Führung „… für das Haus unter dem Gang hinter die Schulen.“

22.02.2018 16:00 – 22.02.2018 17:30

Am Donnerstag, dem 22. Februar 2018 führt um 16:00 Uhr Dr. habil. Barbara Perlich durch das Wohngebiet der zweiten jüdischen Gemeinde in Erfurt. Die Führung „… für das Haus unter dem Gang hinter die Schulen.“ findet im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Gekommen um zu bleiben? Die zweite jüdische Gemeinde in Erfurt 1354 – 1454“ statt, die bis zum 08.04.2018 in der Alten Synagoge zu sehen ist.

Mittelalterliche Stadtkarte
22.02.2018 17:30

Führung „… für das Haus unter dem Gang hinter die Schulen.“

Genre Veranstaltung
Veranstalter Netzwerk „Jüdisches Leben Erfurt“
Veranstaltungsort Alte Synagoge Erfurt, Waagegasse 8, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Spätestens seit dem 12. Jahrhundert gab es in Erfurt eine jüdische Gemeinde. Wir kennen die Orte ihrer wichtigen Bauten und Anlagen – Synagoge, Mikwe, Friedhof. Über Steuerlisten sind wir ab dem Ende des 13. Jahrhunderts auch gut darüber informiert, wie die jüdischen Bewohner hießen, wobei diese Namensnennung vor allem die finanzkräftigen jüdischen Bewohner umfasst, die für eine Parzelle im Stadtraum steuerpflichtig waren.

1349 wird die erste jüdische Gemeinde in Erfurt – wie in so vielen Orten Europas – im Zuge der so genannten Pestpogrome vollständig ausgelöscht. Die jüdischen Bauten und Parzellen fallen an den Erfurter Rat, der sie an Christen weiterverkauft. Bereits 1354 siedeln sich jedoch erneut Juden in Erfurt an, die 1357 einen neuen Synagogenbau erhalten. Die alte Mikwe sowie der erste Friedhof werden weitergenutzt.

Wenngleich die rechtliche Stellung der Juden im Vergleich zur ersten Gemeinde nun etwas anders ist, haben wir auch hier über Steuerlisten einen Einblick in die Größe der Gemeinde und lernen viele jüdische Bewohner wenigstens namentlich kennen.

Faszinierend ist jedoch vor allem, dass wir nun anhand der archivalischen Überlieferung und der Rekonstruktion der mittelalterlichen Parzellenstruktur Erfurts mit einiger Gewissheit sagen können, wer wo gewohnt hat. So kennen wir nun nicht nur Lage und Aussehen der wichtigen Bauten Synagoge und Mikwe, sondern auch die Lage der privaten Wohnhäuser der jüdischen Bewohner Erfurts. Und etliche dieser Bauten sind ja noch erhalten!

Die Führung gibt einen Einblick in das wissenschaftliche Vorgehen, dass solche Rekonstruktionen ermöglicht. Vor allem soll jedoch gezeigt werden, wie und wo Juden vor und nach 1349 in Erfurt wohnten  und welche Gemeindeeinrichtungen es außer der Synagoge und der Mikwe wohl noch gegeben hat.

Zur Person

Studium der Architektur mit Denkmalpflege und Kunstgeschichte an der TU Berlin/ Stipendiatin im Graduiertenkolleg Kunstwissenschaft – Bauforschung – Denkmalpflege der Otto-Friedrich- Universität Bamberg und der TU Berlin/ Promotion 2005 summa cum laude mit einer Arbeit zur mittelalterlichen Backsteintechnik Europas/ Büro für Bauforschung und Denkmalpflege/ PostDoc TU Berlin, Bau- und Stadtbaugeschichte/ Vertretung der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte an der Bauhaus-Uni Weimar/ Gastprofessur an der FH Erfurt/ Lehraufträge/ Habilitation zum frühislamischen Palast Qasr al-Mschatta/ Forschungsschwerpunkte: mittelalterliche Profan- und Sakralarchitektur des Christentums, Judentums und Islam; Stadtgeschichte des Mittelalters; barocker Bürgerhausbau/ zur Zeit Forschungsprojekt zur Architektur der mittelalterlichen jüdischen Gemeinden in Erfurt sowie zur jüdischen Sakraltopographie im aschkenasischen Raum