Ratssitzungssaal: Historie und Moderne im Einklang

17.03.2008 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, nach sieben Monaten Staub und Baulärm wird am Dienstag der restaurierte Ratssitzungssaal eingeweiht. Fast scheint dieser wichtigste Raum des Rathauses aus einer Art Dorn­röschen­schlaf geweckt worden zu sein: Die Farben­pracht, die sich unter der ehemals weiß getünchten Decke verbarg, ist nur eine Überraschung.

Das Rathaus, wie wir es heute kennen, wurde zwischen 1870 und 1875 auf den Grundmauern seiner Vorgänger­bauten errichtet. Diese reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Ein Versammlungs­raum für die Ratsherren war von je her zentrales Element des Rathauses. Darum ist es auch nicht nachzu­vollziehen, warum die Architekten und Ratsherren bei dem neogotischen Neubau dieses doch ganz wesentliche Detail – den Stadtverordneten­sitzungssaal – vergessen haben.

Ein Missstand, der erst 30 Jahre später beseitigt wurde. Durch eine Verlängerung des Ostflügels und den Bau eines neuen Treppenhauses. Die Erweiterung entsprach in Stil und Bauweise dem neogotischen Rathausbau. Herzstück war der sich über zwei Etagen erstreckende Stadtverordneten­sitzungssaal. Ein repräsentativer Saal, der sich vor seiner Sanierung – bedingt durch die Folgen des Krieges und den Lauf der Zeit – eher düster als glanzvoll präsentierte. Alte Fotos lassen die Pracht vergangener Tage erahnen, sie zeigen: drei mächtige Wand­gemälde, auffällige Decken­bemalungen und Holzver­täfelungen, hohe Fenster mit luftigen Vorhängen oder auch Tintenfässer auf den Tischen der Ratsherren …

Diese Zeiten sind vorbei. Statt Tintenfässern stehen allen Abgeordneten Steckdosen und drahtloses Internet zur Verfügung. Hinter dem Präsidiumstisch verbirgt sich eine Leinwand, die auf Knopfdruck heraus­gefahren werden kann. Und für Menschen mit Hör­einschrän­kungen wurden Induktions­schleifen in Parkett und Rang installiert. Die drahtlose Konferenz­anlage kam schon im Ausweich­quartier, dem Festsaal, zum Einsatz. Und die Vorhänge sind schon vor Jahren Jalousien gewichen. Außerdem wurde die bereits beim Bau des Saals installierte Lüftungs­anlage wieder in Betrieb genommen und mit einer Klima­anlage den heutigen Anforderungen angepasst. Sie sorgt für kühle Köpfe, auch während heißer Debatten im Sommer.  

Das Gemälde Otto Hammels, das den Fischmarkt mit dem alten Rathaus um etwa 1720 zeigt, wurde restauriert, ebenso die Holz­täfelungen mit ihren aufwändigen Schnitzarbeiten. Die ursprüngliche Bemalung der Saaldecke und die Wand­fassung der Empore wurden wieder freigelegt, Tische und Stühle überarbeitet. Damit ist der Ratssitzungs­saal neben dem Festsaal der repräsentativste Raum des Rathauses. Während der eine für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt wird und der Öffentlichkeit zugänglich ist, ist der andere nur an ausgewählten Tagen geöffnet. Während der Stadtrats­sitzungen sind Gäste immer willkommen. Da die Kapazitäten der Empore aber begrenzt sind, empfiehlt es sich, rechtzeitig Karten zu reservieren. Sie erreichen den Sitzungs­dienst telefonisch unter der 655-2002/2003 oder während der Dienstzeiten im Raum 216.

Im April wird der Stadtrat in seinem angestammten Saal tagen. Sie sind herzlich eingeladen. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche und ein frohes Osterfest.

Ihr

Andreas Bausewein