VNG-Bildungstour macht Station in Erfurt: Ausstellung „Mauerfälle“ wird im Rathaus feierlich eröffnet

01.06.2011 20:54

Die Wanderausstellung "Mauerfälle" der VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft (VNG) ist auf ihrer Bildungstour in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt angekommen. Sie wurde heute Abend von Oberbürgermeister Andreas Bausewein, Altpropst Dr. Heino Falcke sowie Dr. Karsten Heuchert VNG-Vorstandsvorsitzender und Thüringens Justizminister Dr. Holger Poppenhäger feierlich eröffnet.

Foto - Dr. Heuchert, OB Bausewein, Dr. Poppenhäger, Altpropst Dr. Falcke und der Künstler Fischer-Art
Foto: Dr. Heuchert, OB Bausewein, Dr. Poppenhäger, Altpropst Dr. Falcke und der Künstler Fischer-Art. Foto: © Landeshauptstadt Erfurt, Stadtverwaltung

Bis zum 14. Juni 2011 ist die VNG-Ausstellung "Mauerfälle" im Erfurter Rathaus zu besichtigen. Im Mittelpunkt der Wanderausstellung steht ein Originalteil der Berliner Mauer, das bereits von den "Vätern der Einheit" Dr. Helmut Kohl, George H. W. Bush sen. und Michail Gorbatschow signiert wurde. Heute wurde das Mauersegment außerdem von Dr. Heino Falcke als einem der Vordenker des demokratischen Aufbruchs der DDR unterzeichnen. Der evangelische Theologe war schon in der DDR aktiv in der Friedensbewegung engagiert und stellvertretender Vorsitzender der Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der DDR. Andreas Bausewein wurde während der Eröffnungsfeier zum Ehrenbotschafter für Demokratie und Toleranz ernannt.  

Zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution hatte VNG im Rahmen ihrer Initiative "Verbundnetz für Demokratie und Toleranz" das Mauersegment zu Gunsten der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder e.V." erworben. Das 3,60 Meter hohe und 2,7 Tonnen schwere Unikat wurde von dem Leipziger Künstler Michael Fischer-Art gestaltet. Fischer-Art hat selbst 1989 in Leipzig demonstriert, seine Transparente sind Teil der Sammlung im "Haus der Geschichte" in Bonn. Im Rahmen der VNG-Initiative geht dieses wertvolle Mauerteil auf Bildungsreise durch deutsche und europäische Städte.  

In der Ausstellungszeit werden Schulklassen direkt am Mauerstück Geschichtsunterricht "zum Anfassen" erhalten, um ihnen die Geschehnisse von 1989/90 nahe zu bringen. Unter dem Symbol der Überwindung der deutschen Teilung diskutiert zudem der Künstler Fischer-Art mit Schülern sein Buch "Der 9. Oktober 1989 – 21 Jahre danach" und arbeitet an einem neuen "Buch der Zukunft". Begleitet wird das Mauerstück durch die Fotoausstellung "EAST – Zu Protokoll", die einzigartige Momentaufnahmen von Fotografen und Künstlern aus den entscheidenden Sommer- und Herbstmonaten des Jahres 1989 dokumentiert und vom Leipziger Fotografen Frank-Heinrich Müller kuratiert wird. Das "Verbundnetz für Demokratie und Toleranz" ist eine Initiative der VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft und ihrer Partner zur Förderung demokratischer Strukturen in den neuen Bundesländern. Im Rahmen der Initiative werden verschiedene Projekte durchgeführt. 

Wer hat sich bisher auf dem Stück Mauer verewigen dürfen?
Beim Start der Ausstellung auf der Leipziger Buchmesse im vergangenen Jahr kamen die Unterschriften von Christoph Wonneberger, dem Mitinitiator der Leipziger Friedensgebete und Montagsdemonstrationen, und des Friedensnobelpreisträgers und Wegbereiters der Friedlichen Revolution Lech Wałęsa dazu. Auf der zweiten Station in Chemnitz hat Superintendent a. D. und Chemnitzer Ehrenbürger Christoph Magirius, der 1989 Mitinitiator der "Runden Tische" war, dieses Kunstwerk unterschrieben. In München unterzeichnete der Leipziger Pfarrer Stephan Bickhardt, der als Vertreter der Bürgerrechtsbewegung in der DDR u. a. Mitbegründer von "Demokratie Jetzt" war. Und auf dem Welterbe Zeche Zollverein in Essen setzte Prof. Dr. Horst M. Teltschik, der eine maßgebliche Rolle bei den Verhandlungen zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung eingenommen hat, seinen Namenszug auf das Kunstwerk. In Neubrandenburg schrieb Dr. Rudolf Seiters, 1989 Chef des Bundeskanzleramtes unter Helmut Kohl und offizieller Verhandlungsführer der Bundesregierung mit der DDR, seinen Namen auf die Mauer. Im norwegischen Stavanger, der ersten Station außerhalb Deutschlands, unterzeichnete Dr. h. c. Hans-Dietrich Genscher, der als langjähriger Bundesaußenminister wesentlich für eine Verständigung zwischen Ost und West sowie in den entscheidenden Monaten der Jahre 1989 und 1990 für die richtige Weichenstellung zur Wiedervereinigung beigetragen hat, das Mauerstück. Zur Frankfurter Buchmesse kamen die Unterschriften der Bürgerrechtlerin und Künstlerin Kathrin Hattenhauer und des ehem. Beauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit, Joachim Gauck hinzu.  

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen:
Montag, Dienstag, Donnerstag 8:00 bis 18:00 Uhr
Mittwoch bis 16:00 Uhr und Freitag bis 14:00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10:00 bis 17:00 Uhr
Bei geschlossenen Veranstaltungen sind Abweichungen möglich.