Familienpass 2011: Reaktion auf den offenen Brief

02.02.2011 12:11

In den letzten Tagen gab es kritische Stimmen zum Familienpass 2011. Eltern äußerten sich, Kinder schrieben einen offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Mitglieder des Erfurter Stadtrates. Tenor der Meinungen: mit der Zusammenlegung des Erfurter Familienpasses und des Familienpasses Sport würde in unserer Stadt Familienfreundlichkeit verloren gehen. Auf den offenen Brief hat Bürgermeisterin Tamara Thierbach öffentlich reagiert. Im Rahmen der wöchentlichen Pressekonferenz im Rathaus legte sie dar, wir es zur Zusammenlegung beider Pässe kam und welche Beweggründe dazu führten.

"Ich kann verstehen, dass manche Familien traurig darüber sind, dass eine unbegrenzte und kostenlose Nutzung der Eishalle und der Bäder für sie nicht mehr möglich ist", gab die Bürgermeisterin offen zu. Die Verwaltung habe lange abgewogen, wie mit dem Prüfauftrag des Stadtrates aus dem Jahr 2009 umzugehen sei, den Familienpass und den Familienpass Sport zusammenzulegen. Dies sei kein Akt der Willkür gewesen, sondern vielmehr einer Zeit geschuldet, in der Millionen fehlten, um den Haushalt für das Jahr 2010 ausgleichen und verabschieden zu können. 

Die Bestrebungen um ein sinnvolles Familienangebot stand bei allen folgenden Ideen zur Umsetzung des Prüfauftrages im Vordergrund. Dabei waren unterschiedliche Ausgangspositionen zu berücksichtigen. War der Sportpass für Familien mit drei und mehr Kindern gedacht und auch für Einzelaktivitäten der Kinder geeignet, so stand beim klassischen Familienpass immer das gemeinsame Familienerlebnis im Vordergrund.
"Hinzu kamen bereits 2009 vermehrt Briefe von Familien oder auch Alleinerziehenden mit nur einem oder zwei Kindern, die uns fragten, warum denn nicht auch sie den Sportpass in Anspruch nehmen können", blickt Tamara Thierbach zurück und ergänzt: "Auch diese Frage war verständlich!"
In die Überlegungen seien zudem die aktuellen Nutzungszahlen einbezogen worden. Im Jahr 2009 wurden für beide Pässe insgesamt 247.000 EUR ausgegeben. Der Familienpass Sport schlug dabei mit 157.000 EUR zu Buche, 548 Familien mit 1.302 Mitgliedern nahmen ihn in Anspruch. Der Erfurter Familienpass wurde hingegen von 13.000 Familien genutzt. Schon immer waren dabei mit Schwimmen und Eislaufen auch sportliche Aktivitäten im Angebot.
"Im Ergebnis haben wir dem Stadtrat vorgeschlagen, künftig einen Familienpass herauszugeben. Unsere Intention war dabei, einen "echten Familienpass" herauszugeben, der für unsere Familien – also Eltern und Kinder – Angebote für eine gemeinsame Freizeitgestaltung bereithält und so einen Beitrag zur Förderung und Verbesserung des Familienlebens leistet", begründet die Bürgermeisterin.
Wenn man den Familienpass 2011 mit dem des Vorjahres vergleiche, könne man feststellen, dass zum einen die gesamte Palette erheblich erweitert und vor allem die sportlichen Angebote wesentlich ausgeweitet wurden. So beinhalte das Büchlein drei Gutscheine zum Eislaufen sowie insgesamt acht Gelegenheiten, sich ins Wasser zu begeben.
"Nicht zu vergessen die große Menge an kulturellen Freizeitleistungen, schließlich umfasst der Familienpass 2011 insgesamt 70 Angebote", fügt Tamara Thierbach hinzu und verweist zudem auf den Sport im Verein. "Jeder, der sich regelmäßig sportlich betätigen möchte, hat dazu in unseren Vereinen die Möglichkeit. Wenn das persönliche Budget zu knapp ist für den Vereinsbeitrag können Jugendamt oder Sozialamt helfen."
Familienfreundlichkeit könne man nicht nur am Familienpass Sport festmachen, der freiwillige Zuschuss zum Mittagessen für jedes Kind in Grundschulen und Kindertageseinrichtungen gehöre ebenfalls dazu.
"Unser Ziel kann nur sein, für alle Familien in Erfurt ein gleichartiges Angebot zu unterbreiten. Wir würden gern allen Jugendlichen und Kindern die unentgeltliche Nutzung von Bädern und Eishalle ermöglichen. Leider lassen dies die Haushaltsmittel nicht zu", so die Bürgermeisterin. "Mit dem vorliegenden Familienpass haben wir es geschafft, mit Vernunft freiwillige Familienpolitik aufrechtzuerhalten – ein Angebot, dass viele andere Kommunen längst nicht mehr leisten", so Tamara Thierbach weiter. Der Erfurter Familienpass sei in seiner Form eine Besonderheit, man fände deutschlandweit nur wenig Vergleichbares.