Abschied vom alten Steigerwaldstadion: Vergabeentscheidung des Erfurter Stadtrates steht bevor

09.10.2014 18:39

Mit einem Fußballfest nahm der FC Rot-Weiß Erfurt gestern Abschied von seinem Wohnzimmer Steigerwaldstadion, dessen Umbau zur Multifunktionsarena in den kommenden Monaten bevorsteht.

Vom Flutlicht hell erleuchtetes Stadion vor blauer Abenddämmerung.
Foto: Für sein Abschiedsspiel hatte sich der FC Rot-Weiß den einstigen UEFA-Cup-Gegner FC Groningen aus den Niederlanden eingeladen. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt/ J. Ludwig

Seit der Eröffnung der "Mitteldeutschen Kampfbahn" am 17. Mai 1931 war die Anlage Schauplatz zahlreicher sportlicher und kultureller Höhepunkte. Das Stadion war zu Beginn ein Mehrzweckstadion mit Fußballspielfeld, Laufbahn, Rasenbahn für Reitsport, Anlagen für die Leichtathletik und Etappenankunft von Radsportrennen. In der Anfangszeit hatte es Platz für bis zu 35.000 Zuschauer, der spätere Zuschauerrekord aus dem Jahr 1951 liegt bei 51.000 Zuschauern.

Kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges noch als "Panzerparkplatz" und später als Kartoffelacker genutzt, sorgten in den 50er Jahren die Fußballer von Turbine Erfurt mit zwei DDR-Meisterschaften in den Jahren 1954 und 1955 für Aufsehen. Auch die Friedensfahrt hatte regelmäßig ihre Etappenankünfte am Fuße des Steigerwalds. 1963 bereiteten mehr als 40.000 Zuschauer Fahrern wie Klaus Ampler und Täve Schur im Georgi-Dimitroff-Stadion einen begeisterten Empfang.

Für Sternstunden im Erfurter Stadion sorgte immer wieder die Leichtathletik - unvergessen der Fabelweltrekord der Damen des SC Turbine über 4x400 Meter im Rahmen der 35. DDR-Meisterschaften der Leichtathletik im Jahr 1984.

Seit 1991 trägt die Sportstätte den Namen Steigerwaldstadion, für den sich die Erfurter in einer Befragung entschieden hatten. Kurz darauf folgte die letzte große bauliche Veränderung. Für die Austragung der Deutschen Leichtathletikmeisterschaften 1994  wurde  die fast 60 Jahre alte Holztribüne durch einen Neubau für 4.000 Zuschauer ersetzt. Noch zwei Mal wurden anschließend die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften im Steigerwaldstadion ausgetragen. Im Juli 2005 war Erfurt Austragungsort der U23-Europameisterschaften.

Musikalische Höhepunkte mit dem größten Zuschauerzuspruch waren die Open-Air-Konzerte von Bon Jovi (1996) und Herbert Grönemeyer (2003), die jeweils mehr als 40.000 Zuschauer anlockten und damit bis heute als die größten Konzerte der jüngeren Geschichte Thüringens gelten.

Das seit 11 Monaten laufende Vergabeverfahren für den Umbau steht nun kurz vor dem Abschluss. Nachdem in der abschließenden Jurysitzung am 8. Juli 2014 der Sieger im Bieter-Wettbewerb ermittelt wurde, hat nun der Stadtrat das letzte Wort. In der Sitzung am 5. November wird die Auftragsvergabe auf der Tagesordnung des nicht-öffentlichen Teils stehen.

Chronologie

  • Januar 2009: Erfurter Stadtrat beschließt erstmals Umbau des Steigerwaldstadions unter möglicher finanzieller Beteiligung des Freistaats
  • 2. Mai 2011: Gemeinsame Erklärung der Stadt Erfurt und des Thüringer Wirtschaftsministeriums „zum Umbau des Steigerwaldstadions zur multifunktionalen und polyvalenten Veranstaltungsstätte“
  • 6. Juli 2011: Grundsatzbeschluss des Erfurter Stadtrates für Umbau des Stadions zur Multifunktionsarena
  • März 2013: EU- Kommission genehmigt die Förderung der Infrastrukturmaßnahme; Übergabe des Fördermittelbescheids über 29 Mio. Euro an die Stadt Erfurt
  • Juli 2013: Stadtrat bestätigt geänderten Flächennutzungsplan und Bebauungsplan
  • November 2013 bis Januar 2014: Europaweites Ausschreibungsverfahren
  • Februar 2014: Beginn des Juryverfahrens
  • 8. Juli 2014: finale Jurysitzung
  • 5. November 2014: Vergabeentscheidung auf der Tagesordnung des nicht-öffentlichen Teils der Stadtratssitzung