Bild der Woche – Der Hühnerhof

22.12.2015 00:01

"Bild der Woche" präsentiert im Rahmen der Ausstellung "Jacob Samuel Beck: Ausstellung zum 300. Geburtstag des Erfurter Malers" regelmäßig dienstags einzelne Beck-Werke, die zurzeit im Angermuseum, dem Kunstmuseum der Landeshauptstadt Erfurt, ausgestellt werden. Heute: Jacob Samuel Becks "Hühnerhof" aus dem Jahre 1756.

zwei prächtige Hähne, die sich gegenüberstehen, drei Hennen im Hintergrund
Foto: Jacob Samuel Beck: Hühnerhof, 1756. Öl auf Leinwand, 106 x 133 cm. Signiert u. datiert u. r.: “Beck fecit/1756”. Privatbesitz Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Einen Höhepunkt innerhalb der Erfurter Beck-Ausstellung bildet das Gemälde „Hühnerhof“ aus dem Jahr 1756, das als größtes der Tierbilder kompositorisch und malerisch besonders fein ausgearbeitet ist. Zwei farbenprächtige Hähne stehen sich mit gesenkten Köpfen symmetrisch gegenüber und füllen den gesamten Vordergrund des Bildes aus. Es scheint sich ein Kampf anzubahnen. Eine Henne, deren schwarzes Gefieder wirkungsvoll mit der Farbigkeit der Hähne kontrastiert, blickt aus nächster Nähe auf die beiden Kontrahenten. Links hat sich eine braune Henne auf einem Steinblock einen erhöhten Beobachtungsposten gesucht. Schließlich sitzt hoch oben auf einer Mauer eine Kohlmeise und blickt in Richtung einer Schnecke, die auf halber Höhe an der Mauer hinaufkriecht.

Eine rahmende, aber nicht unwichtige Rolle spielen die seitlichen Pflanzen. Beck hat sie wie die Tiere mit großer Genauigkeit und Naturtreue gemalt, so dass sie sich botanisch bestimmen lassen. Rechts wächst hinter den kräftigen Huflattich-Blättern eine zarte Erdrauch-Pflanze. Auch auf der linken Seite kombiniert Beck zwei gegensätzliche Pflanzen miteinander: Hinter einer Distel ragt eine schlanke nesselartige Pflanze in die Höhe. Die Grüntöne, die sich auch im fernen Hintergrund der Bäume fortsetzen, bilden in dem Gemälde einen wichtigen Farbkontrast, denn sie bringen die reiche Palette der Braun-, Rot- und Gelbtöne zum Leuchten.

In den 1750er und 1760er Jahren malte Beck mehrere heute noch erhaltene größere Gemälde mit ähnlichen bäuerlichen Hühnermotiven. Das Motiv geht zurück auf den berühmten holländischen Maler Melchior de Hondecoeter (1636-1695), der sich auf Vogelgemälde spezialisiert hatte und damit weite Verbreitung fand. Auch bei dem flämischen Maler Frans Snyders (1579-1657) finden sich vergleichbare Bilder. Während in diesen Vorbildern des 17. Jahrhunderts oftmals das Moment des bewegten Kampfes zwischen zwei Hähnen ausdrucksvoll betont ist, wählt Beck ein ruhigeres Szenario. So wundert es nicht, dass er in einem 1762 – also sechs Jahre später – gemalten Hühnerbild den rechten Hahn in gleicher Haltung, ohne Gegenüber, als friedlich pickendes Tier malte.