Höllenqual und Seelenheil im Stadtmuseum

29.10.2007 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, am Mittwoch ist Reformationstag – jener Tag, an dem der Augustinermönch Martin Luther seine 95 Thesen an der Wittenberger Schloss­kirche angebracht haben soll. Das Erfurter Stadt­museum lockt derzeit mit der Ausstellung „Höllenqual und Seelen­heil“ und gibt Einblicke in profanes und sakrales Leben hinter den Stadt­mauern – auch zu Luthers Zeiten. 

Inwieweit die Überlieferung Luthers Handeln tatsächlich der Wahrheit entspricht, ist heute schwer zu sagen. Fest steht aber, dass er der Auslöser für die Trennung der abendländischen Kirche war. Luthers Hauptkritik an den kirchlichen Verhältnissen richtete sich besonders gegen den so genannten Ablasshandel, bei dem man mit Geld sein „Seelenheil“ erkaufen konnte.

Dem Seelenheil und der Höllenqual widmet sich die auch eine Ausstellung im Erfurter Stadtmuseum, die zu besichtigen sich der kommende Mittwoch durchaus anbietet. Das Stadtmuseum beschließt damit das Elisabethjahr und beabsichtigt mit der Aus­stellung Wirkungs­mechanismen darzustellen, die wesentlicher Bestandteil von mittel­alter­licher Stadtkultur waren und auf das Erleben von sakraler Gemeinschaft und Heiligkeit hinter Stadtmauern wirkten.

Nicht wenige lebten damals in dem Glauben, sich das Seelenheil durch religiöse Leistungen wie Vervielfachung der Festtage und Andachtsübungen erkaufen zu können. Der dabei vorgebrachte Eifer vollendet sich in diesem Zeitalter im reforma­torischen Anspruch Martin Luthers  „Denn Gott will keine faulen Müßiggänger haben …!“ In enger Zusammenarbeit mit dem Kloster und Hauptleihgeber St. Paul, in Lavanttal Österreich sowie dem Erfurter Angermuseum versammelt die Ausstellung einmalige Zeugnisse dieses außergewöhnlichen Prozesses.

Gehen Sie mit dieser Ausstellung auf Spurensuche! Spuren, die im profanen Alltag verankert sind, ihrer Herkunft nach aber einen eindeutig religiösen Ursprung besitzen – und die bis heute fortwirken. Bis zum sechsten Januar werden viele selten gezeigte Schätze für kurze Zeit an das Licht der Öffentlichkeit geholt, ehe sie wieder hinter sicheren Mauern verschwinden: So ein Erfurter Richtschwert, Bücher­schätze aus Erfurts großer mittelalterlicher Bibliothek, der Amploniana, Kunstwerke aus dem Fundus des Angermuseums und nicht zu vergessen das älteste gedruckte Buch der Welt, das „Missale speciale abbreviatum“ von Johann Gutenberg. Noch nie hat es eine breite Öffentlichkeit zu Gesicht bekommen.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche und einen erholsamen Reformationstag. Vielleicht nutzen Sie ja die Gelegenheit der Ausstellung im Haus zum Stockfisch einen Besuch abzustatten.  

Ihr

Andreas Bausewein