Verkehrsentwicklungsplan Teilkonzept Innenstadt

Seit 2010 wurde der Verkehrsentwicklungsplan für die Erfurter Innenstadt durch das Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung erarbeitet. Dieser wurde im Juli 2012 einstimmig durch den Stadtrat beschlossen.

Ausgangssituation und Ziele

Kutsche und Straßenbahn
Foto: Marktstraße Foto: © Barbara Neumann

Auf Grund der herausragenden Bedeutung der Erfurter Innenstadt und dem hier bestehenden Handlungsdruck wurde in einem ersten Schritt das Teilkonzept "Innenstadt einschließlich Wirtschaftsverkehr" fertiggestellt. Dieser schreibt die Leitbilder und Ziele bezüglich der einzelnen Verkehrsarten für die kommenden 10 bis 15 Jahre für die Erfurter Innenstadt fest.

Das bereits in den 1970er Jahren erarbeitete und schrittweise umgesetzte Innenstadtverkehrskonzept bildete die Grundlage für die heute vorhandene Verkehrserschließung in einer Verkehrszellenstruktur. Dieses System hat sich sehr gut bewährt. Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplanes 1994 wurde dieses Konzept konsequent unter den neuen Gegebenheiten weiterentwickelt. Zielstellungen waren eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt mit ÖPNV und Individualverkehr sowie eine hohe Aufenthaltsqualität durch Verkehrsberuhigung in den Straßen der innerstädtischen Quartiere.

Aktuell zu beobachtende Entwicklungstendenzen sowie neue Zielstellungen, die Ergebnisse der durchgeführten Mängelanalyse und die Hinweise aus dem Beteiligungsverfahren erforderten eine grundsätzliche Überprüfung und Fortschreibung der Zielstellungen für die Verkehrsentwicklung der Innenstadt.

das Erfurter Rad, zwischen den Speichen sind die verschiedenen Fortbewegungsmittel dargestellt., Schrift "Begegnungszone Innenstadt Erfurt"
Grafik: Vorschlag für das Logo der Begegnungszone Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Die nun vorliegende Planung zeigt Handlungskonzepte insbesondere für eine weitergehende Verkehrsberuhigung zur Erhöhung der Aufenthalts- und Wohnqualität in den Straßen und Quartieren der Innenstadt und die Organisation des ruhenden Verkehrs auf.  Das Ziel ist eine wirksame Qualitätsverbesserung für Fußgänger und Radfahrer und eine verbesserte Organisation des Wirtschafts- und Lieferverkehrs in der Innenstadt. Kernidee dieses integrierten Verkehrskonzeptes ist eine "Begegnungszone Innenstadt", in der dem Zufußgehen und dem Verweilen ein besonderer Vorrang eingeräumt wird.

Die "Begegnungszone Innenstadt" soll vielmehr ein spezifisches Erfurter Markenzeichen werden, mit dem die vorgesehenen, oben dargestellten verkehrlichen und städtebaulichen Charakteristika in die Öffentlichkeit vermittelt und einprägsam kommuniziert werden können.

(Zitat aus dem Verkehrsentwicklungsplan Erfurt – Teil Innenstadt).

Stadtplanausschnitt mit farblich markierten Gebieten
Geltungsbereich: Lageplan Begegnungszone Geltungsbereich: © Stadtverwaltung Erfurt

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Planungsprozess

Der Planungsprozess wurde in einer offenen Form unter regelmäßiger Beteiligung von Vertretern der Stadtratsfraktionen, der interessierten Verbände und Interessenvertreter in drei Workshops durchgeführt.

Parallel hatte die breite Öffentlichkeit die Möglichkeit einer Beteiligung in einem Internetforum, was auch vielfältig angenommen wurde. Am 18.07.2012 wurde die Drucksache 0160/12 "Verkehrsentwicklungsplan Erfurt Teil Innenstadt einschließlich Wirtschaftsverkehr" durch den Stadtrat beschlossen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet die Begegnungszone?

Die Begegnungszone ist ein klar definierte zentrales, städtebaulich wie touristisch exponiertes Gebiet innerhalb der Erfurter Innenstadt. Dem Zufußgehen und dem Aufenthalt soll der Vorrang eingeräumt und der Kfz-Verkehr auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden.

Straßenverkehrsrechtlich soll die "Begegnungszone Innenstadt" mit Fußgängerbereichen oder verkehrsberuhigten Bereichen nur noch zwei unterschiedliche Regelungen umfassen. Alle in diesem Gebiet vorhandenen öffentlichen Stellplätze werden ausschließlich Bewohnern, mobilitätsbeeinträchtigten Personen sowie zum Laden und Liefern zur Verfügung stehen. Damit wird erreicht, dass der Parksuchverkehr deutlich abnimmt. Die Kfz-Erreichbarkeit ist dennoch für jedermann jederzeit gewährleistet.

Das Zeichen "Begegnungszone" ist in Deutschland kein StVO-konformes Zeichen, sondern soll als ein besonderes Erfurter Markenzeichen etabliert werden.

Wird die gesamte Innenstadt zur Begegnungszone?

Nein, die Begegnungszone bezieht sich vor allem auf die Fußgängerzonen, bedeutende Plätze, Aufenthaltsbereiche sowie kulturell, historisch und touristisch bedeutsame Adressen. Auf dem Lageplan ist das Gebiet blau gekennzeichnet. Die Begegnungszone wird eingegrenzt von folgenden Straßen:

  • Holzheienstraße
  • Theaterplatz
  • Maximilian-Welsch-Straße
  • Lauentor
  • Andreasstraße
  • Große Ackerhofsgasse
  • Venedig
  • Augustinerstraße
  • Johannesstraße
  • Anger
  • Neuwerkstraße
  • Eichenstraße
  • Regierungsstraße

Wer darf in die Begegnungszone einfahren?

Die Erreichbarkeit für den Kraftfahrzeugverkehr bleibt für jedermann jederzeit bestehen. Um den Verkehr auf das unbedingt notwendige Maß zu reduzieren werden Durchfahrten wie die Meister-Eckehart-Straße gesperrt und die Stellplätze innerhalb der Begegnungszone für Bewohner, mobilitätsbeeinträchtigte Personen sowie auf Laden und Liefern beschränkt. Für Besucher stehen außerhalb der Begegnungszone in den Parkhäusern sowie im Straßenraum zahlreiche Stellplätze zur Verfügung. Über das vorhandene Parkleitsystem sind diese leicht aufzufinden.

Wann wird die Begegnungszone eingeführt?

Einige Maßnahmen zur weiteren Verkehrsberuhigung in der Innenstadt von Erfurt wurden bereits umgesetzt. So erfolgte zum 1. Januar 2014 die Einführung der Lieferzeitbegrenzung in den Fußgängerzonen. Seit 1. Juli 2014 ist die Durchfahrt der Meister-Eckehart-Straße für den Kfz-Verkehr gesperrt.

Die Begegnungszone selbst ist vor allem abhängig von den Regelungen des Ruhenden Verkehrs. Mit dem Beschluss des Parkraumkonzeptes am 29.01.2015 durch den Stadtrat wurde ein wichtiger Grundstein für die Einführung der Begegnungszone gelegt. In Abhängigkeit von den Haushaltsmitteln wird voraussichtlich 2016 stufenweise in der gesamten Innenstadt der Straßenraum bewirtschaftet (Parken mit Parkschein und Bewohner mit Bewohnerparkausweis frei). Innerhalb der Begegnungszone wird das Parken nur noch für Bewohner und mobilitätsbeeinträchtigte Personen möglich sein. Damit wird der Parksuchverkehr aus dem Gebiet gedrängt und der Verkehr auf das notwendige Maß beschränkt. In diesem Zusammenhang werden voraussichtlich auch die "Eingangstore" zur Begegnungszone gestaltet.

Realisierte Maßnahmen

Für die einzelnen Verkehrsarten enthält der Verkehrsentwicklungsplan Teil Innenstadt  Zielkonzepte mit entsprechenden Maßnahmen. Die untenstehenden Maßnahmenummerierungen beziehen sich auf die Angaben in dem Konzept.

Weitere umgesetzte Maßnahmen:

  • Zielkonzept Wirtschaftsverkehr: Maßnahme W1 – Einrichtung des Runden Tisches zum Wirtschaftsverkehr
  • Zielkonzept Wirtschaftsverkehr: Maßnahme W4 – Einrichtung von Liefer-/Ladezonen im Nahbereich der Fußgängerzone für die Anlieferung außerhalb der Lieferzeiten
  • Zielkonzept Wirtschaftsverkehr: Maßnahme W6 – Überprüfung der Praxis zur Ausstellung von Ausnahmegenehmigungen im Hinblick auf Nutzergruppen, die nicht dem Wirtschaftsverkehr zuzuordnen sind
  • Zielkonzept Radverkehr: Maßnahme R2 – Freigabe der Fußgängerzone im westlichen Anger zwischen Neuwerkstraße und Borngasse für Radfahrer