Eine Schule wird 100

16.06.2008 00:00

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, an meinen ersten Schultag kann ich mich noch sehr gut erinnern. Am 1. Sep­tember 1979 wurde ich Schüler der POS 7 "Johannes Gutenberg". In diesen Tagen feiert die Schule mit Lehrern, Schülern wie Ehe­maligen ihr 100-jähriges Bestehen und blickt zurück auf bewegte Geschichte und Geschichten.  

Der Tag der Schuleinführung ist für jedes Kind etwas ganz Beson­deres – jetzt glaubt man endlich zu den "Großen" zu gehören und freut sich, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Auch ich kann mich noch gut an meine Schul­einführungs­feier auf dem Peters­berg erinnern. Stolz trugen wir unsere Ranzen und Zuckertüten, endlich waren wir Schulkinder und zählten zu der Gemeinschaft derer, die Teil dieses alten Haus waren, dessen Mauern so viel Geschichte ausstrahlte.  

Von nun an gehörte die imposante, das gesamte Stadtviertel prägende, Gutenberg­schule endlich auch zu meinem Alltag und wurde für mich außerdem ein Stück Heimat: Hier begegnete ich Menschen, die mein Leben für etliche Jahre prägten und hier fand ich viele Freunde. Doch hinter den altehr­würdigen Mauern wurde längst nicht nur gepaukt, sondern auch gefeiert.  

Ich habe viele positive Erinnerungen an meine Schulzeit. Über die Geschichte der Gutenbergschule erfuhren wir in diesen Jahren aber nur wenig. Umso mehr freut es mich, dass es jetzt endlich eine Broschüre gibt, die die gesamten 100 Jahre resümiert. Denn ein jeder kennt dieses Gebäude, aber wer weiß schon, dass die ursprünglich evangelische Volks­schule von 1914 bis 1918 und von 1940 bis 1946 als Lazarett genutzt wurde? Oder dass sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges gleich drei Bildungs­einrichtungen beherbergte: eine Volks­schule, eine Pädagogische Fach­schule für die russische Sprache sowie eine Akademie zur Ausbildung von Neu­lehrern? Den meisten Erfurterinnen und Erfurtern ist sie nur als POS 7 und als Gutenberg-Gymnasium bekannt.

Leider sind die zahlreichen glücklichen, geschichts­trächtigen und spannenden Jahre dieser Schule überschattet. Für viele steht der Begriff Gutenberg-Gymnasium synonym für die Tragödie vom April 2002. Auch wenn der 26. April ein nunmehr belasteter Tag ist, so sollten wir uns dennoch bewusst sein, dass die Gutenberg­schule vor allem eines ist: Ein Stück lebendige Heimat für viele Schülerinnen und Schüler unserer Stadt.

100 Jahre Gutenbergschule, das ist ein Grund zum Feiern. Als Oberbürger­meister, ganz besonders aber als ehemaliger Schüler freue ich mich auf die Feiern des Jubiläums­jahres und deren Auftakt am Dienstag. Ich freue mich auf die Treffen mit Lehrern und Schülern und den Austausch vieler Erinnerungen und heiterer Anekdoten.  

Vielleicht nutzen Sie diese Woche ja auch, um mal wieder an Ihre Schulzeit zu denken. Für die meisten von uns – Schulstress, die eine oder andere schlechte Note und so manchen Streit mit den Mitschülern hin oder her – eine Zeit voller positiver Erinnerungen.

Ihr

Andreas Bausewein