Ortsteil: Bischleben-Stedten

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Kontakt

Uwe Queck
Ortsteilbürgermeister
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Sprechzeiten der Ortsteilverwaltung

jeden 1. und 3. Dienstag im Monat von 17:00 bis 18:00 Uhr

Kausch
Ortsteilbetreuerin
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Rumpelgasse 1
99084 Erfurt

Sprechzeiten der Ortsteilbetreuung

jeden 1. und 3. Dienstag im Monat von 16:00 bis 17:00 Uhr

Geschichte

Bis 1919 gehörte der heutige Ortsteil Bischleben zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Danach bis 1946 dem Landkreis Gotha zugeordnet, wurde Bischleben-Stedten 1952 der Stadt Erfurt angegliedert. Der Ortsteil, gelegen im Südwesten Erfurts im Urstromtal der Gera und direkt an der ICE-Neubaustrecke Erfurt - Ebensfeld, hat heute etwa 1700 Einwohner.

Der Ort hat dörflichen Charakter, ist aber nicht in dem Maße bäuerlich geprägt wie andere Ortsteile der Landeshauptstadt. Nach dem ersten Weltkrieg hatte sich Bischleben-Stedten rasant entwickelt und war mit seinem Angebot an Lokalitäten und moderner Infrastruktur eines der beliebtesten Ausflugsziele der Erfurter. Bis heute ist der Ort in seinen Grenzen im Wesentlichen so erhalten geblieben wie vor etwa 60 Jahren. Große Neubaugebiete gibt es nicht und neue Wohnhäuser entstehen nur im Rahmen von Lückenbebauungen. Um den Ortsteil herum gibt es zahlreiche Kleingärten und Wochenendgrundstücke, die nicht nur von Erfurtern genutzt werden.

Mit Bus und Bahn ist Bischleben sehr gut an das Zentrum der Landeshauptstadt Erfurt angebunden. In Verbindung mit den guten Einkaufsmöglichkeiten, den Arztpraxen, einer Sparkassenfiliale, den Sport- und Freizeitmöglichkeiten und der Nähe zum Naherholungsgebiet Steigerwald ist der Ortsteil zunehmend auch für junge Familien als Wohnort attraktiv. Das im Zentrum gelegene Jugend- und Bürgerhaus ist ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche und wird von den Einwohnern auch für Familienfeiern gern genutzt. Attraktive Angebote an junge Menschen machen auch die sehr aktive und technisch bestens ausgerüstete Freiwillige Feuerwehr, der Bischlebener Sportverein, die Bikerclubs, der Schützenverein, der Reisebrieftaubenclub sowie der Bürger- und Traditionsverein.

Konfessionell ist der Ort eher durch evangelische als durch katholische Christen geprägt. Der Baubeginn der Kirche, die seit der Reformation von den evangelischen Christen als Gotteshaus genutzt wird, ist heute nicht mehr exakt nachzuvollziehen. Inschriften verweisen zwar auf die Jahre 1470, 1551 und 1716, sind vermutlich aber nur die Daten früherer Umbauten.

Im 2. Weltkrieg blieb Bischleben von Zerstörungen verschont. Todesopfer und erheblichen Sachschaden verursachte allerdings noch nach Kriegsende ein amerikanischer Munitionszug, der am 10. Mai 1945 explodierte. Dem Mut eines Eisenbahners ist es zu danken, dass noch weit größerer Schaden abgewendet werden konnte. Nach ihm ist heute eine Straße benannt.

Bischleben

Der am 1 Januar 1950 nach Erfurt eingemeindete Ort liegt im Geratal südwestlich der Stadt. Die neueren Ortsteile ziehen sich an den Uferhöhen empor. Der Ort ist auf vorgeschichtlichem Siedlungsboden entstanden. Der Name des Dorfes erscheint unter anderen als Bischovisleiben (1275), als Byschovesleben (1308) und als Byschovisleybin (1309).

Die Lehnherrschaft lag ursprünglich wahrscheinlich bei den Landgrafen von Thüringen, von denen sie auf die Wettiner überging.

Bischleben kam nach 1333 als wettinisches Lehn in den Besitz der Grafen von Gleichen. Von 1403 bis 1426 hatten sie den Ort dem Rat zu Erfurt auf Wiederkauf überlassen. Im Jahre 1444 veräußerten sie Bischleben mit anderen Orten an die Herzöge von Sachsen. Vier Jahre später erwarb der Rat von Erfurt das Dorf abermals als Lehn, musste es aber 1482 wieder an Sachsen abtreten.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl stark an, der Ort wurde nach und nach zu einer Wohngemeinde für Erfurt. In dem hügeligen, verkehrsungünstigen Gelände ließen sich nur einige kleinere Betriebe nieder. So entstand eine Etikettenfabrik, ein Maschinenbaubetrieb und eine kleine Möbelfabrik neben dem bodenbedingten Dachziegelwerk.

Bischleben zählte 1780 = 292, 1824 = 290, 1894 = 666, 1928 = 1636 und 1949 = 2013 Einwohner.

Stedten

Der am 9. April 1923 mit Bischleben vereinigte Ort liegt im Geratal südwestlich von Erfurt. Als Stedten wird der Ort bereits 1194 erwähnt.

Die Lehnherrschaft ist vor 1667 nicht klar erkennbar. Erst in diesem Jahre verzichtete das Erzbistum Mainz zu Gunsten von Sachsen auf seine Ansprüche an die Untergrafschaft Gleichen, in der Stedten lag. Sie kam schließlich zum Herzogtum, dem späteren Freistaat Gotha.

Nach 1400 hatten die Grafen von Gleichen Stedten als wettinisches Lehn inne. Durch einen Erbvertrag von 1623 gelangte der Ort im Jahre 1631 wie die gesamte Untergrafschaft als Lehn an die Grafen von Schwarzburg-Sondershausen.

Von 1400 bis 1735 waren Erfurter Patrizier mit dem Ort, dem Gut und der vollen Gerichtsbarkeit belehnt. Bis 1605 befanden sich diese im Besitz der Familie Ziegler. Im Jahre 1605 gingen sie auf den Erfurter Oberstratsmeister Dr. jur. Wilhelm Fach über, dessen Erben (zu denen auch Dr. jur. Nikolaus Grieben seit 1613 und Anna Pein geb. Fach seit 1632 zählten) sie bis 1639 besaßen. In diesem Jahre erwarb Siegfried Fenster, ein Vetter der Anna Pein, Dorf, Gut und Gerichte. Seine Erben verkauften sie 1735 an Christoph Dietrich Keller, dessen Nachkommen, die Grafen Keller, Eigentümer des nunmehrigen Rittergutes bis 1946 waren. Die Gerichtsbarkeit ging 1848 auf den Staat über.

Christoph Dietrich Keller ließ 1737 das 1946 abgebrochene Barockschloss errichten, das sich stilistisch an das 1734 erbaute Schloss von Molsdorf anlehnte. In dem Kellerschen Schloss hielt sich oft Christoph Martin Wieland auf.

Die Ortseinwohner waren zum größten Teil Gutsarbeiter und –angestellte. Im Zuge der Bodenreform wurde 1946 das 210 ha große Gut aufgeteilt. 21 Neubauernstellen und etwa 100 Kleingärten entstanden daraus, außerdem erhielt eine Anzahl kleiner, schon bestehender Wirtschaften zusätzlich Ackerland und Wald.

Stedten zählte 1780 = 81, 1824 = 90, 1894 = 100 und 1949 = 154 Einwohner.