten wie "Sex.Macht.Musik" (2009). Heyde gilt gleichwohl als einer der leidenschaftlichsten und innovativsten Vermittler zeitgenössischer künstlerischen Ausdrucksformen an der Schnittstelle von Musik und Medienkunst.

Als geschäftsführender künstlerischer Leiter des Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig [FZML] e. V. sowie als freier Kurator und Dramaturg initiierte und leitete er zahlreiche internationale Festivals und Konzertreihen, wie "Heimat Moderne", "Macht-Musik" und "CAGE100". Darüber hinaus engagiert er sich als Vorstandsvorsitzender eines Psychosozialen Zentrums für Geflüchtete und ist Geschäftsführer einer Beratungs- und Produktionsfirma mit Sitz in Leipzig.

Sein künstlerisches Oeuvre ist höchst vielfältig und komplex. Es umfasst sowohl Kompositionen als auch medienkünstlerische Arbeiten, die zumeist in Eigenregie realisiert werden. Selbige wurden von nationalen und internationalen Medienanstalten im TV und Radio ausgestrahlt und waren bzw. sind auf nationalen und internationalen Festivals und Museen präsent.

Die Ensembles

Auditvokal Dresden – das Originalklangensemble der Moderne steht seit mittlerweile zehn Jahren für re/in/formierte Aufführungspraktiken und alles.außer.gewöhnliche Konze/r/p/te. Hier werden künstlerische Arbeit und Stimmforschung immer wieder in neuartige, *disziplinäre Kontexte mit Wissenschaft, Politik und Kunst gestellt – ein integraler Bestandteil des Wirkens des von Olaf Katzer gegründeten Ensembles. "Zurück zur Kunst! Zurück zum Menschen!" lautet das Credo des Künstlerischen Leiters. Menschlichkeit, Ursprünglichkeit und künstlerische Authentizität möchte er in seinen musikalischen Interpretationen miteinander verbinden – über Epochengrenzen hinweg, vermittelnd zwischen unterschiedlichen stilistischen und ästhetischen Ausrichtungen, und auch unter den Menschen und ihren facettenreichen Kulturen.

Im Rahmen des Projektes Abendmahl – "abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe" nimmt Auditvokal Dresden als Solistenensemble unter der Leitung von Olaf Katzer mit 9 Sänger//-innen teil.

Der Chor des Meininger Staatstheaters – Im Zuge der Begründung eines Opernensembles wurde am Meininger Hoftheater 1858 unter Herzog Bernhard II. erstmals ein professioneller Chor ins Leben gerufen. Herzog Georg II. löste als neuer Theaterleiter 1866 die Opernsparte auf, um sich ganz auf die Reform des Schauspiels und die Profilierung der Meininger Hofkapelle als Konzertorchester zu konzentrieren. Erst 1946 wurde am Meininger Theater wieder ein eigenes Musiktheaterensemble mit Opernchor fest engagiert. Um dem vielseitigen Repertoirebetrieb, der alle großen Choropern einschließt, gerecht zu werden, wuchs der Chor auf derzeit 33 hauptberufliche, in Vollzeit beschäftigte Mitglieder. Diese übernehmen regelmäßig auch kleinere und größere Solopartien im Musiktheaterrepertoire. In großbesetzten Werken verstärkt der etwa 35-köpfige semiprofessionelle Extrachor das Ensemble. Einen Schwerpunkt im Repertoire des Chores bilden die 13 Opern Wagners, die in Meiningen in mittlerweile über 50 Inszenierungen aufgeführt worden sind. Höhepunkte waren u.a. Die Meistersinger von Nürnberg mit über 120 Choristen in der Regie von August Everding im Jahr 1994 und Der Ring des Nibelungen unter Kirill Petrenko und Christine Mielitz im Jahr 2001. Durchgehend seit 2004 gastiert der Chor mehrmals jährlich mit Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg am Originalschauplatz, im Festsaal der Wartburg. In den 70 Jahren seit seiner Gründung hat der Chor über 500 Werke – Opern, Operetten, Musicals und Chorsymphonik – aufgeführt. In dieser Zeit haben 17 Chordirektoren den Opernchor geprägt und klanglich weiterentwickelt. Seit 2016 leitet der Dirigent Martin Wettges als Chordirektor mit Dirigierverpflichtung den Chor des Meininger Theaters.

Im Rahmen des Projektes Abendmahl – "abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe" nimmt der Chor des Meininger Staatstheaters unter der Leitung von Martin Wettges mit 33 Sänger/-innen teil.

Abendmahl-Chor & Sprech-Ensemble – Um den unterschiedlichen und komplexen künstlerischen Anforderungen der Komposition gerecht zu werden, hat das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig [FZML] e. V. einen Projektchor aus professionellen Sänger/-innen aus dem mitteldeutschen Raum zusammengestellt. Unter der Leitung von Alexander Stessin, Chorleiter an der Oper Leipzig und ergänzt durch Schauspieler/-innen und einem Knabensänger tritt der Projektchor in dieser Formation einmalig und exklusiv für das Projekt auf. In der Historie des FZML stellt die Größe dieses extra zusammengestellten Ensembles eine neue Dimension dar.

Im Rahmen des Projektes Abendmahl – "abnehmender Schrecken | zunehmende Liebe" nimmt das Abendmahl-Chor & Sprech-Ensemble unter der Leitung von Alexander Stessin mit 53 Mitgliedern teil.