Bioabfall und Biotonne

Bioabfall - der Rohstoff aus Haushalt und Garten

Kreislaufwirtschaftsgesetz

Bioabfälle sind spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu erfassen und zu verwerten. So verlangt es das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Kreislaufwirtschaftsgesetz − KrWG), das am 1. Juni 2012 in Kraft trat und das bisher geltende Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz ablöste.

Die getrennte Sammlung biogener Abfälle, ist bereits in vielen deutschen Städten und Landkreisen langjährige Praxis und ein wichtiger Baustein einer ressourcenschonenden Abfallwirtschaft.

Auch die Landeshauptstadt Erfurt bietet für die Erfurter Haushalte mit der Biotonne eine flächendeckende Bioabfallerfassung an. Insofern ist die im KrWG geforderte getrennte Erfassung von Bioabfällen grundsätzlich erfüllt.

Dennoch besteht Handlungsbedarf. Viele Erfurter Bürger und Bürgerinnen nutzen die Biotonne nicht konsequent, d. h. sie entsorgen Bioabfälle teilweise als Hausmüll. Ökologisch und ökonomisch ist es unsinnig, auf die getrennte Erfassung von Bioabfall zu verzichten. Für die Nutzung der Biotonne wird eine personenbezogene Gebühr erhoben. Diese Gebühr beträgt 16,95 € pro Person und Jahr - unabhängig von der Größe der Biotonne. In der Landeshauptstadt Erfurt muss jedes zu Wohnzwecken genutzte Grundstück grundsätzlich eine Biotonne haben. Nur wer seine Bioabfälle nachweislich durch Eigenkompostierung selbst verwertet, kann vom Umwelt- und Naturschutzamt auf Antrag vom Anschluss- und Benutzungszwang an die Biotonne befreit werden.

Was sind Bioabfälle?

In § 3 Absatz 7 KrWG sind Bioabfälle definiert als biologisch abbaubare pflanzliche, tierische oder aus Pilzmaterialien bestehenden Abfälle. Dazu gehören Garten- und Parkabfälle, Landschaftspflegeabfälle, Nahrungs- und Küchenabfälle und sonstige Abfälle, die nach Art und Beschaffenheit den genannten vergleichbar sind.

Was gehört in die Biotonne?

In die Biotonne gehören Rasenschnitt, Schnittblumen, Laub, Baum- und Heckenschnitt, Topfblumen (ohne Topf!) Blumenerde, Unkraut, Fallobst, Obst- und Gemüseschalen, Schalen von Südfrüchten und Nüssen, Brotreste, Eierschalen, Fleisch-, Wurst-, Gemüse-, Kuchen- und Fischreste, Fischgräten, Knochen,, Kaffeesatz, Filtertüten, Teefilter, kompostierbares Kleintierstreu, Holzasche, Holzkohle sowie Holzwolle und Sägespäne von unbehandelten Holz. Zeitungspapier und Küchenkrepp zum Einwickeln von feuchten Küchenabfällen können ebenfalls in die Biotonne gegeben werden.

Warum sind Plastiktüten in der Biotonne ein Problem?

Plastiktüten sind nicht kompostierbar. In der Biotonne sind sie Störstoffe, die Tüten, Säcke und sonstigen Verpackungen aus Plastik (Plaste). Diese erschweren nicht nur die Vergärung des biologischen Abfalls, sondern können auch die Vermarktung des Komposts verhindern, der aus den Bioabfällen hergestellt  wird. Werden die Qualitätsanforderungen nicht erreicht, darf der Kompost nicht als Dünger auf den Feldern eingesetzt werden. Um die Störstoffe zu entfernen, ist ein hoher Sortieraufwand erforderlich, der zusätzliche Kosten verursacht. Dieser Sortieraufwand kann vermieden werden, wenn bereits im Haushalt ein paar Dinge beim Erfassen der Bioabfälle beachtet werden. Daher bitte organische Küchenabfälle in Papiertüten, alte Zeitungen oder in die speziellen Kraftpapiertüten für Bioabfälle einpacken, die im Handel erhältlich sind. So bleibt die Biotonne sauber und die Bioabfälle können optimal verwertet werden.

Warum gehören Bioabfälle nicht in die Hausmülltonne?

Bioabfall ist ein Rohstoff. Er enthält wertvolle Nährstoffe (z. B. Phosphor) und organische Substanzen, die nach einer geregelten biologischen Behandlung durch Kompostierung oder Vergärung den Pflanzen und den Böden als Dünger bzw. Humus zur Verfügung stehen. Bioabfälle sind auch ein Energieträger in einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Energiegewinnung. Durch die Vergärung von Bioabfällen entsteht Biogas (Faulgas), das zur Stromgewinnung, als Kraftstoff oder zur Wärmegenerierung genutzt wird. Die Vergärung ist übrigens für feuchte Bioabfälle (wie etwa Fettstoffe in Küchenabfällen) die geeignetste Verwertungsmöglichkeit.

Eine umsichtige und nachhaltige Behandlung von Bioabfällen ist somit auch ein Beitrag zum Klimaschutz.

Biotonne oder Eigenkompostierung?

Abgesehen davon, dass sich nicht auf jedem Wohngrundstück die Eigenkompostierung im erforderlichem Maße realisieren lässt, sind viele Bioabfälle besser für die Biotonne als für die Eigenkompostierung geeignet. Insbesondere tierische Essensreste, wie Fleisch- oder Fischabfälle aber auch Fallobst oder größere Mengen Rasenschnitt sind bei der Eigenkompostierung problematisch. Es besteht die Gefahr, dass Schadnager bzw. Insekten sich durch diese Abfälle angezogen fühlen. Um Fäulnisprozesse zu vermeiden, muss bei frischem Rasenschnitt ausreichend Strukturmaterial in Form von Strauchschnitt beigemischt werden. Die Eigenkompostierung muss also mit einer gewissen Sorgfalt geführt werden. Wer es einfacher haben möchte, sollte daher die Biotonne nutzen - zumindest für die schwierig kompostierbaren Abfälle.

Die Biotonne für die Erfurter Haushalte wird von März bis November einmal wöchentlich geleert. Im Winter - von Dezember bis Februar - erfolgt die Leerung nur alle 2 Wochen.

Setzt man diesen Leerungsrhythmus für eine 120-l- Biotonne an, so steht im Jahr ein nutzbares Biotonnenvolumen von ca. 5,5 m³ zur Verfügung, bei einer 240-l-Biotonne sind das ca. 11 m³. Die in der Biotonne gesammelten Abfälle aus den Erfurter Haushalten werden in einer modernen Trockenfermentationsanlage auf dem Gelände der Deponie Erfurt-Schwerborn verarbeitet. In dieser Anlage können jährlich 23.500 Tonnen Bioabfälle in saubere Energie für über 1.100 Haushalte umgewandelt werden. Die Verwertung der über die Biotonne in der Stadt Erfurt eingesammelten Abfälle nimmt derzeit knapp die Hälfte der Anlagenkapazität in Anspruch. Es besteht also durchaus noch Potential, mehr Bioabfälle in der Trockenfermentationsanlage zu verwerten. Aus dem Gärrest, der als weiteres Produkt in dieser Anlage entsteht, wird Kompost (mit Gütezertifikat) für die Thüringer Landwirtschaft hergestellt.

Die Biogasanlage ist nicht nur eine sinnvolle abfallwirtschaftliche Maßnahme, sondern durch die erzeugte Ökoenergie auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.