Filmvorführung "Von Caligari zu Hitler. Das deutsche Kino im Zeitalter der Massen"

07.09.2017 20:15 – 07.09.2017 21:15

Die Weimarer Republik zwischen 1918 und 1933 war der freiheitlichste Staat auf deutschem Boden; eine wilde Epoche, geprägt von politischen Verwerfungen, wirtschaftlicher Krise und kulturellem Glanz. Es war auch die bis heute wichtigste Zeit des deutschen Kinos, eine der größten und wunderbarsten Epochen des Kinos überhaupt, eine Zeit voller Wunder und wunderbarer Einfälle. Hier wurden die ästhetischen Grundlagen der „siebten Kunst” erfunden, Leitmotive, Archetypen und Genres etabliert, die das Kino der Welt bis heute wesentlich prägen.

Schwarz-Weiß-Collage.
Aushangfoto zu „Berlin. Die Symphonie der Großstadt” (1927) Foto: © Montage: Otto Umbehr
07.09.2017 21:15

Filmvorführung "Von Caligari zu Hitler. Das deutsche Kino im Zeitalter der Massen"

Genre Veranstaltung
Veranstalter Kunsthalle Erfurt
Veranstaltungsort Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 7, 99084 Erfurt

Weimars Regisseure wie Murnau, Lang, Lubitsch, Pabst, Sternberg, Wilder und Ruttmann sind bis heute legendär; seine Schauspielstars wie Marlene Dietrich, Louise Brooks, Emil Jannings und Conrad Veidt unvergessen, Szenen aus Filmen wie  „Nosferatu",  „Das Cabinet des Doktor Caligari”,  „Metropolis”,  „M”,  „Menschen am Sonntag”,  „Berlin. Die Symphonie der Großstadt” und  „Der Blaue Engel” entfalten bis heute ihre unvergleichliche Aura.

Im Kino bündelten sich auch wenn nicht alle, so doch sehr viele Tendenzen des Zeitalters und der Erschütterung des gesellschaftlichen Lebens im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg: Die latente Untergangsangst der deutschen Gesellschaft in ihrem Tanz’ auf dem Vulkan, zwischen hedonistischer Lust und Krise ohne Alternative – dieses explosive Gemisch speiste nach 1918 die neue Kunst des Kinos. Der Film „Von Caligari zu Hitler“ erzählt diese Epoche des Kinos zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit anhand zahlreicher Originalausschnitte und ergänzt dies mit Ausblicken auf das politische und gesellschaftliche Geschehen bis zu Hitlers Machtergreifung 1933. Im direkten Gespräch mit u.a. Volker Schlöndorff, Fatih Akin, Elisabeth Bronfen und Thomas Elsaesser spürt der Dokumentarfilmer Rüdiger Suchsland die Schönheit, die Vielfalt und den Reichtum dieser Kino-Epoche auf.

Er zeigt: Das Weimarer Kino ist mehr denn je ein unbekannter Kontinent, der bis heute seiner Entdeckung harrt. Der Film zeigt auch: Das Weimarer Kino war viel mehr als Expressionismus. Es war Neue Sachlichkeit und sozialer Realismus. Neben eskapistischen Abenteuer- Berg- und Revuefilmen gab es auch sozial engagiertes, linkes Kino, das die Not und die Krise aktiv ins Visier nahm. Vor allem spiegelte das Kino die neuen Möglichkeiten und den Aufbruch einer jungen Republik. „Von Caligari zu Hitler“ ist eine unterhaltsame Achterbahnfahrt in die beste Zeit des deutschen Kinos und in die Abgründe des deutschen Unterbewusstseins.

Vor der Filmvorführung gibt es 19 Uhr eine Führung durch die Ausstellung.