Energiekonzept Äußere Oststadt

Energiekonzept Wärme | Kälte | Strom

Flussdiagramm
Grafik: Erfurter Energiemodell Grafik: © SWE Wärme
Kartendarstellung mit Abgrenzungslinie des Untersuchungsgebietes
Karte: Äußere Oststadt – Untersuchungsgebiet Karte: © Stadtverwaltung Erfurt

Die Landeshauptstadt Erfurt hat mit der aktuellen Fortschreibung des Rahmenplans für einen Teilbereich des Sanierungsgebiets Äußere Oststadt die Voraussetzungen zur Entwicklung eines neuen urbanen und energieeffizienten Stadtteils geschaffen. In den nächsten Jahren sollen die hier verfügbaren letzten, größeren innerstädtischen Brachflächen baulich und infrastrukturell entwickelt werden, um schrittweise innenstadtnahe, moderne familien- und altersgerechte Wohnformen zu entwickeln.

Mit dem "Integrierten städtebaulichen Rahmenkonzept Äußere Oststadt" liegt der Stadt Erfurt eine informelle Planung vor, die eine ganzheitliche Entwicklungsperspektive für die Äußere Oststadt aufzeigt und den vielschichtigen Rahmenbedingungen des Stadtgebiets und seiner einzelnen Teilflächen Rechnung trägt. Es zeigt übergeordnete städtebauliche, landschaftliche und verkehrliche Strukturen auf, die über einen längeren Zeitraum entwickelt werden sollen.

Wesentliche Strategie des Rahmenkonzepts "Äußere Oststadt" ist die Ausrichtung der Maßnahmen zur Entwicklung des Gebiets in den Ebenen Gebäude, Quartier und Stadtteil sowie in den Bereichen Verkehr, Städtebau, Freiraumentwicklung und Infrastruktur mit dem Ziel der Nachhaltigkeit. Energieeffiziente und klimaschutzorientierte Bausteine bestimmen das integrierte städtebauliche Konzept.

Das Energiekonzept soll Wege und Potenziale einer zukunftsweisenden, ökologisch verantwortbaren und wirtschaftlich vertretbaren Energienutzung für das neu zu entwickelnde Gebiet der Äußeren Oststadt aufzeigen. Die Empfehlungen zur Umsetzung werden als wesentliche Voraussetzung für zukünftige Planungen betrachtet. Das Energiekonzept liefert somit entscheidende Grundlagen für wesentliche Steuerungselemente und Festsetzungsmöglichkeiten.

1 Städtebauliche Situation

Der Planungsraum "Äußere Oststadt" – mit einer Fläche von ca. 60 Hektar – befindet sich östlich der Erfurter Innenstadt und ist ein Teilgebiet des Stadtteils Krämpfervorstadt.

Verfügbare Flächenreserven und Potenziale bieten eine außerordentliche Möglichkeit für ein nachhaltiges, verkehrlich und energetisch optimiertes Stadtwachstum, indem vorhandene Infrastruktureinrichtungen genutzt und die Brachen einer urbanen Nutzung zugeführt werden können.

Das nahe der Altstadt gelegene Quartier ist derzeit gekennzeichnet durch das Nebeneinander von vereinzelten Wohnnutzungen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, gewerblichen Nutzungen, Restnutzungen, infrastrukturellen Großeinrichtungen, Leerstand und ausgedehnten Brachflächen.

Im Rahmen der Analyse haben sich fünf Quartiere bzw. Teilbereiche herauskristallisiert, die eine unterschiedliche bauliche Struktur, Dichte und Ausstattung mit Grün- und Freiräumen und entsprechend verschiedene Funktionen/Nutzungen aufweisen bzw. brach liegen. Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslagen bzw. -situationen ergeben sich für diese Teilbereiche  auch verschiedene Entwicklungshorizonte und -perspektiven. Das Energiekonzept ist wesentliche Grundlage und Voraussetzung für die Umsetzung dieser räumlich sowie zeitlich gestaffelten Entwicklung der Äußeren Oststadt.

Lage der "Äußeren Oststadt" im Stadtgebiet

2 Teilbereiche | Quartiere

Kartendarstellung mit abgegrenzten Flächen
Karte: Äußere Oststadt – Teilbereiche | Quartiere Karte: © Büro für Urbane Projekte, Leipzig

2.1 ICE-City Ost

Mit der Fertigstellung des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) verändert sich ab 2017 die verkehrsstrategische Lage und Bedeutung der Landeshauptstadt. Die bessere Erreichbarkeit wird zu mehr Fahrgästen und wirtschaftlichen Nachfragepotenzialen führen, was wiederum für das Land, die Region und die Stadt herausragende Entwicklungspotenziale für neue Ansiedlungen und Arbeitsplätze bietet.

Für den Bereich beidseitig der Schmidtstedter Brücke wurde im Frühjahr 2012 durch die Stadt Erfurt und die DB Netz AG als Grundstückseigentümerin das Gutachterverfahren "ICE-City Ost/Neues Schmidtstedter Tor" ausgelobt. In dessen Rahmen sollten Aussagen zur Entwicklung und Konzeption einer Bebauung getroffen werden. Zur Realisierung empfahl die Jury die Arbeit der Bürogemeinschaft Machleidt und Mola + Winkelmüller aus Berlin. Diese sieht eine Riegelstruktur entlang des Bahnkörpers vor, durch grüne Fugen rhythmisiert. Zwei Hochpunkte beidseitig der Eisenbahnbrücke und ein verbindendes Promenadendeck bilden das Entree des Neuen Schmidtstedter Tores.

Am 24.04.2013 wurde der Rahmenplan "ICE-City Ost/Neues Schmidtstedter Tor" als Grundlage der weiteren Planungen durch den Erfurter Stadtrat beschlossen. Er dient als Basis der zukünftigen städtebaulichen Entwicklung im Gebiet. Eine letzte Aktualisierung beschloss der Stadtrat am 03.03.2016.

2.2 Stadtwerkefläche

Einen Teilbereich der Fläche südlich der Iderhoffstraße bilden das vormals genutzte Gaswerksgelände und der Kraftwerkstandort Iderhoffstraße. Beide Flächen  sind mit Rückständen der ehemaligen Industrieproduktion belastet. Auf einer Teilfläche des alten Kraftwerks wurde in den letzten 20 Jahren eine gasgefeuerte Erzeugeranlage mit einem Großwärmespeicher errichtet. Für dieses Gebiet liegen bereits mehrere Untersuchungen, Gutachten sowie eine historische Altlasten-Erkundung vor. Erste Schutz- und Sicherungsmaßnahmen bezüglich der Altlasten wurden von der SWE Energie GmbH (SWE E) als Eigentümerin des Geländes in Absprache mit der ThLVwA bereits vorgenommen, eine grundhafte Bodensanierung erfolgte bislang nicht.

Das "Integrierte städtebauliche Rahmenkonzept Äußere Oststadt" geht davon aus, dass für die meisten Flächen der Wandel zu einer sensibleren Nutzung aus bodenschutzfachlicher Sicht grundsätzlich möglich ist.

Im Rahmen der Studie sollen unter Beachtung sämtlicher umweltrelevanter und abfallrechtlicher Belange die städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten für das Gebiet in mehreren Varianten untersucht werden. Eine besondere Bedeutung soll dabei der wirtschaftlichen Betrachtung beigemessen werden, um die Altlastensanierung – und damit gleichzeitig die Sanierungskosten – zu minimieren. Der Bedarf an Wohnnebenfunktionen (beispielsweise auch das Stellplatzdefizit der Inneren Oststadt) sowie an Grün- und Freiräumen soll dabei für ein realisierbares Nutzungsszenario herangezogen werden.

Das zu erarbeitende Konzept wird der Stadt Erfurt sowie der Grundstückseigentümerin, der SWE Energie GmbH (SWE E), als Entscheidungshilfe bei der Beurteilung dienen, welche Strategie für die künftige Flächenentwicklung einzuleiten ist, um die erforderlichen planungs- und baurechtlichen Voraussetzungen für eine Folgenutzung zu schaffen.

2.3 Vorhabenbezogener Bebauungsplan KRV684 "Alter Posthof"

Am 03.03.2016 beschloss der Stadtrat der Stadt Erfurt Einleitungs- und Aufstellungsbeschluss, Vorentwurf und frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan KRV684 "Alter Posthof". Die Größe des Plangebietes beträgt ca. 4,3 Hektar, auf der etwa 500 WE vorgesehen sind.

Die Planung befindet sich in Aufstellung.

2.4 Bebauungsplan KRV690 "Geschwister-Scholl-Straße/Iderhoffstraße"

Das Gebiet definiert sich als eine historisch gewachsene Gemengelage ungeordneter gewerblicher Ansiedlungen, Wohnstrukturen (z. T. mit Denkmalstatus) und brachgefallener Flächen. Mittel- bis langfristiges Ziel ist es, die Gemengelage zu entflechten, beeinträchtigende Nutzungen zu verlagern und eine grundstücksbezogene Entwicklung von Wohnen und nicht störendem Gewerbe zu ermöglichen.

Zu den erhaltenswerten Bauten gehören die geschlossene Wohnzeile aus der Gründerzeit entlang der Iderhoffstraße, die zwei einzelnen Kulturdenkmale Geschwister-Scholl-Straße 39 a und b (Fabrikantenvillen), die Wäscherei sowie einige kleinere Nutzungseinheiten.

Die Planung befindet sich in Aufstellung.

2.5 Einfacher Bebauungsplan Blumenschmidtstraße KRV647

Die Planung befindet sich in Aufstellung.

3 Anforderungen an das Energieversorgungskonzept

3.1 Ausgangssituation

Für die Erstellung des Energiekonzepts steht die CO2-Emissionsvermeidung im innerstädtischen Bereich im Vordergrund. Dazu soll ein quartiersweiser Ansatz ein Optimum zwischen den Energieeffizienzmaßnahmen und den Baukosten ermöglichen, damit bezahlbares als auch umweltfreundliches Wohnen in diesem zentrumsnahen Areal ermöglicht werden kann.

Das Konzept soll Wärme und Kälte für den Gesamtkomplex (Quartiere 1 bis 5) umfassen und den Klimaschutzzielen des Landes Thüringen und der Bundesrepublik Deutschland, den Zielen des Energie- und Klimaschutzkonzepts der Landeshaupt Erfurt sowie der versorgungstechnischen Ausgangssituation in den Arealen aufbauen.

Des Weiteren soll ein quartiersweiser Ansatz mit dem Fokus auf Wärme/Kälte verfolgt und dabei auch alternative Energiequellen und Technologien einbezogen werden. Das System ist so modular zu planen, dass es möglich  wird, die jeweiligen Quartiere zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in "zufälliger" Reihenfolge zu erschließen.

3.2 Energie- und Klimaschutzkonzept der Stadt Erfurt

Die Stadt Erfurt hat ein Energie- und Klimaschutzkonzept mit einem entsprechenden Maßnahmenkatalog erarbeitet. In der nachfolgenden Auflistung sind einige wichtige Ziele aus diesem Konzept mit Bezug zur Studie aufgeführt:

  • Senkung der CO2-Bilanz in der Stadt Erfurt bis 2020 um 30 % gegenüber 2008
  • Erhöhung des Anteils KWK-Strom am Gesamtstromverbrauch der Stadt Erfurt auf 550 GWh
  • Erhöhung des EE-Anteils bei der Stromerzeugung auf 200 GWh
  • davon: Erhöhung des PV-Anteils auf 100 GWh
  • Ausbau der Fernwärme zur Erreichung des CO2-Reduktionsziels

Um diese Ziele umsetzen zu können, soll das Fernwärmenetz so ausgebaut werden, dass es als Integrationsplattform für die Hocheffizienz-KWK, für Wärmeerzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien, zur Integration von Wärmespeichern und zur Sektorenkopplung dienen kann. Da es sich bei den einzelnen Quartieren um begrenzte innerstädtische Flächen handelt, ist immer ein Optimum hinsichtlich der Flächengröße für Anlagen zur energieeffizienten Energieerzeugung und für die Schaffung von zentralem Wohnraum zu finden.

Flussdiagramm
Grafik: Erfurter Energiemodell Grafik: © SWE Wärme

3.3 Grundkonzept "Erfurter Modell"

Das Grundkonzept der Wärmeerzeugung/Versorgung der neuen Quartiere zeigt das von der SWE Energie GmbH (SWE E) entwickelte "Erfurter Modell".

Dabei bildet das bestehende und auszubauende Fernwärmenetz mit dem vorhandenen Wärmespeicher das Verbindungsglied zwischen Energieerzeugung (Strom und/oder Wärme) und Wärmeversorgung. Durch das  große Speichervermögen des FW-Netzes (inkl. Wärmespeicher) kann die volatile Produktion von Wärme (KWK-Wärme im GuD-Prozess und bei Sonne zusätzliche solare Wärme) und Strom (KWK-Strom im GuD-Prozess, Wärme aus Elektroheizer oder Wärmepumpe bei Stromüberschuss) ausgeglichen werden.

Damit kann die Energiewende insbesondere auf der Wärmeseite in Städten sehr effektiv unter Nutzung des Fernwärmenetzes erfolgen. Durch die Integration der erneuerbaren Energiequellen in die Wärmebereitstellung kann zudem eine Sicherung bzw. Verbesserung des Primärenergiefaktors erreicht werden. Ein sehr guter Primärenergiefaktor wiederum ist ein entscheidender Punkt für die Schaffung von preiswertem und umweltfreundlichem Wohnraum, gerade in innerstädtischen Ballungsräumen. Die Beibehaltung oder Verbesserung des Primärenergiefaktors ist daher für die Gesamtzielstellung zu beachten.

4 Ergebnis der Studie

Ergebnis der Studie soll die Grobplanung der Energieversorgung Wärme, Kälte/Klima und Strom für die einzelnen Quartiere des Gesamtgebiets als zukunftsweisendes Konzept mit Modellcharakter sein. Sie soll auf den bestehenden Infrastrukturen aufsetzen, erneuerbare Energien einbinden und dabei ein Optimum zwischen der CO2-Einsparung und den Kosten für Infrastrukturen und Gebäude erreichen.

5 Umsetzungsstrategien

Die Energieversorgung ist ein prioritäres Handlungsfeld für den Klimaschutz in Erfurt. Das hierbei gesetzte Leitbild, die Ziele und das Handlungskonzept setzen ein gesamtgesellschaftliches Handeln aller Beteiligten – der Stadt Erfurt, der Erfurter Wirtschaft, der Erfurter Bürger und Investoren voraus. Für die Umsetzung des Energiekonzepts sollen Regelungen zur Verbindlichkeit sowie Möglichkeiten der Implementierung im Rahmen des Baurechts (Bebauungsplan etc.) untersucht werden. Es sind Empfehlungen zu benennen sowie Fördermöglichkeiten zu eruieren, die die Stadt Erfurt in die Lage versetzen, gezielt Maßnahmen zur Umsetzung des Energiekonzeptes anzuwenden bzw. durchzuführen.

Finanzierung Energiekonzept

  • zuwendungsfähige Gesamtkosten: 58.310 Euro
  • EFRE-Finanzhilfen: 46.600 Euro

Projektstand

Beauftragung des Konzepts ist erfolgt.