Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK)

kartografische Darstellung der Stadt Erfurt mit gekennzeichneten Bereichen
Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept gibt als langfristiges, informell angelegtes Planungsinstrument die Leitziele für die Gesamtstadt und ihre räumliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung vor.

Grundlagen

fotorealistische Schrägaufnahme aus der Luft
Foto: Wie und wo kann die Landeshauptstadt wachsen? Foto: © Nürnberg Luftbild

Im sich verschärfenden Standortwettbewerb der Städte bedarf es einer strategischen Stadtentwicklung, die auf gesamtstädtischer Ebene Ziele für die wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und ökologische Entwicklung formuliert. Bereits seit 2008 besitzt die Landeshauptstadt Erfurt ein solches Strategiepapier in Form des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK).

Die Grundlage für dieses Stadtentwicklungskonzept bilden Ausarbeitungen und Konzeptionen zu verschiedenen Fachthemen. Ausgehend von einer Bestandsanalyse und der Untersuchung von Entwicklungstrends der Stadtentwicklung wurden auf Grundlage von 13 vom Stadtrat festgelegten Handlungsfeldern Konzeptbausteine für das Zielkonzept der gesamtstädtischen Entwicklung formuliert.

Das Stadtentwicklungskonzept wurde am 29.10.2008 vom Stadtrat bestätigt. Die in diesem Konzept genannten Visionen für den Zeithorizont bis 2020 sind inzwischen zum Teil Realität geworden. Einige Zielstellungen sind jedoch aus dem heutigen Blickwinkel und der erfreulich positiven Entwicklungsdynamik Erfurts nicht mehr aktuell und müssen zu aktuellen Planungszielen umformuliert werden. Weitere Aspekte hatten in 2008 noch keine Relevanz oder waren schlicht unvorhersehbar; sie müssen aus diesem Grund in die strategischen Ziele zur Stadtentwicklung aufgenommen werden.

Das ISEK wird fortgeschrieben

kartografische Darstellung der Siedlungsstruktur von Erfurt
Grafik: Auszug aus dem ISEK 2030: Die Erfurter Siedlungstypologie Grafik: © Ackers Partner Städtebau

Unter Federführung des Amtes für Stadtentwicklung und Stadtplanung erfolgt aktuell die Überarbeitung bzw. Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes. In einem breiten Arbeits- und Beteiligungsprozess werden Fragen für die stadtspezifische Entwicklung beantwortet, die sich aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Tendenzen ergeben. Dazu gehören zum Beispiel der demografische Wandel, globalisierte Arbeitsstrukturen der Wirtschaft und die Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen.

Eine zunehmende Rolle spielen dabei auch die weichen Standortfaktoren. Denn nur Städte mit einem attraktiven Gesamtpaket aus einem differenzierten Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie Innovationsfähigkeit in den Bereichen Wissenschaft und Kultur, verbunden mit einem lebenswerten Umfeld für alle Generationen und Ansprüche haben in Zukunft die Chance auf eine dynamische Stadtentwicklung.

Ihre persönlichen Visionen für die Landeshauptstadt Erfurt von morgen

Während der Fortschreibung bieten sich Ihnen verschiedene Themen und Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. Informieren Sie sich auf dieser Seite über die bisherigen Beteiligungen.

In Kürze erhalten Sie an dieser Stelle Informationen zur nächsten Beteiligung. Nehmen Sie daran teil, Ihre persönliche Meinung ist uns sehr wichtig!

Bisherige und aktuelle Bürgerbeteiligungen:

  • 29. Juni 2015: Informationsveranstaltung zur ISEK-Fortschreibung im Erfurter Rathaus
  • 16. Oktober 2015 bis 31.01.2016: Fortschreibung der Handlungsfelder
  • 13. November 2015 bis 31.01.2016: Fragen zur Erfurter Stadtentwicklung

Fortschreibung der Handlungsfelder

In einem arbeitsintensiven Verfahren aus Beteiligungen betroffener Ämter, Diskussionsrunden mit den Fraktionen des Stadtrates und auch der Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger Ende Juni 2015 sind die folgenden 11 Handlungsfelder entstanden. Die Handlungsfelder sind jeweils untergliedert in die Bereiche "Wo stehen wir heute?" (Status Quo) und "Was möchten wir bis zum Jahr 2030 erreichen"? (Ziele).

Im Rahmen einer Beteiligung konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Anmerkungen, Änderungen und Ergänzungswünsche zu den Handlungsfeldern einreichen. Die eingegangenen Stellungnahmen werden derzeit erfasst und für die Abwägung aufbereitet. In Kürze erhalten Sie an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Bürgermeinungen.

11 Handlungsfelder (Stand: Oktober 2015)

1 | Wirtschaft, Arbeit, Handel

Status Quo

  • hohe Standortgunst mit einer hochwertigen infrastrukturellen Anbindung
  • starke Pendlerverflechtungen, insbesondere innerhalb der Impuls-Region, mit deutlichem Einpendler-Überschuss
  • vielfältiger Branchenmix mit hohem Anteil mittelständischer Unternehmen
  • zunehmende Flächenknappheit für großflächige Gewerbeansiedlungen
  • zahlreiche freie, jedoch schwer entwickelbare Alt-Gewerbeflächen
  • verbesserungsfähige Zusammenarbeit mit Umlandgemeinden bei Gewerbeansiedlungen
  • Industriegebiet Erfurter Kreuz ist Konkurrenzstandort in direkter Nähe zum Stadtgebiet
  • deutliche Konzentration auf Logistikbranche birgt Zukunftsrisiken
  • hohe Einzelhandelszentralität und oberzentrale Versorgungsfunktion
  • attraktive Einzelhandelsstruktur steht in wachsender Konkurrenz zu randstädtischen ShoppingCentern und Onlinehandel
  • Verdrängungswettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel gefährdet fußläufige Versorgung
  • innovative Wirtschaftsverflechtungen in Clustern sowie Zusammenarbeit der ansässigen Wirtschaft mit Wissenschaft und Forschung sind schwach entwickelt
  • Forschungssektor ist zudem durch geringen Arbeitsplatzanteil des produzierenden Gewerbes in seiner Entwicklung gehemmt
  • branchenübergreifende und gesamtstädtische Zunahme an Arbeitsplätzen
  • hoher Arbeitsplatzanteil in Dienstleistung und Verwaltung
  • branchenspezifischer Fachkräftemangel
  • stark ausgeprägter Niedriglohnsektor
  • hohe und nur schwach abnehmende Anzahl an Transferleistungsempfängern

Ziele

  • strategische Ansiedlungspolitik auf  höherwertiges, flächensparendes und gleichzeitig arbeitsplatzintensives Gewerbe ausrichten
  • gesamtstädtisches Gewerbeflächenmanagement aufbauen und etablieren
  • Gewerbeflächen mit hoher Standortgunst bereitstellen
  • Wirtschaftsstruktur vor Ort stärker mit Wissenschaft/Forschung vernetzen
  • Bekanntheitsgrad des Wirtschaftsstandortes Erfurt in Europa steigern
  • gemeinsame Strategie zur Gewerbeansiedlung im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit erarbeiten und verfolgen
  • Impuls-Region, Technologiedreieck Erfurt/Jena/Ilmenau und Industriegebiet Erfurter Kreuz intensiver in die Clusterbildung innovativer Branchen einbeziehen
  • Messe- und Kongressstandort durch oberzentreale Einrichtungen wie z.B. der Messe, Multifunktionsarena und ICE-City etablieren und diese als Wachstumskerne der Stadtentwicklung nutzen
  • Mittelstandsförderung fortsetzen und verstärken
  • regionale Wirtschaftskreisläufe und Traditionsbranchen für ein resilientes System stärken
  • klare Nutzungsprofile für die einzelnen Gewerbestandorte entwickeln
  • Logistikbranche ausschließlich qualitativ ausweiten
  • Anziehungskraft des innerstädtischen Einzelhandels weiter ausbauen
  • Einzelhandels- und Zentrenstrategie fortschreiben, stetig an neue Trends anpassen und weiterhin konsequent umsetzten
  • Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und -gewinnung durchführen
  • Stärkung des produzierenden Gewerbes

2 | Bildung

Status Quo

  • vielfältige Angebotslandschaft im gesamten Bildungsbereich
  • breites Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten bei stetigem Ausbau der Kinderbetreuungsplätze (v.a. für Kinder unter zwei Jahre)
  • Vielzahl an Schularten in kommunaler und freier Trägerschaft
  • breites Angebot an beruflicher Ausbildung von staatlichen und freien Trägern
  • drei Hochschulen und eine Berufsakademie sind Standortfaktoren mit steigender überregionaler Bedeutung und strahlen zunehmend über die Region aus
  • bildungsrelevante Akteure arbeiten in verschiedenen thematischen Netzwerken und Arbeitsgemeinschaften zusammen
  • zunehmende Kapazitätsprobleme bei Kitas und Schulen durch wachsende Bevölkerung infolge von Zuwanderung
  • Defizit an hochschul- und wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen
  • milieu- und geschlechtsspezifische Ungleichheiten hinsichtlich Bildungsteilhabe
  • Qualität des Bildungsangebotes ermöglicht die Wettbewerbsfähigkeit von Absolventen der Erfurter Schulen und Hochschulen auf dem nationalen und europäischen Arbeitsmarkt

Ziele

  • ausgewogenes Netz von Bildungseinrichtungen stärken
  • Zugang zu Bildungsangeboten hinreichend erleichtern, um  soziale Durchmischung und Bildungsgerechtigkeit sowie Chancengleichheit für alle Generationen zu forcieren
  • Bildung für Nachhaltige Entwicklung als wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Bildungspolitik etablieren
  • Qualität des Bildungsangebots durch stetige Weiterbildung des pädagogischen Personals sichern
  • Investitionsprogramme von Kindertageseinrichtungen sowie allgemein- und berufsbildende Schulen koordinieren und erheblich ausweiten
  • langfristige Bedarfsplanungen in den Bereichen Kita und Schule aufstellen
  • Jugendbildung und -arbeit fördern
  • professionelle Studien- und Berufsorientierung mit offensiver Integration von Menschen mit Migrationshintergrund schaffen
  • Angebote der wirtschaftsnahen beruflichen Aus- und Weiterbildung ausbauen
  • Institutionen und Forschungseinrichtungen in Zukunftsbranchen akquirieren
  • Synergieeffekte zwischen Bildung, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung sowie zwischen öffentlichen und freien Institutionen besser nutzen
  • Projekte und Maßnahmen für Toleranz sowie Gewaltfreiheit und gegen Fremdenfeindlichkeit unterstützen

3 | Mobilität, Verkehr

Status Quo

  • sehr gute Anbindung an überregionale und europäische Verkehrsnetze per Straße (A4, A71) und Schiene (ICE-Knoten, Güterbahnhof)
  • Regionalflughafen Erfurt-Weimar ist infrastrukturell attraktiv an das Stadtgebiet angebunden
  • insgesamt hoher Ausbaustand der Verkehrssysteme MIV, ÖPNV und Bahn
  • hocheffizientes Stadtbahnnetz versorgt in ihrem Einzugsbereich ca. 85% der Erfurter Bevölkerung
  • gute ÖPNV-Anbindung der Ortschaften an die Kernstadt
  • steigende Mobilitätskosten im ÖPNV
  • demografischer Wandel verändert Anforderungen an Infrastruktur und ÖPNV
  • Investitionen in Unterhalt der Straßeninfrastruktur nicht Wert erhaltend
  • Nutzung des betrieblichen Mobilitätsmanagements ausbaufähig
  • innerstädtischer Stellplatzmangel aufgrund zahlreicher Bebauungen von ehemals als Stellplatz genutzten Brachflächen
  • trotz positiver Entwicklung Defizite im Bereich Nahmobilität (=Fuß- und Radwegenetz)
  • teilräumlich deutlicher Konflikt zwischen Aufenthaltsqualität und verkehrlicher Nutzung von öffentlichem Raum
  • Konzeption "Begegnungszone Innenstadt" als Grundlage zur Erhöhung der Aufenthalts- und Wohnqualität in der Innenstadt

Ziele

  • Verkehrsverbund Mittelthüringen strategisch weiterentwickeln (z.B. Ausbau von S-Bahn-Verbindungen von/nach Weimar, Jena und Gotha)
  • Marktnischen für den Flughafen stadtverträglich nutzen
  • Modal-Split zugunsten des Umweltverbundes ausbauen
  • kommunales Mobilitätsmanagement unter Umweltaspekten weiter entwickeln
  • verkehrsbedingte Umweltbelastungen in beeinträchtigten Wohngebieten weiter reduzieren
  • selbstbestimmte Mobilität für alle Nutzergruppen ermöglichen
  • Verkehrssicherheit erhöhen
  • ÖPNV weiter in der Mitte der Gesellschaft verankern
  • bezahlbaren ÖPNV für alle Nutzergruppen sicherstellen
  • Parkraumbewirtschaftung in die Tarifgestaltung des ÖPNV einbeziehen
  • Hauptarbeitsstandorte auf attraktive Weise mit ÖPNV erschließen
  • bedarfsgerechte Anbindung der Ortschaften durch den ÖPNV erhalten
  • künftigen ÖPNV-Ausbau bei neuen Flächenentwicklungen berücksichtigen (Vorhaltetrassen)
  • unverzichtbares Infrastrukturnetz werterhaltend absichern
  • innerstädtisches Straßennetz stadtverträglich und nutzungsgerecht umbauen
  • notwendigen und bedarfsdeckenden Parkraum für Besucher der Innenstadt sichern
  • Fuß- und Radwegenetz ausbauen und aufwerten
  • "Begegnungszone Innenstadt" als spezifisches Erfurter Markenzeichen bekannt machen und konsequent umsetzen (inkl. effektive Parkraumbewirtschaftung, Erweiterung des P&R-Angebots)

4 | Wohnen

Status Quo

  • angespannter Wohnungsmarkt mit ausdifferenzierter Angebots- und Nachfragestruktur
  • Leerstandsquote liegt bei ca. 2% im Wohnraumbestand der Gesamtstadt
  • sanierbare Wohnungsmarktreserven im Altbau sind weitgehend ausgeschöpft
  • verfügbare innerstädtische Brachflächen für den Wohnungsbau in absehbarer Zeit entwickelt
  • ungebrochen hohe Nachfrage nach innerstädtischen Wohngebieten (Altstadt und Gründerzeitgürtel) ermöglicht kompakte Siedlungsstruktur
  • steigende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum (v.a. für Familien mit Kindern, Senioren und Zuwanderern aus dem Ausland) kann kaum noch bedient werden
  • wirkungsvolle Instrumentarien zur Intensivierung des sozialen Wohnungsbaus fehlen weiterhin
  • fehlende Wohnbaulandbevorratung der Stadt führt zu einer geringen Einflussmöglichkeit auf den Wohnungsneubau
  • zunehmende Nachfrage auf dem EFH-Gebrauchtmarkt, Marktanteile im EFH-Neubau verharren auf niedrigem Niveau
  • wachsende Nachfrage nach Wohnraum birgt die Gefahr einer unkontrollierten Zersiedelung durch EFH-Gebiete in den Ortsteilen und im Umland
  • in Hauptverkehrslagen schränken Umweltbelastungen die Wohnqualität ein
  • wohnungsbezogene Freiräume sind teils von geringer Qualität oder fehlen völlig

Ziele

  • Erfurt als attraktiven Wohnstandort in der Region weiterentwickeln
  • nachfragegerechte Vielfalt an bezahlbaren Wohnungsangeboten weiter ausbauen
  • barrierearmen, bezahlbaren Wohnraum fördern
  • schnell wirkungsvolle Instrumente und Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen
  • zukunftsfähige sowie spezielle Wohnformen wie Mehrgenerationshäuser, Baugruppen, Bauherrengemeinschaften etc. fördern und unterstützen
  • innenstadtnahe Flächen für den Wohnungsbau aktivieren (Flächenrecycling)
  • neuen Wohnraum vorrangig an bestehenden ÖPNV-Achsen konzentrieren
  • Ortsteile mit guter ÖPNV-Anbindung maßvoll entwickeln
  • dörflich geprägte Ortsteile in ihrer Qualität weiter stärken und den Bezug zur Landschaft erhalten
  • soziale Durchmischung in allen Stadtteilen fördern
  • Zuwanderern und Flüchtlingen möglichst schnell den Umzug in normale, bezahlbare Wohnformen ermöglichen
  • wohnungsnahe Freiräume unter Beachtung einer hinreichenden Barrierearmut aufwerten bzw. neu schaffen
  • positive Charakteristiken der Stadtteile herausstellen und zur "Adressbildung" nutzen

5 | Freiraum für Freizeit

Status Quo

  • hohe Lebensqualität durch attraktives Stadtbild mit vielerorts guter Erlebbarkeit identitätsstiftender historischer Bezüge
  • hohe Aufenthaltsqualität in der Altstadt
  • wenige qualitativ hochwertige Naherholungsräume in kurzer Distanz zur Kernstadt
  • stadtteilbezogen häufiger Mangel an ausreichenden Freiraumangeboten
  • Verkehrstrassen riegeln Verbindungen in den westlichen und nordöstlichen Landschaftsraum ab
  • Mangel an Grünverbindungen innerhalb der Kernstadt sowie zwischen Stadt und Umland
  • Wasserläufe im Stadtgebiet teilweise nicht erlebbar
  • teils noch nicht öffentlich zugängliche Wasserflächen im Norden der Stadt, bedingt durch den Kiesabbau
  • geringe Gestaltqualität der agrarindustriell geprägten Stadtlandschaft
  • teils beeinträchtigte Erholungsfunktion von Freiflächen durch Verkehrsemissionen, Leitungstrassen sowie Windpark- und Photovoltaikanalagen
  • Konflikte durch Nutzungskonkurrenzen in öffentlichen Freiräumen
  • häufig ausschließlich vereinssportgebundene Nutzung von Sportflächen in Grünanlagen und Parks
  • Spielflächen weisen starke Unterschiede in ihrer Qualität auf
  • zunehmender Kostendruck bei kommunalen Freizeiteinrichtungen
  • zunehmende Eventisierung der Innenstadt durch Veranstaltungen
  • teilweise unzureichende Veranstaltungsmöglichkeiten in den Stadtteilen

Ziele

  • Ästhetik des Landschaftsraumes erhalten
  • besondere Orte und Aufenthaltsräume im Freiraum sichern und als Identifikationspunkte einsetzen
  • öffentliche Freiräume barrierefrei gestalten
  • gesamtstädtische Erholungsgebiete stärken
  • Wasserläufe zu Stadtbild bestimmenden Grünachsen entwickeln und für die Naherholung zugänglich machen
  • Erfurter Seen zum Stadtgebiet hin öffnen und in den Grünverbund integrieren
  • Aufenthaltsqualität in den Wohngebieten erhalten und verbessern
  • fußläufig erreichbare Grüninseln in verdichteten Quartieren schaffen und Qualität vorhandener Freiflächen sichern
  • öffentlich zugängliches und vernetztes Freiraumsystem aus Wegeverbindungen, Parks, Plätzen und Alleen, auch zwischen Kernstadt und Ortschaften aufbauen
  • Grünstrukturen als Nahtstellen zwischen Siedlungsflächen sichern
  • stadt- und wohnortnahe Erholungsgebiete und Kulturlandschaften durch Wander- und Radrouten erschließen
  • Angebotsqualität an freiraumbezogenen Freizeitmöglichkeiten sichern und erweitern
  • soziokulturelle Freizeiteinrichtungen zur Identitätsförderung schaffen

6 | Kultur

Status Quo

  • sehr vielfältiges Angebot an Breiten- und Spitzenkultur sowie speziellen Kulturangeboten
  • sehr hohe Diversifizierung der Kulturangebote, Besetzung von Randthemen
  • Mangel an Alleinstellungsmerkmalen, wenig Strahlkraft über die Grenzen der Stadt hinaus
  • unterfinanzierte Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung des Kulturangebotes
  • regionale Schwerpunktsetzung durch kulturelle Jahresthemen
  • strategische Entwicklung der Kultur (Zielrichtung für die Gesamtstadt, Freizeit- und Vermarktungsbaustein etc.) weiterhin deutlich ausbaufähig
  • unzureichende Vernetzung der kulturellen Angebote untereinander
  • unzureichende Profilierung einiger Einrichtungen

Ziele

  • Kultur als wesentliche Brücke zur Integration und Entwicklung der multikulturellen Stadtgesellschaft nutzen
  • Kulturangebote für alle Bevölkerungsgruppen unterstützen und den künftigen Erfordernissen anpassen
  • Kulturförderung optimieren (Ausgleich zwischen hochsubventionierter Hochkultur und lebendiger alternativer Kulturszene)
  • vielseitige, kreative Kulturszene mit Hilfe von freien Künstlern und ehrenamtlich tätigen Menschen weiter entwickeln, um den Zugang zur Sozio- und Breitenkulturarbeit für alle Bevölkerungsschichten zu erleichtern
  • Öffentlichkeitsarbeit und überregionales Marketing wesentlich verbessern
  • kulturelle Angebote stärker in das Wirtschafts- und Standortmarketing einbinden
  • Profil der einzelnen Kultureinrichtungen schärfen
  • hochqualifizierte Museen untereinander vernetzen und mit dem Ziel einer überregionalen Strahlkraft positionieren
  • historische Orte im Stadtbild thematisch vernetzen
  • professionelles Kulturmanagement für optimale Synergieeffekte und dessen Förderung etablieren

7 | Sport

Status Quo

  • breit gefächertes Angebot zur sportlichen Betätigung für die gesamte Bevölkerung in kommunalen und vereinseigenen Sportstätten, bei kommerziellen Sportanbietern und auf öffentlichen Freiflächen
  • über 30.000 vereinsgebundene Sporttreibende in der Erfurter Bevölkerung
  • Austragungsort von bedeutenden internationalen und nationalen Wettkämpfen in der Leichtathletik, im Eisschnelllauf und im Radrennsport
  • Austragungsort einer Vielzahl von Deutschen und Thüringer Meisterschaften, besonders Kinder-, Jugend- und Seniorensport sowie weiterer nationaler und regionaler Wettkämpfe in vielen Sportarten
  • spezielle Sondersportanlagen für Training im Leistungssport (Eissportzentrum, Leichtathletikhalle, Radrennbahn), die auch dem Breiten- und Schulsport zur Verfügung stehen
  • teilräumlicher Mangel an Turn- und Schwimmhallen
  • sehr unterschiedliche Qualität der Sportstätten
  • Sanierungs- und Modernisierungsstau wird zunehmend Problem der Sport- und Vereinsentwicklung
  • erheblicher Sanierungsbedarf in Schulsporthallen wird schrittweise beseitigt
  • steigende Anzahl an immer kleiner werdenden Trainingsgruppen führt zu steigendem Bedarf an Trainingszeiten bei gleichzeitig sinkender Auslastung der Sportstätte

Ziele

  • Breitensport ausbauen, indem ein gleichberechtigter Zugang aller Bevölkerungsgruppen zum vereinsgebundenen Sport sowie zu Angeboten im öffentlichen Raum gesichert wird
  • Sport als Sozialsystem mit vielfältigen Integrationspotenzialen festigen
  • integrative Wirkung des Sports gegen Extremismus und Gewalt nutzen
  • Multifunktionsarena als Anziehungspunkt mit überregionaler Strahlkraft auch für den Sport nutzen
  • Wettkämpfe mit nationaler und internationaler Ausstrahlung akquirieren
  • wohnortnahe Sportstätten und -angebote sicherstellen und qualitativ ausbauen
  • vorrangig bestehende Sportstätten bedarfsgerecht modernisieren und sanieren
  • effiziente Auslastung der Sportinfrastruktur schaffen
  • qualitativen Sportanlagenbau im Hinblick auf demografische Entwicklung verfolgen
  • bestehende Sportplatzanlagen zu "familienfreundlichen Sportplätzen" umgestalten bzw. ergänzen
  • Sportvereine bei der Bereitstellung von Infrastruktur unterstützen (Zuschüssen entsprechend der Sportförderrichtlinie)

8 | Ortschaften

Status Quo

  • Zustand und Aufenthaltsqualität der öffentlichen Straßen und Plätze der Ortschaften haben sich maßgeblich verbessert
  • historische Merkmale des baulich-räumlichen und landschaftsräumlichen Erscheinungsbildes der Ortschaften werden zunehmend überlagert durch Bild- und Funktionselemente städtischer Siedlungen
  • Ortschaften sind gut über den ÖPNV mit der Kernstadt verbunden
  • Ortschaften verfügen über differenzierte Ausstattung an Gemeinbedarfseinrichtungen (Kindertagesstätten, Grundschulen, Bürgerhäuser, Jugendclubs, Sportstätten, Kirchen und Feuerwehren)
  • medizinische Versorgung sowie mit Gütern des täglichen Bedarfs erfolgt überwiegend durch die Versorgungseinrichtungen im kompakten Stadtkörper
  • Leerstand von ehemals landwirtschaftlich genutzten baulichen Anlagen in den Ortschaften
  • Rückgang der landwirtschaftlichen Erwerbsgrundlagen und Spezialisierung unter den verbliebenen bzw. wieder eingerichteten Betrieben

Ziele

  • historische Ortskerne revitalisieren und sichern, um Ortschaftsprofile zu festigen
  • dörflich geprägte Ortsteile in ihren Strukturen erhalten, Überformungen verhindern und auf maßvolle Weise zur demografischen Stabilisierung entwickeln
  • Siedlungsränder der Ortschaften (Grün, Freiraum und Landschaft) stabilisieren und erhalten
  • regionale Entwicklungskonzepte mit benachbarten Orten der angrenzenden Landkreise erarbeiten und verfolgen
  • bedarfsgerechte und attraktive Anbindung der Ortschaften durch den ÖPNV aufrechterhalten
  • gegenüber innovativen Bedienungskonzepten zur Anbindung der Ortsteile offen sein (bedarfsgerechtes Angebot erhalten und entwickeln)
  • Nahversorgung langfristig sichern
  • soziale und kulturelle Entwicklung sowie die Schulstandorte in den Ortschaften fördern
  • ortsprägende und individuelle Traditionsklein- und Kleinstbetriebe der Landwirtschaft fördern
  • auf eine regionale und ökologische Landwirtschaft orientieren
  • bauliche Gesamtanlagen durch tragfähige Nutzungskonzepte für landwirtschaftlich geprägte Baustrukturen langfristig erhalten

9 | Soziale Infrastruktur

Status Quo

  • Grundversorgung mit sozialer Infrastruktur weitgehend vorhanden
  • gute medizinische Grundversorgung
  • massive Ausdehnung der Einzugsbereiche und somit Abnahme des Stadtteilbezugs
  • soziale Unterschiede zwischen den Stadtteilen erfordern spezifische Angebote
  • fortschreitender sozialer Wandel führt zu veränderten lebensstilbedingten Anforderungen an die Infrastruktur
  • steigende Nachfrage nach differenzierten pädagogischen Konzepten und sozialer Kommunikation bei Kinderbetreuungsangeboten
  • Forderung nach hochwertiger und bezahlbarer Kinderbetreuung
  • steigende Nachfrage nach temporären Unterkünften für Flüchtlinge
  • Zuzug von Immigranten erfordert Integration verschiedener Kulturen

Ziele

  • wohnortnahe und gute medizinische Versorgung erhalten, Prinzip "Ambulant vor Stationär"  verfolgen
  • Erfurt als kinder- und familienfreundliche Stadt durch die Schaffung einer bedarfsgerechten und bezahlbaren Kinderbetreuung weiter profilieren, welche jedem Kind unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status der Eltern gleichermaßen zur Verfügung steht
  • soziale Infrastruktur durch qualitative Verbesserungen in der Betreuung und Bereitstellung bedarfsgerechter Einrichtungen stadtteilspezifisch stärken
  • Vielfalt der sozialen Angebote erhalten
  • bestehende Hilfesysteme zur Sozialraumstabilisierung vernetzen
  • Inklusion ermöglichen - vorhandene soziale Einrichtungen für Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren sowie Menschen mit Behinderungen in allen Ortsteilen bedarfsgerecht entwickeln
  • über das gesamte Stadtgebiet verteilte, menschenwürdige Unterbringungen sowie Betreuungsmöglichkeiten zur Integration von Flüchtlingen rasch bereitstellen
  • Beratungsstellen für Einheimische und Immigranten qualifizieren, um kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden

10 | Generationengerechte Stadt

Status Quo

  • steigende Nachfrage nach generationsübergreifenden Bildungs- und Betreuungsangeboten
  • vielfältige stadträumliche Defizite hinsichtlich Barrierearmut und Behindertengerechtigkeit
  • Mangel an Wohnraum für benachteiligte Bevölkerungsgruppen
  • Senioren sind die am stärksten anwachsende Bevölkerungsgruppe mit einer zunehmenden Differenzierung ihrer Lebensmodelle und -lagen
  • steigende Anzahl an Pflege- und Betreuungsbedürftigen
  • Gefahr der Isolation und Vereinsamung von Senioren und Menschen mit Behinderungen
  • steigender Bedarf an altersgerechten, barrierearmen, bezahlbaren Wohnangeboten außerhalb von Pflegeheimen

Ziele

  • Mehrgenerationsangebote ausbauen
  • Entwicklungsmöglichkeiten für zukünftige Generationen offenhalten
  • Stadtentwicklung mit dem Ziel der hohen Lebensqualität für alle Generationen fördern
  • generationsgerechte Stadtgestaltung und Stadtmöblierung
  • Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sicherstellen, so auch für Senioren, Pflegebedürftige und Alleinerziehende etc.
  • Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden fördern und im Alter verbessern
  • Einbringen von individuellen Kompetenzen Aller in das Gemeinwesen
  • Kinder-, jugend- und familienfreundliche Angebote fördern
  • bedarfsgerechtes und bezahlbares Angebot an Betreuung, sozialen Einrichtungen sowie Sport- und Freizeitstätten mit barrierefreiem Zugang sichern
  • Zugänglichkeit wohnortbezogener Nahversorgung für mobilitätseingeschränkte Personen sichern
  • barrierefreie Nutzung des Bildungsangebotes ermöglichen
  • altersgerechtes Wohnen und Seniorenbetreuungsangebote über das gesamte Stadtgebiet verteilen
  • ältere und behinderte Mitmenschen zur aktiven Teilnahme am Alltag und zum aktiven Ehrenamt motivieren

11 | Klimaanpassung und Resilienz

Status Quo

  • internationale, europäische und nationale Klimaschutzziele blieben bisher weitgehend wirkungslos
  • Umbruch in der Energiewende – inzwischen zahlreiche Projekte für eine dezentrale Energieversorgung gestartet
  • zunehmende klimatische Belastungen und Schadensfälle durch Extremwetterlagen beeinflussen die regionale Ebene
  • trotz steigender Energiekosten weiterhin hohe Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
  • Ressourcenknappheit erfordert Energieeffizienz und verwandelt sie zum Symbol für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort
  • trotz Etablierung erneuerbarer Energien bleibt Ausbaubedarf hoch
  • Flächeninanspruchnahme für erneuerbare Energien treten in Nutzungskonkurrenz zu Flächenbedarfen der wachsenden Stadt
  • Anpassungsbedarf bei der technischen Infrastruktur der Energieversorgungsunternehmen
  • Akzeptanzprobleme und räumliche Widerstände gegenüber Windparkanalagen und Leitungstrassen
  • Reduktion von Ressourcenverbrauch in allen Bereichen notwendig

Ziele

  • im Umgang mit sich ändernden Klimabedingungen Resilienz stetig erhöhen
  • neue Flächenversiegelungen nach den Vorgaben der kompakten Stadt nachhaltig minimieren
  • gebietskörperschaftsübergreifendes Flächenmanagement zur Reduzierung des Flächenverbrauches initiieren
  • Stadt Erfurt baut ihre Vorbildfunktion hinsichtlich der Umstellung des Energiebedarfs kommunaler Liegenschaften auf regenerative Energien aus
  • Retentionsräume in hochwassergefährdeten Bereichen erweitern
  • Hochwasserschutz kontinuierlich weiter ausbauen und orts- und landkreisübergreifend vorbereiten
  • Grünachsen für ausreichende Frisch- und Kaltluftzufuhr freihalten
  • erneuerbare Energien fördern und bei deren Planungen im Hinblick auf steigende Flächenknappheit interkommunal kooperieren
  • Fernwärme ausbauen und verdichten
  • Stromeigenerzeugung durch dezentrale Photovoltaik-Anlagen fördern
  • "Bürgerenergie" weiter stärken – Bürgerengagement zum Klimaschutz weiter fördern
  • regionale Energie- und Klimaschutzkonzepte erarbeiten und realisieren

Fragen zur Erfurter Stadtentwicklung

Sprechblasen mit Fragen
Grafik: ISEK-Plakataktion: Fragen zur Stadtentwicklung Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Zeitgleich zur Fortschreibung der Handlungsfelder (siehe oben) fand eine weitere Bürgerbeteiligung zu Fragen der Erfurter Stadtentwicklung statt. Insgesamt zehn emotionale Fragen sollten persönlich und völlig ohne Vorgaben beantwortet werden. Gefragt wurde, wie sich die Erfurterinnen und Erfurter ihre Stadt im Jahr 2030 vorstellen. Neben den offen gestellten Fragen konnte zusätzlich ein Fragebogen zu den Themen Wohnen, Gewerbe, Freizeit und Erholung sowie Bürgerbeteiligung beantwortet werden.

Die zehn Fragen zur Erfurter Stadtentwicklung

  1. Wo und in welcher Form kann/ soll die Stadt Erfurt weiter wachsen?
  2. Was ist uns an unserer Stadt wirklich wichtig?
  3. Wie wollen wir in Erfurt künftig wohnen?
  4. Was können wir uns überhaupt noch leisten?
  5. Wie wollen wir uns in Erfurt künftig bewegen?
  6. Wo sind unsere (unausgesprochenen) Heiligtümer*?
  7. Wie gehen wir mit Klimawandel und Ressourcenknappheit um?
  8. Wovon werden/ können wir künftig (wirtschaftlich) leben?
  9. Wie gehen wir mit sozialen Spannungen in der Stadt um?
  10. Wird Erfurt mit Weimar, Jena und Gotha eine Regiopol-Region?

Die eingegangenen Antworten der Erfurterinnen und Erfurter werden derzeit erfasst. In Kürze erhalten Sie an dieser Stelle eine Aufbereitung der Antworten.