Stadtklima: Klimagerechtes Flächenmanagement der Landeshauptstadt Erfurt

Inhaltsverzeichnis

Klimaschutz-Teilkonzept

Ausgangslage

Die lokalklimatischen Bedingungen in der Innenstadt unterscheiden sich erheblich vom Umland. Messtechnisch lässt sich das Erfurter Stadtklima charakterisieren durch höhere Temperaturen, geringere Windgeschwindigkeiten sowie anderer Verhältnisse der Strahlungsbilanz, des Wärmehaushalts und der Luftströmungen. Die Tallage von Erfurt wirkt zudem sehr inversionsfördernd und verhindert den Frischluftaustausch sowie den Abtransport der Luftschadstoffe. In diesem klimatisch ungünstigen Raum liegen gleichzeitig die dicht besiedelten Stadtteile Erfurts.

Gemessene Feinstaubwerte PM10 (Tagesmittel) lagen in den letzten Jahren häufiger über dem Grenzwert (50 µg/m³), so dass die zulässige Anzahl an Überschreitungen pro Jahr (35 Tage) nicht eingehalten wurde. Auch für Stickstoffdioxid NO2 übertrafen die ermittelten Jahresmittelwerte den Grenzwert (40 µg/m³).

Verändern sich zukünftig die innerstädtischen Wind- und Durchlüftungsverhältnisse z.B. durch Verdichtung der Baustrukturen oder durch den fortschreitenden Klimawandel, hat dies Auswirkungen auf lufthygienische Bedingungen und somit auf gesundheitliche Folgen. Auch sommerliche Hitzebelastungen treten durch den Klimawandel heute häufiger auf. Deshalb besteht die Notwendigkeit stadtklimatische und lufthygienische Belange in städtebaulichen Planungen zu berücksichtigen.

Projektbeschreibung

Die stadtklimatischen und lufthygienischen Besonderheiten der Stadtteile werden in einer Bestandsaufnahme identifiziert und zusammengefasst. Auf diese Weise werden anschließend in einer Potentialanalyse die Flächenreserven und die klimasensitiven Gebiete bewertet. Flächennutzungsalternativen und -potentiale im Innen- und Außenbereich werden im Hinblick auf die Klimaanpassung evaluiert. Je nach betrachteter Fragestellung (z.B. thermische Belastungen, Luftreinhaltung, Wasserkreislauf) sind andere Anpassungsoptionen möglich. Mithilfe der Erkenntnisse aus Bestandsaufnahme und Potentialanalyse wird eine Strategie entwickelt, die Maßnahmenbündel für die zukünftige Flächenentwicklung darstellt.

Ziele und Inhalte

Ziel ist es ein planungsrelevantes Konzept zu erstellen, dass einerseits informative Hilfe für Entscheidungsträger und die Bevölkerung bereit stellt und andererseits innerhalb der Stadtverwaltung als grundlegendes Planungselement in der Regional- und Bauleitplanung (z.B. Flächennutzungsplan, Bebauungsplan) genutzt wird. Insbesondere für das Erfurter Stadtgebiet wirkende Klimaanpassungsmaßnahmen sind neben dem global wirkenden Klimaschutz von großer Bedeutung, um die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen und die stadtklimatischen und lufthygienischen Schutzziele der Stadt Erfurt zu erreichen.

Ablauf

Das Projekt startete im Oktober 2014. Mit der Fertigstellung wird 2015/2016 gerechnet.

Projektbeteiligung

Das Klimaschutz-Teilkonzept "Klimagerechtes Flächenmanagement der Landeshauptstadt Erfurt" (KlimEF) ist ein Projekt der Stadt Erfurt (unter Federführung des Umwelt- und Naturschutzamtes).

Mit der Erstellung des Konzeptes ist das Institut für Klima- und Energiekonzepte, Prof. Dr. Lutz Katzschner, Schillerstraße 50, 34253 Lohfelden beauftragt.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unter Einbeziehung des Projektträgers Jülich gefördert.

Das Förderkennzeichen lautet: 03K00318

Gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland, Zuwendungsgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Aktuelles

Messung der Lufttemperatur über Erfurt in verschiedenen Höhen mittels Drohnen.
Foto: Lufttemperatur-Profilmessung über Erfurt Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Messungen zur Hitzewelle

Spitzentemperaturen von über 40°C im Schatten wurden in Erfurt an mehreren Messstationen während der Hitzewelle Anfang Juli 2015 ermittelt. Über viele Tage (29.06. – 06.07.) waren die Auswirkungen dieser außergewöhnlichen Hitzewelle zu spüren. Auch im Folgezeitraum kletterten die Temperaturen häufig auf über 30°C.

Innerstädtische Bereiche sind durch die dichtere Bebauung von deutlichen Überwärmungstendenzen gekennzeichnet, so dass häufig keine ausreichende Nachtkühlung stattfindet und sogenannte Tropennächte entstehen, in denen die Temperaturen nie unter 20°C absinken.

Durch sehr hohe Temperaturen am Tag wie in der Nacht wird die menschliche Gesundheit stark belastet und die allgemeine Regenerationsfähigkeit des Körpers herabgesetzt. Besonders Kleinkinder, Senioren, Kranke und Bewegungseingeschränkte reagieren hoch sensibel. Die Folgen reichen von Müdigkeit, Schwindel, Hitzekrampf, Sonnenstich und Hitzschlag bis zur Verschlimmerung verschiedener Krankheiten.

Die Landeshauptstadt Erfurt lässt eine klimatische Begutachtungen des gesamten Stadtgebietes durchführen, um die Hitzeverteilung und die Kalt- und Frischluftversorgung zu beurteilen. Anhand einer während der Hitzewelle durchgeführten Messkampagne wurden vertiefte Erkenntnisse gesammelt. Über innerstädtische Messrouten wurden die Temperaturverteilung und die Auskühlung in der Stadt gemessen. Um das vertikale Ausmaß der Wärmeinsel zu bestimmen, wurde mit einem Drohnenaufstieg die Temperatur- und Feuchteverteilung in bis zu 100 m Höhe über der Stadt gemessen.

Die Häufigkeiten von Hitzeperioden haben in der Vergangenheit bereits zugenommen und werden zukünftig weiter zunehmen. Deshalb wird es für Städte immer wichtiger Bewertungsgrundlagen zu entwickeln, um daraus Optionen zur Klimaanpassung abzuleiten.

Die Resultate der Messungen werden in das Konzept zum Klimagerechten Flächenmanagement der Landeshauptstadt Erfurt (Projekt KlimEF) einfließen. Die Bedeutung von stadtklimatisch relevanten Flächen wie zum Beispiel Kaltluftentstehungsgebieten und Luftleitbahnen werden dabei unter Berücksichtigung des fortschreitenden Klimawandels beurteilt. Mit dieser Grundlagenarbeit ist es möglich stadtklimatische Belange in den städtischen Planungen zu berücksichtigen.