Sprach- und Motorikförderung in Kindergärten

Weiterführende Informationen

Auffälligkeiten in der sprachlichen Entwicklung im Kindesalter sind in den vergangenen Jahren eine zunehmende Problematik geworden. Die sprachliche Kommunikation ist eng verbunden mit Wahrnehmungsprozessen. Sensomotorische Erfahrungen gehören zur Grundvoraussetzung für die Entwicklung der Sprache. Dieser komplexe Prozess von Handeln, Begreifen, Sprechen und Denken ist dabei Grundlage für eine gesunde Sprachentwicklung. Diese kann sich erst entwickeln, wenn vielfältige Vorprozesse sensomotorischer Art vorhanden sind.

Die kindliche Sprachentwicklung ist daher also kein isolierter Prozess, sondern steht im Zusammenhang mit der Gesamtpersönlichkeitsentwicklung. Sehen, Hören Fein- und Grobmotorik sind demzufolge eng miteinander verbunden und weisen unmittelbare Beziehungen zur Sprachentwicklung auf. Hierbei ist als ein Grund des vermehrten Auftretens dieser Entwicklungsverzögerungen die "veränderte Kindheit" zu nennen, wodurch Kinder heute vielen Medieneinflüssen ausgesetzt sind und Bewegung in der freien Natur seltener geworden ist.

Aus dieser Erkenntnis heraus wurde in Verantwortung des Gesunde Stadt-Projektes in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege seit einigen Jahren ein Projekt zur gezielten Bewegungsförderung im Kindergarten entwickelt. Besonders für jüngere Kinder ist die motorische Förderung zur Sprachanleitung und -förderung wichtig.

Mit Hilfe des Projektes sollen die Kinder gefördert werden, die an Defiziten der Grob- und Feinmotorik leiden. Mit gezielter Ergotherapie wendet sich ausgebildetes Personal zum einen direkt und bedarfsorientiert an bewegungsauffällige Kinder in den Kindergärten vor Ort und fördert diese individuell über einen längeren Zeitraum. Oft genügt ein Förderzeitraum von zehn Wochen, um enorme Entwicklungsfortschritte bei den Kindern zu erreichen. Zum anderen werden in Kursen die Mitarbeiter/-innen der Einrichtungen als Multiplikatoren zum gezielten Bewegungstraining ausgebildet, die anschließend innerhalb einiger Wochen, das erlernte an die Kollegen/-innen bzw. an die Kinder weitergeben.  

Eine intensive fachliche Betreuung erfuhr das Projekt durch die Höhere Berufsfachschule für Logopädie Erfurt. Dozentinnen der Fachschule entwickelten das Handbuch zur Sprach- und Motorikförderung. Durch Rücksprachen mit Erzieherinnen bekam das Manual eine praxisnahe Ausrichtung. Viele Spielideen, Übungen und Anleitungen zur Sprach- und Motorikförderung sind mit den farblich dazu passenden Bildern zusammengetragen worden. Als Ergebnis entstand ein Handbuch für die zusätzliche und tägliche Anwendung durch Kindergärtnerinnen im Betreuungsalltag.  

Das Projekt läuft bereits seit fünf Jahren. Insgesamt lässt sich feststellen, dass große Erfolge bei den Kindern festzustellen sind und viele Kinder die Entwicklungsverzögerung ohne Schwierigkeiten aufgeholt haben. Je früher Kinder gefördert werden, desto schneller werden Bewegungsauffälligkeiten behoben und somit ist die Aussicht auf eine normale motorische Entwicklung gegeben.

Ansprechpartner

Sigusch
Koordinatorin

Zuständige Stelle