Geschichte der Leitstelle 1910 bis 1945

Gründung Berufsfeuerwehr Erfurt

Am 1. April 1910 wurde die Berufsfeuerwehr Erfurt gegründet. Logische Konsequenz aus der Beurteilung des Königlichen Branddirektors Reichel im Auftrag des preußischen Staates. In diesem Gutachten wurde festgestellt das eine aufstrebende Großstadt eine berufliche Feuerwehr benötigt. Zu dieser Zeit stehen 63 Telefone für die Brandalarmierung zu Verfügung, sie sind alle mit der städtischen Fernsprech- und Telefonzentrale verbunden.

Im Jahr 1912 gab es in vielen Betrieben, z. B. Schuhwarenfabrik, Webereien oder Elektrizitätswerken, zugängliche Feuermeldestellen. Die öffentlichen Meldestellen waren alle 500 m zu finden.

Aus einer Anweisung zur Feuermeldung:

Während der Nachtzeit ist im Telephonzimmer des Kaiserlichen Telegraphenamtes ein Unterbeamter zur Bedienung des Telephons stationiert. Meldungen über Feuer und Unglücksfälle können unter dieser Einrichtung nach dem Rathaus erstattet werden.

Ein Artikel im Allgemeinen Anzeiger vom 6. Februar 1914 beschreibt die Telefonzentrale der Berufsfeuerwehr:

Eine Großstadtfeuerwehr

Mit der Fertigstellung der elektrischen Alarmanlage (Siemens & Halske), die heute zum ersten Mal benutzt wurde, hat unser städtisches Feuerlöschwesen einen Grad der Vollendung erreicht, der den höchsten Anforderungen entspricht.
Die Schlagfertigkeit unserer Feuerwehr ist durch diese Alarmanlage - man kann sagen, aufs äußerste der bis jetzt technische Möglichkeiten gestiegen.
Über die Stadt sind 58 öffentliche Feuermelder ziemlich gleichmäßig verteilt; dazu kommt noch eine Anzahl Feuermelder in großen industriellen und sonstigen Anlagen.

Äußerst lehrreich gestaltet sich ein Blick in den Raum der Feuerwache, in dem diese Melder alle einmünden: die Telegraphenzentrale, in der Tag und Nacht ununterbrochen Dienst getan wird.
Es sind bis jetzt 5 Schleifen in Betrieb und jede dieser Schleifen, die mit 30 Melder belastet werden kann, wird durch einen Morsetelegraphen bedient. Wird nun auf irgendeinem Melder alarmiert, so setzt sich der Morseapparat in Bewegung, der an die betroffene Schleife angeschlossen ist und gibt dreimal die Nummer des in der Stadt benutzten Alarmmelders wieder. Zugleich beginnt aber auch der automatische Alarmschalter seine geräuschvolle Tätigkeit und trägt den Alarm in alle Feuerwehrwohnungen, Werkstätten, auf den Hof, kurz, in alle Räume wo Feuerwehrleute sich befinden können.

Unmittelbar nach dem Anzeigen der Nummer auf dem Morsestreifen wird durch Kontaktwirkung auf dem Nummerntableau die betreffende Nummer in leuchtenden Ziffern erzeugt, was zur Folge hat, dass sie im vergrößerten Maßstab auch zugleich in der Wagenhalle erscheint, wo Feuerwehrleute dann sofort erfahren, nach welcher Straße sie gerufen wurden.
Durch Rohrpost wird ihnen von der Telegraphenzentrale nämlich sogleich auch der Name der Straße zugeschossen. Mit Morse steht der Zeitstempelapparat in Verbindung und schreibt sofort automatisch genau den Zeitpunkt des Alarms zweimal auf einem Papierstreifen nieder. Auch dieser Sammelmorse, wie er genannt wird, gibt den andern Signalen das Alarmglockenzeichen.

Die ganze Anlage ist nach dem System der Sicherheits-Morse-Schaltung eingerichtet.
Die Feuermeldung läuft auch dann zur Zentrale, wenn ein Leitungsdraht in der Schleife gebrochen ist. In diesem Fall schreibt nur ein Morsestift die Nummer dreimal nieder, während sonst die Striche doppelt erscheinen. Der Drahtbruch kündigt sich der Zentrale sofort automatisch an, und sein Ort kann in kürzester Zeit festgestellt werden.

Neben der Alarmanlage für die Berufsfeuerwehr befindet sich noch in demselben Raume einen siebenschleifige Alarmanlage zur Verständigung der Freiwilligen Feuerwehrkorps.
Der hohen technischen Vollendung der neuen Alarmanlage entspricht die ganze sonstige Einrichtung der Feuerwache. ...

In einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 1926 werden die Bürger aufgefordert:

Bei dieser Gelegenheit sei nochmal hingewiesen, dass bei Ausbruch von Feuer stets von dem der Brandstätte am nächsten gelegenen Feuermelder aus die Feuerwehr alarmiert werden muss. Nur so kann die Wehr schnell die Löscharbeit aufnehmen. Jeder Einwohner sollte sich daher für den Fall einer Gefahr - unberufen! - rechtzeitig davon unterrichten, wo sich sein Feuermelder befindet.

Bombenangriffe

Auch die Feuerwache am Reglerring (heute Juri-Gagarin-Ring 112) war im April 1945 von Bombenangriffen nicht verschont geblieben. Von den 6 Alarmierungsschleifen waren 5 vollständig zerstört.

Anordnung Nr. 4 des Oberbürgermeisters vom 30. April 1945:

Hier wird mitgeteilt, dass zur Zeit die Feuermeldeanlage außer Betrieb ist. Die Instandsetzungsarbeiten werden längere Zeit beanspruchen. Bis dahin müssen die Brände usw. persönlich oder im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten auf der Feuerwache, Reglerring 3, gemeldet werden. Fernsprechanschluss: 21000, 27300.