UNICEF-Städtepartnerschaft 2005 - So helfen die Erfurter Kindern in Not

24.03.2006 00:00

Die großzügige Unterstützung aus Erfurt - insgesamt 250.400 Euro - kommt drei UNICEF-Projekten zugute: im Sudan, in Moldawien und in den von der Tsunami-Flut betroffenen Ländern. Die Erfurter unterstützten zudem die UNICEF-Nothilfe nach dem schweren Erdbeben in Pakistan.

Sudan - sauberes Trinkwasser und bessere Hygiene: 96.623 Euro

In den ländlichen Regionen des Sudan hat jeder Zweite keinen Zugang zu sauberem Wasser. Wiederkehrende Dürren lassen die Wasserversorgung immer wieder zusammenbrechen. UNICEF hilft, insgesamt 50 000 Menschen in Kordofan und Abyei Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen. Beide Regionen liegen im Zentrum des Sudan. Viele Menschen von hier hatten auf der Flucht vor dem bewaffneten Konflikt jahrelang ihre Heimat verlassen müssen. Erst jetzt, mit dem Beginn des Friedensprozesses, können sie in ihre Heimatdörfer zurück. Doch hier gibt es nicht genügend funktionierende Brunnen und andere Wasserquellen, um alle Familien angemessen zu versorgen.

Mit Unterstützung aus Erfurt bohrt UNICEF in Kordofan und Abyei neue Brunnen, stattet sie mit Handpumpen aus und hilft, vorhandene Anlagen zu reparieren. UNICEF unterstützt auch die Ausbildung von Freiwilligen aus den Dörfern. Sie übernehmen die Verantwortung für die Anlagen und halten die Pumpen instand. Besonders Frauen, traditionell für die Wasserbeschaffung zuständig, sind in diese Aufgaben eingebunden. Mit Unterstützung von UNICEF entstehen in zehn Schulen zudem einfache Latrinen für Mädchen und Jungen. UNICEF hilft auch, in den Dörfern über Hygiene aufzuklären. So ist vielen Menschen nicht bekannt, dass der einfachste Schutz vor Durchfallerkrankungen regelmäßiges Händewaschen mit Seife ist.

Moldawien: Mädchen vor der Prostitution schützen – 86.600 Euro

Im Moldawien, dem ärmsten Land Europas, erhoffen sich viele junge Mädchen einen guten Job im Ausland. Menschenhändler nutzen ihre Not skrupellos aus. Die Mädchen werden zum Beispiel mit angeblichen Kellnerjobs geködert, in Wirklichkeit aber als Prostituierte oder billige Arbeitskraft skrupellos ausgebeutet. UNICEF kümmert sich in Moldawien um besonders gefährdete Mädchen und warnt zusammen mit Eltern, Lehrern und Sozialarbeitern vor den Machenschaften der Menschenhändler. In elf Heimen finden Aufklärungskurse statt, die rund 3 000 Jugendliche erreichen. Denn ehemalige Heimkinder sind besonders gefährdet, Opfer falscher Versprechungen zu werden. Seit letztem Jahr ist die Aufklärung über Menschenhandel auch im Lehrplan aller Schulen verankert. UNICEF hatte geholfen, dies durchzusetzen.

UNICEF hilft aber auch beim Aufbau von Einrichtungen, in denen Opfer von Menschenhändlern und andere missbrauchte Kinder Hilfe finden. So entstand in der Hauptstadt Chisinau die erste Anlaufstelle speziell für verkaufte und nach Moldawien zurückgekehrte Kinder. Die jungen Mädchen können hier übernachten, erhalten medizinische Hilfe und psychosoziale Beratung. Einige haben bereits selbst Babys zu versorgen. Im von UNICEF unterstützten Beratungszentrum "AMICUL" kümmern sich Sozialarbeiter, Psychologen und Rechtsanwälte gemeinsam um Kinder in Not - ein Modellprojekt, das auch mit Unterstützung aus Erfurt weiter ausgebaut werden soll. UNICEF hilft beispielsweise, die Mitarbeiter in der Beratungsarbeit und in der Therapie für missbrauchte Kinder zu schulen.

Südasien: Schule und psychosoziale Betreuung für die Flutopfer – 63.057 Euro

Die Spenden aus Erfurt helfen UNICEF auch, die Kinder nach der verheerenden Tsunami-Flut langfristig zu betreuen. Trotz der immensen Zerstörungen in Indonesien, Sri Lanka und anderen Ländern ist es mittlerweile gelungen, fast alle Kinder wieder in die Schule zu bringen. Allein im indonesischen Aceh stellte UNICEF über 1 000 große Schulzelte sowie Lern- und Arbeitsmaterial für über 830 000 Kinder im Grundschulalter bereit. UNICEF half auch, 150 einfache Übergangsschulen aufzubauen. In den kommenden zwei bis drei Jahren werden sie nach und nach durch komplett neu gebaute, erdbebensichere Schulgebäude ersetzt.

Unterricht hilft den Kindern in der Tsunami-Region, ihre schrecklichen Erinnerungen an die Flut zu verarbeiten. In Indonesien schult UNICEF 8 000 Lehrer, mit psychischen Problemen der Kinder besser umzugehen. Mehr als 17 000 Kinder besuchen bis heute von UNICEF eingerichtete Kinderzentren. Geschulte Freiwillige kümmern sich hier um sie. Die Zentren waren in den ersten Monaten nach der Flut in Zelten untergebracht. Jetzt ziehen sie nach und nach in feste Gebäude um. Sie werden dann auch geeignete Räume bieten, um schwer traumatisierte Kinder individuell psychologisch zu betreuen. UNICEF arbeitet in den Kinderzentren eng mit Eltern, Lehrern und weiteren Gemeindemitgliedern zusammen. Langfristig sollen sie die Einrichtungen selbst betreiben und instand halten.

Pakistan: Nothilfe nach dem Erdbeben – 4.120 Euro

Nach dem schweren Erdbeben in Pakistan im Oktober 2005 hat UNICEF geholfen, die Kinder mit dem Nötigsten zu versorgen: mit sauberem Trinkwasser, Medikamenten und warmer Winterkleidung. Die Spenden aus Erfurt kamen dieser Arbeit zugute. Jetzt bringt UNICEF Schulzelte sowie große Mengen Hefte, Stifte und weiteres Schulmaterial in die Region. In über 900 Zeltschulen hat der Unterricht bereits wieder begonnen - ein neuer Anfang für die Kinder.